Kollagen: Wirkt nur von innen, nicht von außen
Kollagen, das kennen viele wohl vor allem aus der Werbung für Anti-Falten-Cremes, doch dieser Stoff spielt in unserem Körper eine im wahrsten Sinne tragende Rolle: „Kollagen ist ein Gerüstprotein, das unser Gewebe zusammenhält und es stabil und elastisch macht“, erklärt Dagmar Kolb, die die Core Facility für Ultrastrukturanalyse an der MedUni Graz leitet und bei der „Langen Nacht der Forschung“ über Kollagen berichten wird. In unserer Haut, den Knochen, unseren Sehnen und Bändern, in Knorpeln und Blutgefäßen: Überall dort sorgt Kollagen für Elastizität und Stabilität.
Die schlechte Nachricht allerdings: Ab 25 beginnt der Körper die Kollagen-Produktion langsam immer weiter zu drosseln – und die Alterung des Gewebes beginnt. Elektronenmikroskopische Aufnahmen machen sichtbar, wie fein organisiert Kollagenfasern aufgebaut sind und wie sie sich zu stabilen Bündeln anordnen. Die Aufnahmen zeigen aber auch, wie sich junges und gealtertes Kollagen unterscheiden: Während jüngere Fasern dicht, geordnet und widerstandsfähig erscheinen, wirken ältere Strukturen unregelmäßiger und fragmentierter.
Wer nun versucht, Kollagen von außen in den Körper zu bringen, zum Beispiel über Cremes oder Masken, den muss Kolb enttäuschen: „Über die Haut kann Kollagen nicht aufgenommen werden, das funktioniert leider nicht.“ Das Kollagen wird von Zellen in unserem Körper, den sogenannten Fibroblasten gebildet. Die körpereigene Kollagenproduktion kann man zum Beispiel über die Ernährung unterstützen. „Kollagen nehmen wir nur über tierische Produkte auf“, erklären Kolb und Kollegin Kerstin Hingerl. Eine Suppe aus Rinderknochen gekocht oder Gelatine sind besonders reich an Kollagen, aber auch in Fisch oder Eiern stecke der Stoff.
Mittlerweile gibt es auch Kollagen-Shakes, zu denen die Expertinnen erklären: „Solche Pulver können helfen, die körpereigene Kollagen-Produktion anzuregen, aber: Entscheidend ist der gesamte Lebensstil!“ Eine gesunde Ernährung, die reich an Vitamin C, Kupfer und Zink ist, sowie körperliche Bewegung und Muskeltraining sind notwendig, damit die Kollagen-Bildung gefördert wird. Rauchen, UV-Licht und übermäßiger Alkoholkonsum hingegen beschleunigen den Kollagen-Abbau und damit die Alterung.
Moderater Stress: Wie Fasten das Altern verlangsamt
Stress hilft dem Körper zu regenerieren und sich gesund zu erhalten? Was im ersten Moment irritierend klingt, erklärt Andreas Prokesch vom Lehrstuhl für Zellbiologie der MedUni Graz so: „Es geht um geringen, kurzzeitigen Stress: Dadurch werden im Körper Reparaturmechanismen aktiviert, beschädigte Zellbestandteile werden abgebaut und der Stoffwechsel wird angekurbelt.“ Langfristiger, übermäßiger Stress hingegen schadet der Gesundheit. Der Prozess, der dahintersteckt, ist die sogenannte Hormese und wir können sie durchs Fasten oder durch körperliche Bewegung anregen.
„Sowohl kurzzeitiges Fasten wie auch regelmäßige Bewegung gehörten für den Großteil unserer Evolution zu unserem Alltag“, erklärt Prokesch: Als Jäger und Sammler waren es Menschen gewohnt, regelmäßig keine Nahrung verfügbar zu haben oder sich körperlich zu verausgaben. Heute müssen wir diese Prozesse gezielt nachahmen, zum Beispiel durchs Intervallfasten. „Dabei muss jeder selbst für sich herausfinden, welche Fastenform zu einem passt“, sagt Prokesch. Eine Möglichkeit sei 16/8, wobei 16 Stunden am Tag gefastet wird. Auch Ausdauer- und Krafttraining regt die Prozesse in unseren Körper an, die zu Regeneration führen und unseren „Stoffwechsel neu programmieren“, erklärt Prokesch. Das Ziel sollte sein, auf 150 Minuten Bewegung pro Woche zu kommen.
Ein anderer Stresstest für den Körper läuft über die Temperatur: „Von der Sauna ins Kältebad, auch das kann gesunder Stress sein“, sagt Prokesch. Wenn man die Hormese in einem Satz zusammenfassen möchte: „Was einen nicht umbringt, macht einen härter“, erklärt Prokesch schmunzelnd.