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Häme & HerabwürdigungKurz: "Anschober hat mir aus der Seele gesprochen"

Die Regierung nach dem Abgang Rudolf Anschobers: Hoffnung auf eine neue politische Kultur und die Wahrnehmung auch von Politikern als Menschen. Vorschusslorbeeren für den neuen Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP): Auch er fühlt sich einsam an der Spitze
Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP): Auch er fühlt sich einsam an der Spitze © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Gleich zu Beginn der Pressekonferenz nach dem Ministerrat bedankte sich ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz noch einmal bei Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) für dessen Arbeit und wünschte ihm rasche Erholung.

Kurz nahm es zum Anlass, um auch auf die Belastung für ihn persönlich und die Belastung sämtlicher Regierungsmitglieder in den Zeiten der Corona-Pandemie einzugehen. Mit seinen Worten über die Einsamkeit, die man empfinde, wenn man an der Spitze stehe und schwierige Entscheidungen treffen müsse, habe Anschober vielen aus der Regierung, "auch mir", aus der Seele gesprochen. "Vielleicht ist der Rücktritt auch eine Chance für eine andere politische Kultur." Kurz klagte über Kritik, Häme, Misstrauensanträge, Rücktrittsaufforderungen, rüde Parlamentsdebatten bis hin zur Herabwürdigung von Politikern.

Es lag auf der Hand, dass die erste Frage darauf abzielte, ob er, Kurz, nicht ein schlechtes Gewissen habe, weil er selbst Anschober angegriffen habe, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem dieser sich im Krankenstand befunden habe. Kurz wich aus. Er habe jedenfalls so viel Zeit mit Anschober verbracht wie kaum ein anderer, in stundenlangen, ja nächtelangen Sitzungen: "Oft waren wir einer Meinung, oft auch verschiedener Meinung." Die Politik habe es nicht leicht, angesichts des Umstandes, dass meist nicht einmal die Experten einer Meinung seien.

Vorschusslorbeeren für Mückstein

Kurz: "Ich verstehe jeden, der sagt, dass Politik hart und herausfordernd ist. Vielleicht ergibt sich jetzt die Chance, dass Politiker nicht erst als Menschen gesehen werden, wenn sie gesundheitlichen Schaden genommen haben oder zurückgetreten sind."

Vorschusslorbeeren gab es für Anschober-Nachfolger Wolfgang Mückstein: Er habe ihn bereits kennengelernt, so der Kanzler, und ihn als "extrem positiv empfunden": Mückstein sei "ein Mann vom Fach", komme aus der Praxis, im doppelten Wortsinn (Mückstein ist bekanntlich Arzt), und die Regierung habe etwa mit Bildungsminister Faßmann oder Arbeitsminister Kocher bereits mehrfach mit Erfolg Experten in die Regierung geholt.

Enger Austausch mit Burgenland

Kanzler Kurz und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) bekannten sich zum burgenländischen Sonderweg innerhalb der Ostlösung, also dem vorzeitigen Ende des Lockdowns in Österreichs östlichstem Burgenland. Man habe ja die Möglichkeit regionalen Vorgehens eigens geschaffen, so Kogler. Allerdings: Man werde sich die Entwicklung ganz genau anschauen, "denn es kann nicht sein, dass einerseits geöffnet wird und andererseits die Rettungsfahrer keine verfügbaren Intensivbetten mehr finden".

Der solidarische Ausgleich innerhalb der Bundesländer sei im Übrigen so zu verstehen, dass von vornherein auch freie Intensivbetten in anderen Ländern angefahren werden könnten, denn jemand, der einmal an der Beatmungsmaschine hänge, sei oft nicht mehr transportfähig.

Das Burgenland sei im intensiven Austausch mit der Bundesregierung, bestätigte auch Kurz. Man setze dort auf eine Intensivierung der Teststrategie, was grundsätzlich zu begrüßen sei.

Aus jetziger Sicht werde der Impfplan halten, trotz aller Schwierigkeiten, und mit Lockerungsschritten könne im Mai begonnen werden.

 

Kommentare (99+)
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heuteneu
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Kurz und die Herabwürdigung

Die einen, die ihr Herz auf der Zunge tragen, sprechen aus, was nicht passt, die anderen, die sich im Griff haben, so wie der EX-Gesundheitsminister, die schlucken hinunter. Aber jetzt zur Frage: warum hat sich der scheidende Gesundheitsminister bei allen möglichen Leuten bedankt, nicht aber beim Bundeskanzler?? Das ist doch auch eine Herabwürdigung, oder etwa nicht? Einfach den wichtigsten Mann oder Menschen der Regierung zu übergehen, das sagt doch viel aus!!

