Joe Biden wird nach John F. Kennedy der erst zweite katholische Präsident in der Geschichte der USA sein. Seinen Amtseid als 46. US-Präsident wird er heute in Washington mit der Hand auf einer alten Bibel seiner Familie ablegen. Und eine wesentliche Rolle wird bei der Zeremonie einer der angesehensten Theologen der USA spielen: Leo O’Donovan wird bei der Amtseinführung das traditionelle einleitende Bittgebet sprechen wird. Der ehemalige Präsident der Georgetown Universität ist ein langjähriger Freund der Familie Biden. 2015 leitete er die Trauermesse für Bidens ältesten Sohn Beau, der im Alter von 46 Jahren an einem Hirntumor gestorben war. Den Segen zum Abschluss der Zeremonie wird dann Pastor Silvester Beaman sprechen, ebenfalls ein Freund der Familie.

O’Donovan, 1934 in New Yorker geboren, lehrte an verschiedenen Colleges, unter anderem am Boston College, der ältesten und zweitgrößten Jesuiten-Hochschule in den USA. Von 1989 bis 2001 leitete der Theologe die Georgetown University in Washington, eine der renommiertesten Universitäten weltweit.



1957 war O’Donovan in Lyon dem Jesuiten-Orden beigetreten; 1966 wurde er zum Priester geweiht. Er studierte zunächst in den USA, in Frankreich und auch in Deutschland an der Westfälische Wilhelms-Universität in Münster, wo er 1971 bei Karl Rahner promovierte. „In Münster habe ich das Priestertum gelernt“, betonte er. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war er drei Jahre lang Subsidiar in der Münsteraner Pfarrei St. Antonius. Die Kinder in der Gemeinde hätten allerdings Schwierigkeiten mit seinem Namen gehabt und ihn deshalb nur „Pater Donnerwetter“ genannt, erzählte er später. O’Donovan schreckte auch vor ungewöhnlichen Aufgaben nicht zurück: In seiner Zeit als Universitätspräsident gehörte er auch dem Aufsichtsrat von Walt Disney an – das Amt war ihm vorgeschlagen worden, weil er die Menschen gut kenne und verstehe.