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Antirheumatika Ibuprofen hat keinen negativen Effekt bei Covid-19

Zu Beginn der Pandemie geisterten vor allem durch Soziale Medien Berichte darüber, dass Antirheumatika wie Ibuprofen negative Folgen auf den Verlauf von Covid-19 hätten. Die haben sich nur endgültig als Fake News entpuppt.

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© Orawan/stock.adobe.com
 

Die Einnahme von sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, zum Beispiel von Ibuprofen, macht eine Covid-19-Erkrankung nicht gefährlicher und führt nicht zu mehr Todesfällen. Was im März vergangenen Jahres weltweit für Aufsehen sorgte, kann laut einer britischen Studie, die jetzt in "Lancet Rheumatology" mit Daten von Zehntausenden Patienten erschienen ist, ad acta gelegt werden.

Es handelte sich um die bisher größte derartige Beobachtungsstudie, die von Ewen Harrison (Universität von Edinburgh) und den Co-Autoren publiziert worden ist. Beobachtet wurden Krankheitsverlauf und Todesraten von mehr als 72.000 britischen Covid-19-Patienten. 67.968 dieser Kranken hatten vor ihrer Spitalsaufnahme wegen der SARS-CoV-2-Infektion keine herkömmlichen Antirheumatika eingenommen. Hingegen war das der Fall bei 4211 Covid-19-Erkrankten.

Das Hauptergebnis sollte die größten Befürchtungen, die als "Fake News" Ende März 2020 vor allem durch Social Media gegeistert waren, beseitigen: "In der Studie starb etwa ein Drittel (30,4 Prozent; 1279 von 4211) der Covid-19-Patienten, die vor ihrer Spitalsaufnahme NSAIDs eingenommen hatten. Das war eine ähnliche Mortalitätsrate (31,3 Prozent; 21.256 von 67.968) wie bei Patienten, welche solche Arzneimittel nicht verwendet hatten. Bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen führte der Gebrauch von nicht-steroidalen Antirheumatika nicht zu einer erhöhten Sterblichkeit."

Auch bei allen anderen Parametern zur Schwere der Covid-19-Erkrankung gab es zwischen den beiden Gruppen mit bzw. ohne Verwendung der Schmerzmittel keinen Unterschied: Sowohl der Anteil der Patienten mit Aufnahme in Intensivstationen (Faktor 1,01 bei NSAID-Verwendung im Vergleich ohne Gebrauch solcher Medikamente) als auch für die Notwendigkeit für invasive Beatmung (Faktor 0,96), nicht-invasive Beatmung (Faktor 1,12), Sauerstoffversorgung insgesamt (Faktor 1,0) oder akute Nierenschäden (Faktor 1,08) waren praktisch ident.

"Da ist nichts dran. Die Sache mit Ibuprofen ist das Problem einer Subgruppenanalyse (in einer Studie; Anm.)", sagte MedUni Wien-Rektor Markus Müller, von seiner medizinischen Laufbahn her klinischer Pharmakologe, bereits Mitte März 2020 zu den damals aufkommenden Gerüchten rund um die Medikamente. Es sei wohl klar, dass Menschen, die Kopfweh oder grippeähnliche Symptome bekämen, vermehrt zu Kopfwehmitteln bzw. solchen nicht-steroidalen Antirheumatika griffen. Daraus einen Zusammenhang mit Covid-19 zu konstruieren, sei falsch.

Nicht-steroidale Schmerz- und antientzündliche Mittel (kein Cortison; Substanzen wie Ibuprofen, aber auch ASS, Diclofenac etc.) gehören zu den weltweit am häufigsten verwendeten Medikamenten gegen Schmerzen, Symptome bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Arthrosen etc. "Diese NSAIDs werden breit verwendet, um Menschen weltweit bei einer ganzen Reihe von Beschwerden zu behandeln. Das reicht von leichten Schmerzen bis hin zu chronischen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Leiden. Viele Menschen sind auf sie angewiesen, um ihre Alltagsaktivitäten ausüben zu können. Als die Pandemie vor mehr als einem Jahr begann, entstand die Notwendigkeit, abzusichern, dass diese häufig verwendeten Medikamente bei Covid-19-Erkrankungen nicht zu einem schlechteren Ausgang führen", wurde Harrison vom "Lancet" zitiert.

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