Das nationale Impfgremium in Österreich empfiehlt den Covid-Impfstoff von AstraZeneca nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren: Wie kam es zu der Entscheidung?

Herwig Kollaritsch: Die Entscheidung war einfach, sie beruht darauf, dass wir nur Studiendaten haben, die die Wirksamkeit der Impfung für Menschen bis 64 Jahre belegen. Für Ältere haben wir nicht genug Daten, die Gruppe der Menschen, die in den Studien eingeschlossen waren, waren einfach zu klein. Was wir für diese Altersgruppe ab 65 Jahre haben, sind sogenannte Daten zur Immunogenität: Dazu wurden die Antikörperspiegel im Blut von Älteren nach einer Impfung gemessen – dabei hat man gesehen, die Spiegel sind in etwa so hoch wie bei Jüngeren. Doch das ist nicht Eins-zu-Eins umlegbar auf die Wirksamkeit in der Realität.

Warum nicht?

Das muss man sich vorstellen wie bei einem Auto: Der Abgastest unter Laborbedingungen und die Werte im tatsächlichen Gebrauch können sich unterscheiden.

Kann sich die Empfehlung des Impfgremiums noch ändern?

Wir warten mit der Empfehlung für Über-64-Jährige bis wir ausreichend Daten haben, die uns höchstwahrscheinlich bestätigen werden, dass der Impfstoff auch bei Über-64-Jährigen wirksam ist. Diese Daten werden wir in vier bis sechs Wochen haben, dazu laufen Studien in Großbritannien und den USA – wann genau es sein wird, kann ich aber nicht sagen.

Herwig Kollaritsch, Mitglied des nationalen Impfgremiums
Herwig Kollaritsch, Mitglied des nationalen Impfgremiums
© APA/GEORG HOCHMUTH

Heißt die Empfehlung, dass die Impfung für Ältere auch nicht sicher ist?

Nein! Die Sicherheitsdaten sind ausreichend, damit gibt es sicher kein Problem. Unsere Empfehlung heißt ja auch nicht, dass der Impfstoff bei Älteren nicht angewendet werden darf. Wir empfehlen nur: Für die ältere Bevölkerung über 64 Jahre sollte bevorzugt einer der beiden Messenger-RNA-Impfstoff von Biontech/ Pfizer oder Moderna verwendet werden. Steht aber keiner dieser Impfstoffe zur Verfügung, dann kann man trotzdem auf AstraZeneca zurückgreifen, auch für ältere Menschen.

Was bedeutet das für die Praxis: Der impfende Arzt entscheidet das schlussendliche Vorgehen?

Es ist jedenfalls nicht verboten, den AstraZeneca-Impfstoff auch bei Älteren zu verwenden – immerhin haben wir ja die Zulassung der EMA (europäische Arzneimittelbehörde), die den Impfstoff ohne Altersbegrenzung nach oben zugelassen hat. Wenn ich als Arzt einen Hochrisikopatienten vor mir habe und es ist kein anderer Impfstoff als jener von AstraZeneca verfügbar, werde ich ihm diesen Impfstoff geben, bevor ich ihn gar nicht impfen kann.

Wird es möglich sein, die Impfstoffe zu mischen: Zum Beispiel die erste Dosis von Biontech/Pfizer, die zweite von AstraZeneca?

Nein, das wird nicht möglich sein, denn dazu haben wir keine Daten!

Wird es möglich sein, sich den Impfstoff auszusuchen?

Vielleicht in zwei bis drei Jahren, wenn ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stehen.