UHBP
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@heut...

In einem freien Land, darf man sich bedanken bei wem man will und das ist keine Herabwürdigung sondern nur ein Zeichen von Rückgrat.
Schleimis würden sich natürlich bedanken ;-)

Airwolf
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BK

An prepodenz nicht zum überbieten.

Sam125
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Häme und Herabwürdigung!? Ja,brauch man sich nur die Poster allein auf diesem

Portal der Kleinen Zeitung genau anzusehen und schon wird einem Klar was für unglaublich primitives Volk wir eigentlich sind!! Ohne Verstand und Rückgrat fügen wir anderen Menschen die schlimmsten Beleidigungen zu und scheuen auch nicht vor Morddrohungen zurück um andere Menschen zu denunzieren und zum Aufgeben zu zwingen!! Es ist traurig wieviele dumme Mitbürger es bei uns im Land gibt! Und ja,es gibt natürlich auch Lichtblicke in unserer Gesellschaft,doch leider nicht in Österreich, denn Herr Kurz wurde mit einem FREIHEITSPREIS geehrt!! Danke!

aposch
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So ist es!

Es wird so oft geschrieben, dass Postings gelöscht werden, wenn sie den Anstand verletzen, Beleidigen oder Lügen verbreiten.
Wo aber geschieht das wirklich? Dann dürften kaum noch Beiträge in den Foren zu lesen sein. Es ist die Frage, wer das überhaupt überprüft und ob diese Prüfungen nicht auch parteipolitisch gelenkt werden.
Es wäre höchst an der Zeit, wenn die Regeln, für die man sich verpflichten muss, auch tatsächlich umgesetzt würden.Denn dann wäre es mit all den Lügen und Beleidigungen vorbei. Freie Meinungsäußerung darf eine Ausrede dafür sein.

KleineZeitung
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Löschen oder nicht? Eine Gratwanderung

Wir sind ein Team aus Redakteurinnen/Redakteuren, die im Forum mitlesen und gegebenenfalls löschen bzw. antworten. Parteipolitisch gelenkt sind wir jedenfalls bestimmt nicht! Ebenso oft wie uns vorgeworfen wird, dass wir Zensur üben würden, wird uns vorgeworfen, nicht genug zu löschen. Mir wäre es auch am liebsten, wenn sich einfach alle an die Forenregeln halten würden und es nichts zu löschen gäbe. Ich lasse aber manchmal Posts durchgehen, weil sonst die gesamte Diskussion nicht mehr verständlich wäre. Antworten sind ja oft interessant und blieben unverständlich, wenn Beiträge dazwischen gelöscht werden. Außerdem müssen sich Politiker mehr an Beleidigungen gefallen lassen als Privatpersonen. Und wir sind ja auch an einem möglichst freien und offenen Diskurs interessiert. Es bleibt aber immer eine heikle Gratwanderung.
Freundliche Grüße, die Redaktion

aposch
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Korrektur

Freie Meinungsäußerung darf keine Ausrede dafür sein!

metropole
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Scheinheilig

Die scheinheiligkeit des Messias ist kaum zu überbieten ! Auch für ihn kommt der Zeitpunkt des Abschiedes vielleicht schneller als er denkt !!

wischi_waschi
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Metropole

Ich, habe leider keine Hoffnung mehr,,,,,,,,,,

Hako2020
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Es

ist wie wenn ein Firmenangehöriger gestorben ist,und der Chef
die Grabrede haltet.Er war der fleissigste,ehrlichste,bravste und liebster
Mitarbeiter,aber alle wissen es,er war das alles nicht.
Scheinheiligkeit hat keine Grenzen.

Imandazu
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Scheinheiligkeit, dein Name ist Kurz.

Kurz war für „Zeit für Neues“. Jetzt bin ich auch dafür. Kurz hat der politischen Verlogenheit, dem Postenschacher und der staatsgefährdenden Politik eine Hochblüte beschert.

MaMe
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Scheinheilig....

Wielange werden solche scheinheiligen und durchschaubaren Aussagen noch beachtet? War es nicht Kurz, der Anschober während seinem Krankenstand persönlich attackiert hat? Der politische Stil wurde von dieser türkisen Schnöseltruppe bewusst zerstört und alles den eigenen Umfragewerten und der eigenen Macht untergeordnet.

