„Ich wünsche eine angenehme Fahrt“, hört man die Stimme des Unternehmers Hans Peter Haselsteiner nach kurzen Begrüßungsworten durch die Boxen und über die noch unbefleckten Sitzbezüge des Zuges hallen, der sich gerade in Bewegung setzt. Die Westbahn hatte zur Jungfernfahrt auf der Südstrecke geladen, die an diesem Vormittag nicht nur von Brötchen und Croissants, sondern diversen Kärntner Kulturdarbietungen begleitet wird.

Zeitlich penibel getaktet werden Bilder von Werner Berg durch die Abteile getragen, die wunderbaren Gregorič-Schwestern des Duo Sonoma stimmen Gitarre und Geige an, das Quintett Petzen besingt ein „Dirndale“ und eine Tanzgruppe junger Mädchen turnt in den platzarmen Gängen. Dann wird der Helmut Qualtinger Klassiker „Bundesbahnblues“ angespielt.

Keine Feierlaune bei der ÖBB

Die besungenen Bundesbahnen versetzt der massive Streckenausbau der Westbahn nicht in Feierlaune. Denn das Unternehmen serviciert nach Salzburg, Bregenz und München mit der Südstrecke nun eine weitere (wenn nicht sogar die) Königsstrecke der ÖBB. Ab Sonntag dreimal täglich, ab Mai fünfmal täglich rauschen die 250 km/h schnellen Züge „Smile“ des Schweizer Herstellers Stadler über den Semmering und unter der Koralpe hindurch, deren Untertunnelung die Strecke überhaupt erst attraktiv für den privaten Anbieter gemacht hat. Bei der ÖBB gibt man sich betont gelassen, im Hintergrund gibt man freilich zu, dass man auf die private Konkurrenz auf der Strecke gerne verzichtet hätte.

Wer sich übrigens fragt, warum die Westbahn von und zum Wiener Hauptbahnhof und nicht zum Heimathafen des Unternehmens (Westbahnhof) fährt, für den hat die Autorin nachgeforscht. Das Unternehmen, hört man, habe sich ernsthaft überlegt, den Hauptbahnhof auszulassen und „nur“ Wien Meidling anzusteuern. Aufgrund der wenig idealen Verbindung zwischen Westbahnhof und Meidling hätte das aber einen zeitlichen Mehraufwand von einer halben Stunde gebracht, den die Kunden ablehnen würden. Und ganz ohne Meidling-Stopp wären die Zustiegsmöglichkeiten in der Bundeshauptstadt beschränkt gewesen.

Züge in beide Richtungen

Als zu Mittag der erste der neuen Züge, die große Kärnten-Schriftzüge sowie Personen und Angebote aus der regionalen Kunst- und Kulturszene zieren, in Villach ankommt, stehen Blaskapelle und Bühne für die Ansprachen schon bereit. Noch-Landeshauptmann Peter Kaiser freute sich, dass nun umso mehr Menschen die Vorzüge seines Bundeslandes kennenlernen könnten. Dass Kärntnerinnen und Kärntner auch noch mehr Möglichkeiten haben, eben dieses zu verlassen, erwähnt er nicht. Doch auch das hätte die feierliche Stimmung am Bahnhofsvorplatz kaum trüben können.