Urlaub mit Sonne, Strand und StichWas hinter ,,Impfreisen'' steckt

Veranstalter wollen Reisen in Länder außerhalb der EU anbieten, bei denen die Coronaimpfung inklusive ist. Allen voran ein Österreicher.

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© Lothar Drechsel/stock.adobe.com (Lothar Drechsel)
 

Urlaub mit Sonne, Strand und Spritze: In den letzten Wochen haben einige Anbieter in Europa laut über sogenannten „Impfreisen“ nachgedacht, mit denen man der Vakzinknappheit in Europa davonfliegen können soll.

Am lautesten der Wiener Verleger Christian Mucha, der an solchen Trips inklusive Immunisierung arbeitet: „Derzeit sind wir in Verhandlungen mit vier Staaten. Einem in der Karibik, einem an der Seidenstraße, je einem im Mittleren und Fernen Osten“, sagt Mucha. Diese Länder dächten zur Ankurbelung ihres lokalen Tourismus darüber nach, Kontingente ihres Impfstoffs an eine begrenzte Zahl von Reisenden abzugeben, die solche Impfreisen buchen. Damit sei auch die Echtheit der Vakzine garantiert. Die Preise sollen inklusive Immunisierung zwischen 3000 und 40.000 Euro kosten.

Serbien, Dubai, Ägypten oder Israel hatte der Unternehmer bereits ins Gespräch gebracht, diese Länder zählten nun allerdings doch nicht zu den potenziellen Kandidaten. „Ich bin mir inzwischen zu 80 Prozent sicher, dass es mit manchen Ländern funktionieren wird.“ Den Start der Impfreisen fasst er für Ende März oder Anfang April ins Auge.

Die Idee sei ihm gekommen, weil er sich so über die Impfstoffbeschaffung der EU und Impfverweigerer geärgert habe, inzwischen soll es mehr als 10.000 Voranmeldungen geben. Mucha selbst werde bei einem Erfolg allerdings nur als Ideengeber fungieren, die Abwicklung der Reise sollen professionelle Veranstalter, das Impfen medizinische Profis vor Ort abwickeln. „Sollte dabei ein Faktor nicht erfüllt sein, werden wir das Produkt nicht anbieten.“

Impfschadengesetz könnte nicht greifen

Konsumentenschützter können mangels konkreter Vertragsbedingungen noch keine Aussagen zu den Impfreisen machen. Auch das Gesundheitsministerium will „keine pauschalen Aussagen bezüglich der Qualität und Seriosität solcher Angebote abgeben“. Weist allerdings darauf hin, „dass im Fall von Vakzinen, die in der EU nicht zugelassen sind, kein Anspruch auf Entschädigung laut Impfschadengesetz gegeben wäre“. Und dass das Umgehen der staatlichen Impfreihenfolge einzelner die globale Herausforderung einer Pandemie nicht löse: "Das Problem der derzeitigen Knappheit ist ein weltweites, eine Auslagerung der Impfung in ein anderes Land würde daher auch nur dieses Problem in ein anderes Land verschieben."

Eine Bruchlandung hat nach vollmundigen Ankündigungen ein deutscher Reiseveranstalter hingelegt: „Wir stehen da noch am Anfang der Planung, weil wir das nur umsetzen werden, wenn wir von den Behörden in Deutschland und vor Ort für diese Angebote ihre Zustimmung bekommen. Der Impfstoff ist ja in staatlicher Hand, wir haben darauf keinen Einfluss“, sagt Sarah Porrmann vom deutschen Reiseveranstalter, der sich auf Gesundheits- und Wellnessangebote spezialisiert hat. „Wir würden aber die Rahmenbedingungen für eine solche Reise stellen: Also die Planung des drei- bis vierwöchigen Urlaubs und die Organisation der Impfung vor Ort.“

Absage an Impftourismus

Noch vor wenigen Tagen klang das wesentlich enthusiastischer: Der deutsche Anbieter war noch vor Kurzem mit der Ankündigung von Impfreisen nach Israel ab März und ab April in die Vereinigten Arabische Emirate oder auf die Seychellen vorgeprescht. Israel erteilte dem Vorhaben allerdings prompt eine klare Absage: „Aufgrund von zahlreichen Anfragen und veröffentlichten Presseberichten in den vergangenen Tagen“, betonte die Direktorin des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Ella Zack Solomon, „dass es keine Möglichkeiten für Touristen in Israel gibt, sich impfen zu lassen“.

