Oft wird gesprochen über die zwei Amerikas; das arme und das reiche, das weiße und das schwarze, das linke und das rechte. Am Montag wurde Donald J . Trump als neuer Präsident angelobt, und obwohl er versicherte, dass er der Präsident aller Amerikaner sein wolle, adressierte er das eine Amerika, das sich benachteiligt und entrechtet fühlt, von der ganzen Welt ausgenutzt, und das ihn gewählt hat.
„Von Gott gerettet“ wähnte sich Trump – in Anspielung auf das missglückte Attentat auf ihn im Sommer –, um Amerika wieder groß zu machen. Er werde den Niedergang stoppen, das Land wieder groß und mächtig machen, respektiert und beliebt, wohlhabend und souverän, sagte Trump. Das Versagen der Politik, wie zuletzt bei den Bränden in Kalifornien, sei vorbei. Mit ihm sei das „Goldene Zeitalter“ Amerikas gekommen, wie damals bei der Eroberung des Westens. Die Vereinigten Staaten werden alle Kriege beenden. Außerdem werde man die Stars-and-Stripes-Fahne auf den Mars pflanzen.
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Hinter Trump standen ein grinsender Tucker Carlson, der Journalist, der zur Stimme der Rechtspopulisten wurde, ein ernster Barron Trump, sein jüngster Sohn, der mit all seinen Halbgeschwistern und Mutter Melania der Rede lauschte und ein strahlender Elon Musk. Ebenfalls in der Zuhörerschaft: ein die Fassung bewahrender Joe Biden und der ewig gut gelaunte Bill Clinton nebst Hillary, sowie Kamala Harris. Nancy Pelosi, die langjährige Chefin der Demokraten, die Biden aus dem Wahlkampf geschubst hatte, war nicht gekommen.
Trumps Rede akzentuierte, unter großem Jubel der Republikaner, all seine Wahlkampfversprechungen: Er werde den Panamakanal annektieren, den Amerika für viel Geld gebaut habe und den China nun nutze. Er werde die Grenze schließen und niemand werde mehr eingelassen, schon gar nicht Kriminelle. Die lateinamerikanischen Kartelle würden zu terroristischen Organisationen erklärt; die Massenabschiebungen illegaler Einwanderer nach Mexiko begännen sofort. Das US-Finanzamt werde Einfuhrzölle von anderen Ländern kassieren. Dies - aber auch, überall nach Öl zu bohren und Öl zu exportieren - werde neuen Reichtum bringen. Und: Der Golf von Mexiko heiße ab sofort Golf von Amerika.
Schlag gegen das „woke“ Amerika
Dann führte Trump einen Schlag gegen das „woke“ Amerika. Von nun an gebe es nur zwei Geschlechter, männlich und weiblich. DEI - die Berücksichtigung ethnischer Minderheiten unter den Schlagwörtern Diversity, Equity, Inclusion, - sei vorbei, sagte der Präsident, der sich explizit bei seinen schwarzen und hispanischen Wählern bedankte. Und: Er werde es per Dekret verbieten, freie Rede einzuschränken.
Viel Zeit widmete Trump seinen Vorgängern: William McKinley, unter dem es im 19. Jahrhundert ebenfalls Schutzzölle gab und der die USA in den Philippinischen Krieg geführt hatte (bald darauf wurde er ermordet), McKinleys Nachfolger Teddy Roosevelt, der maßgeblich dafür gesorgt hatte, dass die USA in den Ersten Weltkrieg eintraten. Der neue Präsident will zudem die Akten über die Ermordung von John F. Kennedy und der schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King öffnen, was er allerdings schon das letzte Mal versprochen hatte.
Trump hat außerdem in Aussicht gestellt, die Verurteilten des Kapitol-Aufstands vom 6. Jänner 2021 zu begnadigen und ungeimpfte Soldaten, die entlassen wurden, wieder einzustellen. Nach Trumps Angelobungsrede sprachen drei Geistliche, ein Rabbi, ein schwarzer protestantischer Pfarrer und ein weißer katholischer Priester aus Brooklyn –kein Iman. „America the Beautiful“ wurde gesungen und „Glory, Glory Hallelujah“, die Hymne der Nordstaaten im Bürgerkrieg.
Wenig staatstragend gab sich Trump bei seiner Ansprache vom Balkon des Kapitols aus, wo er dem Volk versicherte, es sei viel schöner und jünger als die Politiker da drinnen. Derweil flog ein Hubschrauber Joe und Jill Biden aus, während Amerika auf seine neue Zukunft wartet.