Loipen gibt es auch hierzulande viele, Corona verleiht dem Langlaufsport neue Schubkraft. Doch „Sci di fondo“ im Val Saisera (Saiseratal) ist selbst für Fortgeschrittene ein einzigartiges Erlebnis.

Wo sich sonst grenzüberschreitend Einheimische, Österreicher und Slowenen zum gemeinsamen Wachseln, Gleiten und Skaten treffen und ein beherzter Sprachencocktail gemixt wird, hört man diesmal ausschließlich Italienisch. Längst überwunden geglaubte Grenzen zieht Corona neu.

Zumindest auf den sozialen Medien dürfen auch die Nachbarn staunend und neidvoll verfolgen, was Langlauffreunde aus Italien so alles posten. Zu sehen sind meist strahlende Gesichter und verschwitzte Körper, die sich klassisch oder per Skating-Technik lautlos durch die einmalig schöne Landschaft unter dem Massiv des Jôf di Montasio (Montasch) und des Jôf Fuart bewegen.

Im Winterwunderland rund um Tarvis erwarten Langlauffreunde 40 Kilometer Loipen, das Val Saisera mit Blick auf die Gipfel der Julischen Alpen gilt als die unbestrittene Königin der Langlaufloipen im Kanaltal. Selbst in schneearmen Wintern sind hier die Langlaufbahnen von erstaunlicher Qualität.

Saisera – slowenisch Zajesera – bedeutet, so erklärt Claudia Lux in ihrem neuen Kanaltal-Buch, „hinter dem See“. Das Tal könnte seinen Namen einem eiszeitlichen, mittlerweile ausgetrockneten See verdanken. Die Spuren des einstigen Gletschers sind auch heute noch sichtbar.

Wer in diesem Tal auf zwei Brettern durch die Gegend gleitet, wird von der Stille und Schönheit der Landschaft überwältigt sein: Auf sanft ansteigenden Pfaden führt die Loipe auf eine Hochebene vor dem majestätischen Bergmassiv. Hier ziehen Langläufer auf der Loipe „Alta Saisera“ – zwölf Kilometer lang – ihre Schleifen, ehe sie die durchaus ambitionierte Abfahrt zum Ausgangspunkt bei der Saisera-Hütte in Angriff nehmen.

Der „Saisera Wild Track“ ist 11 Kilometer lang
© Boris Preschern

Je nach Fertigkeit und Routine kann auch an anderer Stelle im Tal gestartet werden, Parkplätze sind vorhanden und auch Einsteiger kommen hier auf ihre Kosten. Weiter unten im Tal lädt die gemächlichere Bassa Saisera zum Langlauf ein. „Piero di Lenardo“ heißt der neue, vier Kilometer lange Rundkurs, der auch beschneit werden kann.

Aber nicht allein Langlauf-Aktivisten, auch Spaziergänger, Schneeschuhwanderer und Nordic Walker finden hier einen einmaligen Spielplatz der Natur. Der sich über elf Kilometer windende „Saisera Wild Track“ nahe der Langlaufloipe startet ebenso beim Parkplatz bei der Saisera-Hütte.

Der „Saisera Wild Track“ kreuzt den Saisera-Bach
© Oscar Buzzi

Wer Motivationsschübe braucht, findet sie möglicherweise in den Sprüchen, die dem Spaziergänger den Weg versüßen sollen. Ein Naturerlebnis, das man nicht missen soll, zu allen Jahreszeiten. Man überquert das Bett des Saisera-Bachs, stets begleitet vom ungewohnten Sound der Geräuschlosigkeit, atemberaubende Bergpanoramen im Blick.

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Durch die Nadelwälder führt auch der „Forest Sound Track“, der seinen Namen dem Resonanzholz verdankt, das hier wächst. Dieser Themenwanderweg (5,5 Kilometer lang, mit Audio-Guide auf Deutsch) beginnt im Ortskern von Valbruna. Im Wald der Resonanzfichten, unmittelbar unter den Felswänden des Piccolo Nabois, befindet sich das Ziel. Man erfährt auf Schautafeln einiges über die Kunst des Baus von Geigen, Bratschen, Celli, Gitarren, die aus dem Holz dieser Bäume erzeugt werden.

Der „Forest Sound Track“ führt durch die Nadelwälder
© Uwe Sommersguter

Wie so oft in österreichisch-italienischen Grenzgebieten sind auch hier Spuren des Ersten Weltkriegs zu finden. An die seelenlosen Jahre des „Grande Guerra“ erinnern drei Rundwege, Teil des Themenparks „Abschnitt Saisera“. Ein 2012 gegründetes Freilichtmuseum zur „Vorderen Saisera“-Linie, einer von zwei Abwehrlinien der österreichisch-ungarischen Truppen im Ersten Weltkrieg, um einer befürchteten Invasion aus dem Val Dogna entgegenhalten zu können.

Der am einfachsten zu bewältigende Rundweg ist grün markiert, der anspruchsvollere, blaue, führt auf 1055 Meter zum Fuß des Piccolo Nabois, der dritte Rundweg, rot markiert, erklimmt den höchsten Punkt des Parks: die Geschützkaverne auf 1224 Meter Seehöhe.

Überreste der österreichischen Verteidigungsanlagen aus dem Ersten Weltkrieg sind Teil eines Themenparks
© Uwe Sommersguter

Zurück auf die Loipe, in der sich in normalen Jahren Italiener, Österreicher und Slowenen friedlich miteinander oder an der Uhr messen – oder einfach nur das Leben genießen. Einige treffen sich später in der Saisera-Hütte, bei „Omas Kuchen“ und einer heißen Schokolade oder – ganz klassisch – Espresso und Cappuccino. Schließlich hat man ja zuvor jede Menge Kalorien verbrannt.

Die Schneeverhältnisse sind dieser Tage jedenfalls ausgezeichnet, erzählt uns Alberto Busettini vom Tourismusverband der Gemeinde Malborghetto-Valbruna. Er geht von besten Pistenverhältnissen bis weit in den März hinein aus. Vielleicht ist dann das Vergnügen nicht mehr nur Italienern vorbehalten. Gerade im Saisera-Tal, wo das Ziehen von Grenzen besonders schmerzhafte Einschnitte hinterließ, warten viele auf die Rückkehr der Nachbarn. Mit Langlaufski – oder auch ohne.

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