In Südafrika scheint eine neue Studie den eher milden Krankheitsverlauf der Coronavirus-Variante Omikron zu bestätigen. Nach Auswertung von bis Ende November vorliegenden Daten ergibt sich demnach eine bis zu 80 Prozent geringere Chance, zur Behandlung ins Krankenhaus zu müssen. "Die sehr ermutigenden Daten deuten stark auf eine geringere Schwere der Omikron-Infektionswelle hin", sagte Cheryl Cohen von Südafrikas Nationalem Institut für übertragbare Krankheiten (NICD) am Mittwoch.

Sie warnte jedoch, dass es sich noch um relativ frühe Daten handelt und weitere Studien nötig seien. Geimpfte Omikron-Patienten hätten zudem eine 70-prozentige Chance, einer Behandlung auf der Intensivstation zu entgehen. Experten raten aber, die Daten der Studie mit Vorsicht zu genießen. 

Paul Hunter, Professor an der britischen University of East Anglia, warnt vor voreiligen Schlüssen. Eine Schwäche der Studie sei, dass die Omikron-Daten aus den Monaten Oktober und November mit Delta-Daten aus einem früheren Zeitraum (April bis November) verglichen würden, sagt Hunter. Ein Grund für die Unterschiede könnte die inzwischen höhere Immunität der Bevölkerung sein.

Allgemeine Aussagen unmöglich

Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe emerging viruses in der Abteilung für Infektionskrankheiten, Universität Genf, gibt zu bedenken: "Aktuell erscheinen mir die Daten zur Krankheitsschwere von Omikron noch etwas zu dünn, um daraus allgemeingültige Aussagen zu treffen. Ein ganz entscheidendes Problem wird bei der Bewertung der Daten aus Südafrika aber deutlich: Je vielfältiger und diverser die zugrunde liegende Immunität der Bevölkerung wird – durch Impfung oder Infektion, vergangene Varianten-Zirkulation, regionale Unterschiede – umso schwieriger wird es, die Unterschiede in der Krankheitspräsentation entweder dem Virus selbst oder der Grundimmunität zuzuschreiben."

Auch Björn Meyer, Leiter der Arbeitsgruppe Virusevolution an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, meint: "Krankheitsverläufe sind sehr komplex und es wird immer schwerer, Unterschiede in verschiedenen Ländern allgemeingültig zu erklären. Ein wichtiger Teil bei den Infektionen ist unser Immunsystem." Es gäbe große Unterschiede zwischen Südafrika und Deutschland: "Südafrika hatte zum Beispiel viele schwere Wellen – wichtig dabei: Eine Welle war die Beta Variante – die Bevölkerung ist im Durchschnitt sehr viel jünger und so weiter, sodass wir leider mehr Daten brauchen, um mit absoluter Sicherheit sagen zu können, wie schwer Omikron-Verläufe sind." 

Mehr Daten erforderlich 

Ähnliche Einwände bringt auch Virologe Andreas Bergthaler vor: "Meiner Ansicht nach ist es noch zu früh, das zu beurteilen." Auch weil die Bevölkerung von Südafrika und Mitteleuropa nicht zu 100 Prozent vergleichbar ist. Denn in Südafrika gab es eine schwere Delta-Welle mit sehr vielen Infizierten. Gleichzeitig ist die Impfrate geringer, ebenso das durchschnittliche Alter der Bevölkerung. All diese Faktoren gilt es einzuberechnen. Selbes gilt auch für die Meldung, dass mehr Kinder von Infektionen mit Omikron betroffen sein sollen. "Das sind zum Teil anekdotische Erzählungen, hier brauchen wir mehr Daten, um das seriös beurteilen zu können."