„Ich hab immer schon zwischen zwei Welten gelebt“, erzählt Ines Hofbauer-Sreedhar. Als sie drei Jahre alt war, zogen ihre Eltern mit ihr aus der Oststeiermark nach Wien. „Ich war jedes zweite Wochenende und alle Ferien in Waisenegg bei meinen Großeltern und meinen Freunden“, erzählt die 47-Jährige. In den steirischen Wäldern spielte sie als Kind und erlebte Freiheit, in Wien genoss sie die Kultur.

Heute lebt sie in Wien, mit ihrem indischen Mann Harsha Sreedhar. Waisenegg besucht sie alle zwei bis drei Monate. „Es zieht mich immer wieder zurück. Von den Orten der Kindheit träumt man immer.“

Liebe zu Indien

Geträumt hat Hofbauer-Sreedhar auch immer schon groß. Sie studierte Politikwissenschaft, Soziologie, Volkswissenschaften und Orientalistik, arbeitete drei Jahre in der Arbeitsforschung und war danach fünf Jahre politisch für die Grünen tätig. Mit 31 Jahren nahm sie sich ein Sabbatical, also ein freies Jahr, und ging nach Indien.

„Fremde Kulturen haben mich immer schon interessiert“, erzählt sie. Eine Freundin machte in Indien ein Praktikum als Sozialarbeiterin. „Ich hab ganz viele Geschichten über Indien gehört. Es war bunt, laut, der Inbegriff für Fremdes.“ Schon ihre Familie war stets aufgeschlossen allem Unbekannten gegenüber. So stürzte sich Hofbauer-Sreedhar ins Abenteuer.

Einen Monat lang reiste sie mit einer Freundin, einen Monat lang half sie in einer Schule bei einem Sozialprojekt. Ihren Mann lernte sie über eine Bekannte kennen. „Er hat in Wien studiert, ist nach vier Jahren aber wieder zurück nach Indien gegangen. Wir waren sehr schnell verliebt“, erzählt die 47-Jährige.

Die beiden verbrachten viel Zeit zusammen, besuchten unter anderem das „Holi Festival“. Nach drei Monaten kehrte Hofbauer-Sreedhar zurück nach Österreich. „Es war klar, dass wir versuchen wollten, zusammen zu bleiben.“ Das war jedoch nicht einfach.

Fernbeziehung

„Die Jobsuche war als Astronom für ihn schwer.“ Währenddessen unterrichtete Hofbauer-Sreedhar Deutsch als Fremdsprache, nachdem sie eine weitere Berufsausbildung abgeschlossen hatte. „Meine Zeit in Indien hat mir gezeigt, dass ich gern unterrichte.“ Ihre Mutter und ihre Großmutter waren Volksschullehrerinnen.

Am Goethe-Institut in Bangalore unterrichtete Hofbauer-Sreedhar
Am Goethe-Institut in Bangalore unterrichtete Hofbauer-Sreedhar © Privat

Acht Monate lang lebte Hofbauer-Sreedhar in Indien. „Ich hab am Goethe-Institut in Bangalore unterrichtet.“ Doch es zog sie wieder in die Heimat. „Wir haben sehr lang eine Fernbeziehung geführt, alle sechs Monate war ich in Indien. Für ihn war es visumstechnisch schwieriger.“ Ein Leben zwischen zwei Welten.

Leben in Wien

Rund zehn Jahre lang ging das so. „Zwei Jahre hatten wir Beziehungspause, weil wir gedacht haben, das funktioniert nicht.“ Dann jedoch der Wandel. Harsha Sreedhar stellte sich beruflich neu auf, er lernte Deutsch und die beiden heirateten. Das ist jetzt sieben Jahre her. „Er hat einen guten Job in der KI (red. Künstliche Intelligenz) bekommen.“ Hofbauer-Sreedhar arbeitet als Betriebs- und Schulkoordinatorin bei einem Bildungsprojekt. Dabei vermittelt sie Jugendliche aus dem Ausland an Schulen und Lehrstellen.

Ob Heimweh noch ein Thema ist? „Er hat immer gesagt, er will in Europa leben. Jetzt ist es Österreich geworden. Einmal im Jahr sind wir Indien und einmal pro Woche telefonieren wir mit seinen Eltern und seiner Schwester. Er kocht viel Indisch, weil es für ihn eine Verbindung nach Hause ist.“

Hofbauer-Sreedhar gesteht, dass die Beziehung eine Herausforderung war. „Bei einer bi-nationalen Beziehung weiß man, dass es kompliziert ist und stellt sich darauf ein. Wenn sich zwei Seelen treffen, die zusammenpassen und harmonieren, schweißt das zusammen.“