Kommentare (12)
zweigerl
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Globale Schnäppchenjagd

Nun, der Impftourismus könnte auf der anderen Seite auch die Abschiebungen in Schwung bringen. Afghanistan bekommt von China Abermillionen Ampullen, usw. Sicher, zynisch kalkuliert das Ganze. Aber Globalisierungseffekte haben das an sich, dass man nicht mehr die Sesshaftigkeit schätzt, sondern eine Schnäppchen- und Vorteilsjagd rund um den Globus veranstaltet.

MasterLex
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Unfassbar

Reiche Europäer Reisen in diese Länder und nehmen den Menschen vor Ort die Impfungen weg. die Veranstalter der Reisen und die korrupten Regierungen machen sich die Taschen voll. Die Reichen werden geimpft. Die Armen um ihre Impfung betrogen. Vielleicht sterben sie sogar daran. Welch eine dekadente Gesellschaft.

Zuckerpuppe2000
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Eigennutz

Ein unmoralisches Angebot!

shaba88
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Kommentar

Die sichs richten können, sind sowieso schon geimpft, ob mit oder ohne Reise.

lieschenmueller
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Hat für mich einen Touch

von unmoralisch.

SoundofThunder
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🤔

Man muss die Leute dazu animieren sich impfen zu lassen. Und das ist eine Möglichkeit dazu. Bevor der Urlaub flachfällt weil man nicht geimpft ist lässt man sich impfen. Nur das blöde ist dass es bis in den nächsten Winter nicht genügend Impfdosen geben wird um die gesamte Bevölkerung zweimal zu impfen. Selbst wenn man sich impfen lassen will,man kommt nicht dran.Der Impfstoff kommt tröpfchenweise so langsam wie ein Skalaktit wächst. Die Warteschlange ist schon lange.Der Urlaub heuer fällt auch ins Wasser.

plolin
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Sound

Mein Urlaub fällt heuer sicher nicht ins Wasser. Habe schon auf das Skifahren verzichtet, aber auf Sommerurlaub verzichte ich sicher nicht. Ob mit oder ohne Impfung. So wie es in Österreich ausschaut, bestimmt ohne!

Gabi68p
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Urlaub

In Österreich?

SoundofThunder
10
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J

Ist auch schön! Aber man will in einen Leben auch Teile der Welt Live erleben und nicht via GoogleEarth.

erstdenkendannsprechen
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stellt sich nur die frage, ob die länder, die da so angedacht sind, impfstoff für die eigene bevölkerung in hülle und fülle haben,

oder ob da halt dann die (touristen), die mehr zahlen, den vorzug bekommen.
das wäre dann so: ICH will die welt sehen (klima egal) und dazu will ICH in der gegend herumfliegen und geimpft sein will ICH auch - selber schuld, wenn sich die (ärmeren bis armen) menschen in diesem land keinen impfstoff leisten können.
das wär so, als ob unsere regierung verträge mit reiseanbietern aus zb. deutschland macht, die deutschen machen eine kaffeefahrt und können sich gleich impfen lassen, weil sie zahlen ja dafür.
egal, ob sie risikopatient sind oder nicht, sie müssten dann im eigenen land warten.
ein bisschen schäbig, oder (das ein bisschen können sie sich wegdenken)

Gabi68p
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Erstdenken dannreden

Leider gibt’s das bereits, 😕 war ein Beitrag in Thema am letzten Montag

Gabi68p
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T

Kann ich gut verstehen, wird aber leider noch länger dauern, und es gibt viel schlimmeres als Urlaub zu Hause