Beginnt nun alles wieder von vorne? Also eine Energieknappheit, gefolgt von einer Preisrallye an den Zapfsäulen und beim Gas, was dann die Inflation nach oben treibt, die in Österreich besonders klebrige Eigenschaften aufweist. Erste aufgeregte Zurufe aus den Ländern gibt es bereits, sie dürften aber eher strategisch motiviert sein. Denn es gibt gute Gründe, dass es diesmal anders laufen wird und vorauseilender Pessimismus verfehlt wäre.
Dass die Meerenge von Hormus gesperrt ist, wird zwar unzweifelhaft einen Einfluss haben, doch der Großteil dieser Öl- und Gaslieferungen – insgesamt ein Fünftel der weltweiten Menge - geht nach Asien. Indirekt wird Europa und damit Österreich natürlich auch betroffen sein, weil sich China, Indien und Co. anderweitig eindecken müssen und dies die Preise steigen lässt. Aber es ist – vorerst jedenfalls - kein Lieferengpassproblem wie nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Zudem haben sich die OPEC-Staaten auf eine Erhöhung der Fördermenge geeinigt, was mittelfristig mildernd wirken sollte. Das heißt, die direkten Folgen für Österreich werden nicht so gravierend sein wie 2022.
Resilienter als 2022
Österreich ist aber auch sonst resilienter aufgestellt. Die vorherige Regierung legte die strategische Gasreserve an und diversifizierte die Lieferungen. Aufgrund des vergleichsweise strengen Winters sind die Gasspeicher derzeit weniger gut gefüllt als im Vorjahr, aber mit aktuell 36 Prozent ausgangs der kalten Jahreszeit nach wie vor gut. Da in Österreich die Energiekonzerne ihre Geschäfte etwa ein bis manchmal drei Jahre im Vorhinein tätigen, werden Haushalte und Unternehmen von den derzeitigen Marktbewegungen wenig spüren. Vorerst.
Sollte sich der Krieg im Nahen Osten auswachsen und die Energiepreise weiter nach oben klettern und dauerhaft hoch bleiben, gibt es mittlerweile aber auch Werkzeuge, mit denen die Politik in die Energiepreise besser eingreifen kann als vor vier Jahren. Bereits jetzt in Kraft ist das geänderte Preisgesetz, in dem Strom und Gas wieder integriert sind, nachdem es beim EU-Beitritt herausgenommen wurde.
Zwei Werkzeuge
Wenn überall in Europa die Energiepreise sinken, diese in Österreich aber nach wie vor hoch sein sollten, könnte die Regierung direkt eingreifen. Ob und wann sie es will, ist eine andere, politische Frage, man müsste aber kein eigenes Konstrukt bauen wie damals bei der Strompreisbremse. Der Energie-Krisenmechanismus ist zwar noch in Verhandlung, aber so weit gediehen, dass er in Kraft sein wird, wenn er in einigen Monaten gebraucht werden sollte. Damit könnte der Strompreis gedeckelt werden, wenn aufgrund des Merit-Order-Systems ein hoher Gaspreis die Stromproduktion stark verteuert.
Österreich scheint diesmal gut – oder jedenfalls deutlich besser – gerüstet zu sein. Die aktuelle Lage und der Anstieg der Energiepreise könnten sogar der Bundesregierung bei ihrem Ansinnen hilfreich sein, auf EU-Ebene eine Änderung des Merit-Order-Prinzips zu erwirken. Allerdings sollte der Koalition die aktuelle Krise erneut und noch stärker in Erinnerung rufen, dass erst der weitere, zügige Ausbau der Erneuerbaren wirkliche Energieunabhängigkeit und damit Resilienz bietet.