Leicht fällt es ihnen nicht, aber jetzt gibt es kein Zurück mehr. Mit Ende März ist die weithin bekannte Tischlerei Erschen in Eberndorf/Dobrla vas Geschichte. Das Brüderpaar Johann (65) und Josef (66) Erschen, das die Tischlerei seit 1990 führt, geht in Pension. Da die Suche nach einem Nachfolger weder innerhalb der Familie noch extern in den vergangenen Jahren erfolgreich war, entschlossen sich die Brüder zu diesem letzten gemeinsamen Schritt. „Unsere Kunden und Lieferanten haben wir bereits alle informiert. Jetzt arbeiten wir noch die letzten Aufträge ab“, erklärt Johann Erschen.

Das Büro- und Produktionsgebäude der Tischlerei Erschen in der Gewerbestraße in Eberndorf, rechts befindet sich eine Lagerhalle
Das Büro- und Produktionsgebäude der Tischlerei Erschen in der Gewerbestraße in Eberndorf, rechts befindet sich eine Lagerhalle © Simone Jäger

Als Bautischlerei und Sargmacherei gegründet

Die Geschichte der Tischlerei Erschen reicht bis ins Jahr 1927 zurück. Damals wurde sie vom Großvater der Brüder in Gablern/Lovanke gegründet. Von 1958 bis 1990 führte sie Vater Josef Erschen. Als dann Johann und Josef Erschen den Familienbetrieb in dritter Generation übernahmen, war bald klar, dass die Werkstatt in Gablern zu klein ist. „Ein Drittel der Zeit haben wir damit verbracht, Dinge herumzuräumen, um genug Platz zum Arbeiten zu haben“, erinnert sich Johann Erschen an die Anfänge. So wurde der neue Firmenstandort in der Gewerbestraße in Eberndorf errichtet, der seit 1993 nun Werkstatt und Produktion, Lager- und Büroflächen bietet.

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das Unternehmen von der Bautischlerei und Sargmacherei hin zur exklusiven Möbeltischlerei. Die Arbeit haben sich die Brüder, beide ausgebildete Tischlermeister, aufgeteilt: Johann ist im Verkauf und Außendienst tätig, Josef ist für die Produktion der Möbel verantwortlich. Inklusive der Chefs gibt es elf Mitarbeitende, die sich nun nach neuen Arbeitsplätzen umsehen müssen. Hier macht sich Josef Erschen aber keine Sorgen, denn er weiß um die Fertigkeiten seiner Angestellten: „Ein Betrieb ist nur so gut wie seine Mitarbeiter. Wir können auf unsere Qualität stolz sein.“

Über 50 Lehrlinge ausgebildet

In ihren 36 Jahren als Firmenchefs wurden über 50 Lehrlinge im Betrieb ausgebildet. Unzählige gewonnene Lehrlingswettbewerbe und aktuell auch der dreifache Tischler-Staatsmeister Klemens Reinfried zeugen davon, wie viel Zeit vor allem Josef Erschen in die Lehrlinge investiert. In ihrer Jugend staubten die Brüder selbst viele Preise ab: „Andere Tischlereien wollten gar nicht mehr bei Bewerben mitmachen, weil wir immer alles gewonnen haben“, sagen die beiden mit einem Schmunzeln.

Zu einem großen Meilenstein zählte neben dem Neubau in Eberndorf die Zusammenarbeit mit Innenarchitektin Angelika Thausing. So konnte die Tischlerei bereits vor rund 30 Jahren 3D-Animationen von Küchen und anderen Möbeln anbieten, um so Pläne den Kunden besser zu veranschaulichen.

„Schließung muss man sich leisten können“

Die Schließung der Tischlerei Erschen nach insgesamt 99 Jahren ist das Ende einer Ära in der Wirtschaftsgeschichte (nicht nur) von Eberndorf. „Das richtige Beenden eines Unternehmens muss man sich auch leisten können“, betont Josef Erschen. So seien etwa einige Abfertigungen alt auszubezahlen und man bleibt noch eine Zeit lang Einkommensteuerpflichtig. „Wir mussten uns in all den Jahren nie entschulden. Obwohl es nicht immer einfach war, haben wir alle Kredite stets zurückbezahlt“, ergänzt sein Bruder. Beide möchten sich abschließend bei den Kunden und den fleißigen Mitarbeitenden für die oft jahrzehntelange Vertrauensbasis und die Handschlagqualität bedanken. Das einen halben Hektar große Firmengelände hat übrigens bereits einen Käufer gefunden.