Das neue Jahr hat in Österreich eine spürbare Entspannung bei der Inflation gebracht. Im Jänner lag die Teuerungsrate bei 2,0 Prozent, im Februar laut aktuell veröffentlichter Schnellschätzung der Statistik Austria bei 2,2 Prozent. „Dienstleistungen waren mit einem Preisauftrieb von 4,0 Prozent erneut der wichtigste Inflationstreiber, im Jänner hatte dieses Preisplus 3,8 Prozent betragen“, so Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria. Die Energiepreise wiesen mit einem Minus von 4,1 Prozent einen deutlich geringeren Rückgang auf als noch im Jänner mit minus 4,9 Prozent, vor allem die Treibstoffpreise dämpften die Inflation weniger.

Die bisherigen Prognosen für das Gesamtjahr deuten auf eine weiterhin eher moderate Inflationsrate, das IHS rechnete zuletzt mit 2,2 Prozent, in Österreich hin. Doch das könnte sich ändern, so die Befürchtung. Denn der Iran-Krieg und die damit verbundene drohende Sperre der Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel der globalen Öl- und Flüssiggastransporte erfolgen, sorgen derzeit für massive Preissprünge. Und die könnten sich entsprechend wuchtig auf die Teuerung auswirken. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent lag zu Jahresbeginn bei knapp über 60 US-Dollar, am Dienstag kratzte der Preis zwischenzeitlich an der Marke von 85 Dollar. Innerhalb der letzten Woche ist der Preis um fast ein Fünftel gestiegen. Mit Folgen für die Sprit- und Heizölpreise.

Steil nach oben zeigt weiterhin auch der Preis für europäisches Erdgas. An der Börse in Amsterdam stieg der Preis für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat auf mehr als 60 Euro je Megawattstunde (MWh). Das sind um gut 30 Prozent mehr als am Vortag. Das hat auch damit zu tun, dass Katar als wichtiger Produzent und Lieferant von Flüssigerdgas (LNG) die Produktion aufgrund der Verwerfungen in der Region ausgesetzt hat.

Wie werden diese Entwicklungen die Inflationsrate in Österreich beeinflussen? „Die Dauer der aktuellen Situation ist entscheidend“, betont die Ökonomin Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria. Unmittelbar sei jedenfalls „mit einem Aufschlag bei den Sprit- und Benzinpreisen zu rechnen, der sich direkt auf die Inflationsrate auswirkt“. So sei im März mit einer höheren Inflationsrate in Österreich zu rechnen, so Köppl-Turyna. „Sollte die Situation länger anhalten und die Straße von Hormus längerfristig blockiert sein, sind Probleme in den Logistikketten zu erwarten, die wiederum die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben könnten.“ Ein zweites Thema sei die langfristige Wirkung auf Gas und Strom, „vergleichbar mit den Erfahrungen aus der Anfangszeit des Ukraine-Kriegs“. Der Gaspreis sei bereits massiv angestiegen. „Sollte die Situation zwei, drei oder vier Monate andauern, werden sich diese Preissteigerungen zeitlich verzögert auch in den Strompreisen niederschlagen“, so die Ökonomin. Einmal mehr, so ihr Appell, zeige sich, wie wichtig es ist, „die Stromversorgung unabhängiger vom Gas zu gestalten“. Panische Polit-Reaktionen in Form von Energiepreisdeckeln hält Köppl-Turyna nicht für sinnvoll, diese seien „langfristig kontraproduktiv“.

Wie geht es mit den Energiepreisen weiter? Jürgen Roth, Obmann des Energiehandels in der Wirtschaftskammer, verhehlt nicht, dass es derzeit „helle Aufregung am Markt gibt“. Das gelte auch für Vorlieferanten, „niemand kann abschätzen, wie es weitergeht“. Zu Wochenbeginn sei es teilweise gar nicht so einfach gewesen, überall Ware zu bekommen, daher werden auch Risikoaufschläge verlangt. Roth: „Noch sind die Tankstellenpreise aufgrund des Wettbewerbs noch eher moderat gestiegen, sie werden aber in den nächsten Tagen weiter steigen, da die alte Ware in den Tanks durch neue, teurere ersetzt wird.“ Vor dem Hintergrund der Rohölpreisanstiege seien zehn bis 15 Cent Spritpreisanstieg je Liter denkbar. Doch auch Roth betont, dass nun alles von der Dauer dieses Krieges abhänge.

Auch die Heizölpreise seien gestiegen, „wir waren da zuletzt mit 1,1 Euro eher verwöhnt, der aktuelle Anstieg auf 1,3 bis 1,4 Euro ist erheblich im längerfristigen Vergleich aber nicht außergewöhnlich“. Man registriere derzeit sehr viele Nachfragen. Derzeit würde er Kundinnen und Kunden eher dazu raten, mit dem Einlagern noch abzuwarten. „Wer es nicht unbedingt jetzt braucht, sollte abwarten. In den ersten Wochen nach einem Preisanstieg gibt es oft viel Angst und Spekulation am Markt. Es ist ratsam, die Entwicklung eine Woche abzuwarten, anstatt in Panik zu geraten.“ Wenn derzeit einige kleinere Händler nicht ausliefern, habe das keinesfalls mit einem Mengenengpass zu tun, sondern mit der unübersichtlichen Situation, die Preisberechnungen zur Lieferung in 14 Tagen erschweren, so Roth.