Reportage aus der HofburgImperiales Impfen in der Wiener "Impfburg"

Der Bundespräsident lud am Nationalfeiertag zum Impfen in die Hofburg ein. Die Impfaktion in imperialem Ambiente überzeugte auch Skeptiker. Die Zahl der Impfdosen wurde spontan aufgestockt.

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Jungfamilie zum Impfen beim Bundespräsidenten in der Hofburg © APA/BUNDESHERR/LECHNER
 

Auf dem roten Teppich stehen die Menschen mit einem Impfpass in der Warteschlage. Stuck, Luster und Ölgemälde statt Linoleumböden, Neonleuchten und kahlen Wänden: Die Menschen, die am Nationalfeiertag in die Hofburg kommen und sich ihre Impfdosis abholten, mögen es extravagant. Die ersten Besucher begleitete Bundespräsident Alexander Van der Bellen persönlich. Robert Kerschner holte sich bei ihm den zweiten Stich ab: „In diesem imperialen Rahmen lasse ich mich gerne impfen. An das spezielle Ambiente erinnere ich mich bestimmt noch lange.“

Das geplante Kontingent der 300 Impfdosen wurde auf 350 aufgestockt, weil das Interesse der Kurzentschlossenen größer war als gedacht. 230 Personen hatten sich zuvor angemeldet, der Rest entschied sich spontan für die Impfung im Marmorsaal der Hofburg. Anschließend stand ein Besuch in der Präsidentschaftskanzlei auf dem Programm.

1700 Impfgegner

Keine Lust auf das imperiale Ambiente hatten jene Demonstranten, die einmal mehr gegen die Corona-Maßnahmen durch die Stadt zogen und Flyer verteilten: „Jedes Impfopfer ist eines zu viel.“ Laut Polizei nahmen rund 1.700 Menschen an der Demonstration teil – unter ihnen befand sich auch der Kärntner Querdenker Martin Rutter. Er machte im inneren Burghof Stimmung gegen die Corona-Impfung.

Foto © APA

Sicherheitsschleuse und royaler Boden

Davon bekommen die Impfwilligen wenig mit, sie müssen wie am Flughafen eine Sicherheitsschleuse passieren. Die Wartezeit nehmen sie dabei gerne in Kauf – immerhin stehen sie auf royalem Boden. Hier residierte schon Kaiserin Maria Theresia. Staatsverträge werden an diesem Tag zwar keine unterzeichnet, stattdessen aber Aufklärungsbögen zur Corona-Schutzimpfung. Christian Pilsinger stand der Impfung anfangs skeptisch gegenüber. Jetzt holt sich der 36-Jährige seinen Erststich und ist dafür eigens aus Niederösterreich angereist.

Laut den Organisatoren der „imperialen Impfaktion“ wurden dabei großteils Erststiche verteilt. Das bestätigt auch der Arzt, der den Besuchern ihre Dosis verabreicht: „Ich sehe das angesichts der stagnierenden Impfbereitschaft als Erfolg. Heute impfe ich auch Skeptiker, die von diversen Privilegien nicht mehr ausgeschlossen sein wollen.“

Foto © Thomas Winkelmüller

Auf einen Sprung schaute auch Michael Ludwig (SPÖ) vorbei. Der Wiener Bürgermeister freute sich, dass sich so viele Menschen „dem Charme des Bundespräsidenten nicht entziehen konnten“.
Das außergewöhnliche Ambiente fasziniert die 14-jährige Sophia Böhm: „Es ist einfach wunderschön hier“, staunt sie. Das schmuckvolle Parkett, die rote Tapete und die Hintergrundmusik hätte sie in einer Arztpraxis nicht zu Gesicht bekommen. Nach dem Stich schreiten die Geimpften durch das Maria Theresia-Zimmer, den Spiegelsaal und das Pietra-dura-Zimmer. Orte, die Sophia Böhm bisher nur aus dem Fernsehen kannte.

Goodie-Bag

Beim Ausgang bekommt sie ein Goodie-Bag in die Hand gedrückt. Was beim Blutspenden die Wurstsemmel ist, sind beim Impfen in der Hofburg Schokolade, Apfel und Pflaster. Und die Schutzwirkung der Corona-Impfung nicht zu vergessen.

Kommentare (3)
Irgendeiner
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Naja,der HBP tut das seine und das auf gewohnt

freundliche Art ohne Allüren.Und man könnte natürlich auch ein Auto verlosen unter den Frischgeimpften oder die Impfkönigin des Tages küren und ich würde kein Wort dagegen sagen wenn das hilft mehr Menschen Gevatter Hain zu entziehen,aber still,ganz tief drin im Herzen,würd ich mich doch fragen unter was ich da gefallen bin.

oberrisser9
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Tolle Idee

Die Impfung in der Hofburg war eine hervorragende Idee. Das sind die Idee impfbereite Menschen zu erreichen. Impfgegner wird man ohnehin nicht überzeugen können. Impfgegner mögen aus Solidaritätsgründen eine Patientienverfügung machen, dass sie bei ausgelasteten Intensivstationen auf die Warteliste kommen.

Kulak
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