Kurzer Abriss der irischen Geschichte: Den Römern war es auf der Insel zu kalt. Dafür kamen die Wikinger und plünderten und taten, was Wikinger so tun, gründeten aber auch Dublin. Danach reisten die Engländer an. „Wir haben sie für ein Wochenende eingeladen“, sagt Tourguide Mary Phelan verschmitzt. „Aber sie sind 700 Jahre geblieben.“

Heute sind die Engländer, aber auch die Wikinger wieder da, als Touristen. Auf einem knallgelben Cabrio-Bus rauschen sie mit gehörnten Plastikhelmen laut lachend durch die Straßen der irischen Hauptstadt. Dazwischen liegen Jahrhunderte voller Kriege, Unterdrückung, Aufständen und Not.

Das Museum der Emigration zeichnet die Lebenswege vieler Iren nach
© Peter Varga

Acht Millionen Iren gab es vor der großen Hungersnot (1845-1849), mehr als eine Million verhungerte, zwei Millionen flohen in die Emigration, unzählige wurden von den Briten in Strafkolonien verbannt. Heute hat Irland fünf Millionen Einwohner, aber 70 Millionen auf allen Kontinenten berufen sich auf ihr irisches Erbe. Der Emigration ist am Ufer des Liffey, der Dublin in einen Nord- und einen Südteil trennt, ein eigenes Museum gewidmet.

Bier und Whiskey, Musik und Poesie

Die Iren sind nicht nur mit Bier und Whiskey über die schweren Zeiten gekommen, sondern auch dank Musik, großer Literatur und feinem bis spöttischem Humor. Der Schriftsteller Brendan Behan nannte sich selbst einen „Trinker mit einem Schreibproblem“. Und James Joyce widmete dem Autor des Poems „The Meeting of the Waters“, Thomas Moore, ein paar Zeilen in seinem „Ulysses“: Es sei angemessen, dass dessen Statue am Ort eines öffentlichen Urinals steht – wo die Wasser sich treffen.

„Stiletto in the Ghetto“ wird "The Spire" im Volksmund genannt
© icarmen13/stock.adobe.com (jordache)

Ein immerhin gnädigeres Schicksal als das der Statue von Lord Horatio Nelson in der O’Connell-Street nördlich des Liffey. Der Sieger von Trafalgar war Admiral des britischen Königs. Deshalb haben ihn irische Republikaner in die Luft gejagt. An seiner Stelle ragt jetzt „The Spire“ (Die Spitze) in die Höhe, im Volksmund die „größte Nadel von Dublin“ genannt, oder „Stiletto in the Ghetto“. Ein Stück weiter hebt ein steinerner Mönch segnend den Arm. Die Dubliner sagen, er zeige nur, wo das nächste Pub ist.

Der "Tempel" der Nachtschwärmer

Sie haben es mit den Worten und mit den Pubs in dieser pulsierenden, vibrierenden Stadt. In Teilen von Dublin gibt es mehr Pubs als Häuser, viel mehr – Temple Bar. Das ist weder ein Tempel, noch eine Bar und doch beides. „Bar“ ist ein Weg, der zum Fluss führt, Temple war der Grundbesitzer, der die Gegend um das verfallene alte Zollhaus gekauft hat. Heute reiht sich dort Pub an Pub, in denen man bei Live-Musik sein Essen, sein Guinness, oder neuerdings Craft-Beer und anregende Gespräche genießen kann, sofern das Restgehör dafür reicht.

Die Statue der viel besungenen Molly Malone
© Fred/stock.adobe.com

Wer erschöpft nach draußen taumelt, den fängt sicher ein Straßenmusiker auf. Ah, Dublin und die Musik: Die Harfe ist schließlich das Nationalsymbol der Iren. In Temple Bar gibt es einen Rory Gallagher Corner samt Gitarre an der Backstein-Fassade, ganz in der Nähe des Clarence Hotels, das der Band U2 gehört.

Molly Malone verkauft wie im nach ihr benannten Volkslied noch immer „Cockles and Mussels“ (Muscheln). Die Abnützungsspuren an ihrer üppigen Bronzestatue zeigen, dass Touristen in Dublin tendenziell weniger zu Meeresfrüchten greifen. Ein Stück weiter, in der Grafton Street, singt Allie Sherlock gegen Wind und Regen – es gibt kein schlechtes Wetter in Irland – an. Die erst 17-Jährige hat allein 5,5 Millionen Abonnenten auf Youtube.

Das „Little Museum of Dublin“ steckt voller Erinnerungen
© KK

Kleine Dinge erzählen große Geschichten

Gleich ums Eck erzählen „eine Million kleiner Dinge eine große Geschichte“: Die Sammlung des „Little Museum of Dublin“ umfasst Fotos, Urkunden und Miniaturenten, Plattencover, ein Kirchenfenster, Milchflaschen, Anstecknadeln, einen zerbrochenen Teller uvm. Die Dubliner haben sie mit den dazu gehörenden Geschichten gespendet. Wer auf die Idee gekommen ist, zerbissene Tennisbälle, die Hunde in Dun Laoghaire (Dun Liery) zurückgelassen haben, einzurahmen, ist nicht bekannt, aber er oder sie steht definitiv in einer großen Tradition.

Dublin ist ab November durch einen Direktflug mit Klagenfurt verbunden. Sie müssen ja nicht 700 Jahre bleiben, aber ein Wochenende wird Ihnen auch zu kurz vorkommen.

Mehr zum Thema