GordonKelz
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Dieser SATZ, Hr. Bundeskanzler....

...ist ein schweres Foul, dass die Menschen nicht vergessen werden, denken Sie an meine Worte....
Gordon Kelz

OE39
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Anstand

Schade, dass sich niemand nach dem Abgang auspacken traut (Mitterlehner, Anschober, Strache) was da wirklich gespielt wird.

BernddasBrot
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Don Sebastian

sollte die Postings in Social Media ansehen , da hätte er genügend Feed back , dass ihn die Mehrheit nicht mehr glaubt. ...Countdown is running.....

WSer
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Richtige Wort zu richtigen Zeit ...

Herr Anschober ist netter Mensch, pädagogisch eloquent, hat Talent, Dinge emphatisch rüberzubringen - aber er ist entscheidungsunfähig.

Auch sein Stil wie er zurücktrat, zeigt nicht von Größe. Seinen Teamleader dies erst eine Stunde vor dem medialen Abgesang davon zu unterrichten,ist ein absolutes NoGo und zeigt von fehlenden Teamplaying.

Immerhin hätte der den Kanzler die Chance geben können in Zuge dieses Personalwechsels, vielleicht auch noch die Chance zu geben, einen grundsätzlichen Umbau vorschlagen zu können. Es wäre mitunter überlegenswert gewesen, wenn man temporär auf die Pendemiezeit ausgedehnt, durch Ressortumschichtung das Ministerium zu einem reinen Gesundheitsministerium-Pandemie-Ministerium gemacht hätte.

Ich will nicht wissen, wenn die Türkisen gegenüber den Grünen bei einem Wechsel so vorgegangen wären, wie sich die Medien da - mit recht -echauffiert hätten.

carlottina22
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Keine Größe?

Die Größe, die Herr Anschober durch seinen Rücktritt und die ehrlichen, klaren Worte bewies, sucht ihresgleichen..... Und, die Emotionalität, die er zeigte, macht ihn umso sympathischer. Wie wohltuend verglichen mit der Aalglätte mancher Anderer.

WSer
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Das war kein Rücktritt .....

... sondern mit der politischen Unkultur, wie er sie anstellte, eine Flucht vor der Realität in die Irrealität und der Selbsterkenntnis seines Unvermögens. Schlimm ist, dass er dabei gesundheitliche Schäden davon trug.

Was man ihn hoch anrechnen mus ist: Er war fleißig und hat sich bemüht.

Lodengrün
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Lesen

Sie alle Beiträge hier dann werden Sie sehen wie allein Sie in Ihrer Meinung sind. Haben ja den gleichen Verdrängungsmechanismus wie der Kanzler. Der stellt sich auch mit breiter Brust hin und erzählt etwas von Erfolgen. Wir hatten schon etliche „ Koryphäen“ 😂in der II. Republik. Er schafft sie alle locker. Zusammengerechnet wohlgemerkt. Und wie er daneben ist beweist er abermals mit dieser Äußerung.

tubaman58
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Die Wahrheit liegt meist irgendwo dazwischen

Ganz Unrecht hat WSer nicht. Das politische Parkett ist sehr glatt. Es sind schon viele darauf ausgerutscht, und es werden noch viele folgen. Anschober ist sicher nicht so naiv gewesen, dass er nicht wusste auf was er sich da einlässt. Mit der Pandemie hat er Pech gehabt, aber schließlich und endlich ist er gescheitert. Die Gründe dafür kann man beurteilen wie man will. Die Sympathie von den Menschen ist ihm aber wirklich vergönnt.

UVermutung
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"Lesen sie alle Beiträge hier..."

Das nennt man Echokammer.

carlottina22
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Mir kommen gleich die Tränen

Ja, geht es denn noch peinlicher, kindische und durchschaubar? Ich befürchte, ja.

carlottina22
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Sollte

heißen kindischer und durchschaubarer

carlottina22
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Wenn sogar

zu Eigenkorrektur rote Striche kommen, dann weiß man, wie Sie alle ticken. 😂😂

mobile49
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es fehlt nur noch

ein sogenannter "grasserbrief"

ismirschlecht
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Kritik, Häme, Misstrauensanträge...

.... und mich nervt - Postenschacher , Korruption, Lügen - vor allem Personen die glauben die Weisheit mit dem Löffel ..- ach Schade um die Zeit er liest es ja doch nicht !

 
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