In seiner Kolumne „Morgenpost“ kritisiert der Bahnfahrer Georg Lux mit spitzer Zunge fehlende Kundenorientierung bei den ÖBB. Beispiele sind die minimalistische Anzahl der Fahrradplätze in Railjets, überfüllte Züge und unzuverlässige Sitzplatzreservierungen. Besonders der vage Hinweis „Ggf. reserviert“, der oftmals auf digitalen Displays über Sitzplätzen zu lesen ist, stehe für ein System, das Fahrgäste und Personal unnötig im Unklaren lasse, während der Reservierungsvorgang bei der Westbahn deutlich einfacher von der Hand gehe.
Auch dass Klimaticket-Inhaber bei den ÖBB für Reservierungen zahlen müssen, bei der Westbahn aber nicht, wirke absurd – gerade weil das ÖBB-Management an selbst geschaffenen Regeln festhält, wie Lux unterstreicht. Sein Plädoyer: Verkehrsminister Hanke soll stärker im Sinne der Fahrgäste eingreifen.
Indes sorgt das Thema im Forum der Kleinen Zeitung für eine durchaus differenzierte Debatte. So sehen manche im Hinblick auf den Bahnverkehr in Österreich die Weichen grundsätzlich richtig gestellt. Andere Fahrgäste fühlen sich vom Staatsunternehmen am Abstellgleis zurückgelassen und/oder haben mit ihrer Geduld längst die Endstation erreicht.
„Mit der Software hat Österreich nicht zum ersten Mal Probleme“
Zu den deutlich kritischeren Meinungen in der Kommentarspalte gehört jene von „schaba88“: „Vor allem das ‚Gegebenenfalls reserviert‘ ist eine Katastrophe, das gibt es in keinem anderen Land. Man kommt sich vor wie ein Rotzlöffel, wenn man von seinem Sitz weggescheucht wird (...).“ Aus Sicht von „peixe“ helfe gegen Derartiges nur Privatisierung: „Die Infrastruktur bleibt beim Staat, der sie sowieso finanzierte und sie, wie auch an die Westbahn, an die ÖBB vermietet. Dann soll sich dieses Privilegienparadies endlich im Konkurrenzkampf bewähren.“
Für „Holofernes“ steckt der Teufel eher im technischen Detail als in den Eigentümer- bzw. Betreiberverhältnissen: „Mit der Software hat Österreich nicht zum ersten Mal Probleme. Scotty (Anm. d. Red.: das Fahrplan- und Buchungsprogramm der ÖBB) funktioniert sehr eingeschränkt. Die Buchung für den Sommer endet abrupt beim Zahlversuch, ob (mit) Karte oder PayPal.“
Wenig angetan von der digitalen Infrastruktur der Bundesbahnen zeigt sich auch „MCW61“: „Der Zug kann mit über zweihundert Stundenkilometern fahren, aber man schafft es nicht, Daten an den Zug zuverlässig zu übertragen, damit Reservierungen richtig angezeigt werden!“ Im Bekanntenkreis des Users liege die Quote, dass man mit Reservierung auch tatsächlich einen reservierten Sitzplatz bekommt, bei rund 50 Prozent. „Da ist noch sehr viel Luft nach oben! Von der Problematik, Fahrräder mitzunehmen, möchte ich jetzt gar nicht sprechen, da befindet sich die ÖBB im Steinzeitalter!“
„Verfügen über Schienennetz, von dem viele nur träumen“
Nicht so dramatisch sieht „Lepus52“ die Lage: In Österreich werde auf hohem Niveau gejammert, während in Amerika selbst Millionenstädte oftmals keinen Bahnanschluss haben. „Gleichzeitig verfügen wir über ein Schienennetz, von dem viele andere Regionen nur träumen und phantasieren können“, so „Lepus52“ weiter. „Sogar beschauliche ‚Dörfer‘ wie Klagenfurt und Villach genießen Schnellbahnanschlüsse. Nicht alles kann immer sofort ausgebaut oder perfekt an jede individuelle Freizeitgestaltung angepasst werden.“
Der Umstand, dass die Transportkapazitäten für Fahrräder längst nicht dem Bedarf gerecht werden können, wird auch von anderen Kommentierenden als unproblematisch erachtet. „In erster Linie ist es die Aufgabe der ÖBB, in Personenzügen Fahrgäste zu transportieren“, zeigt sich „The Passenger“ überzeugt. „Wenn jemand sein Spielzeug unbedingt mitnehmen will, muss er entweder frühzeitig reservieren oder es eben mit dem ÖBB-Gepäckservice verschicken.“
Für „feringo“ scheint die Vorstellung, dass Menschen ihr Fahrrad in den Urlaub mitnehmen wollen, gar widersinnig. Sodass das Ausborgen vor Ort empfohlen wird, denn: „Fahrräder sind zum Fahren und nicht zum Transportieren gebaut.“ Wobei die Frage offenbleibt, ob wirklich alle Fahrgäste ihre Reise ohne Rennrad, Mountainbike und Co. in vollen Zügen genießen würden ...