Mehr Tote befürchtet Ärzte zweifeln an offizieller Corona-Statistik Serbiens

Die Zahl der Toten soll deutlich höher sein, als es die Behörden aus politischen Gründen offiziell ausweisen.

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Im Kampf gegen das Coronavirus bietet Serbien ein widersprüchliches Bild © AP
 

Im Kampf gegen das Coronavirus bietet Serbien ein widersprüchliches Bild. Einerseits liegt das Balkanland bei den Impfungen gemessen je Million Einwohnern hinter Großbritannien in Europa an zweiter Stelle, bei der Verabreichung der zweiten Dosis führt Serbien sogar in Europa. Andererseits sind die Corona-Neuinfektionen aber so stark gestiegen, dass in der Vorwoche ein Lockdown verhängt werden musste, der am Montag endete. Nur Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Tankstellen blieben offen. Serbien verzeichnete täglich rund 5000 Neuinfektionen.


Der Lockdown ist eine Notbremse, die nach Ansicht anerkannter Ärzte viel zu spät gezogen wurde. Dieses Zögern sowie mangelnde Disziplin ließen die Zahlen massiv ansteigen. Dazu beigetragen haben die Feiertage zu Jahresbeginn, Partys in den Skiorten sowie Coronapartys mit mehreren hundert Teilnehmern. Experten werfen den medizinischen Mitgliedern des Krisenstabs vor, politisch willfährig zu sein. Massive Zweifel hegt etwa der bekannte Epidemiologe Zoran Radovanovic an der offiziellen Statistik: „Jetzt ist klar, dass die offizielle Zahl der Toten um das Doppelte bis Vierfache geringer ist als in Wirklichkeit. Das waren keine Fehler, sondern bewusste Manipulationen. Ich habe mehrfach Anrufe von Ärzten bekommen, die mir gesagt haben, dass sie selbst so viele Tote gezählt haben, wie dann für ganz Serbien gemeldet wurden. Im Vorjahr hatten wir eine Übersterblichkeit von 14.000 Personen. Ich schätze, dass davon zwischen 8000 und 10.000 Covid-19-Tote waren, während offiziell 3211 Tote im Vorjahr verzeichnet wurden.“

Viele Impfgegner

Vom Krisenstab war niemand zum Interview bereit. Weiterhin gibt es genug Impfstoff, doch die Zahl der Impfgegner sei beträchtlich, betont Radovanovic: „Der Staat hätte eine Gesundheitserziehung durchführen und die Bedeutung der Impfung erklären müssen. 800.000 Bürger haben nun zwei Dosen bekommen, doch das ist nicht genug, weil diese Coronawelle so intensiv ist.“ In Serbien können sich auch Ausländer zur Impfung anmelden, die keinerlei Beziehungen zum Land haben. Hinweise auf Impftourismus gibt es, aber noch keine Beweise, dass es sich um eine organisierte Form handelt, die über persönliche Beziehungen hinausgeht.

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