Es ist das Gefühl des Sommers schlechthin: ein Sprung ins kühle Nass. Allerdings bergen Pool und Co. nicht unwesentliche Gefahren – und das vor allem für Kinder. Denn Ertrinken passiert binnen Minuten und vor allem lautlos. Bei Kindern unter fünf Jahren ist es zudem die häufigste tödliche Unfallursache, weiß Holger Till, Präsident des Vereines „Große schützen Kleine“ und Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie Graz. „Im Zeitraum 2021 bis 2024 starben in Österreich 18 Kinder unter 14 Jahren durch Ertrinken. Etwa gleich viele weitere erlitten durch den Ertrinkungsunfall aufgrund des Sauerstoffmangels lebenslange, teils schwere Behinderungen.“

Einer der Gründe für das hohe Ertrinkungsrisiko bei Kleinkindern ist der sogenannte „Totstellreflex“, der bei Kindern bis drei Jahren auftritt: Sie können aus ungeklärter Ursache den Kopf nicht aus dem Wasser heben, selbst wenn die Wassertiefe zehn Zentimeter oder weniger beträgt. Gefahrenquellen sind deshalb nicht nur Pools, Biotope oder Teiche, sondern auch Planschbecken und Regentonnen.

Örtlich entfallen rund die Hälfte der Ertrinkungsunfälle auf öffentliche Bäder, zu je einem Viertel ereignen sich die Vorfälle im privaten Garten bzw. in Naturgewässern (Seen, Teiche, Flüsse). Die Überlebenschance ist in öffentlichen Bädern mit 93 Prozent am größten. Bei Flüssen ist das Risiko fünfmal so hoch, dass Vorfälle tödlich enden, in privaten Pools ist es viermal so hoch wie im öffentlichen Freibad. Und: Insgesamt ist das durchschnittliche Alter der Unfallopfer bei Ertrinkungsunfällen in den letzten Jahren von vier Jahren kontinuierlich auf sechs Jahre angestiegen“, sagt Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle von „Große schützen Kleine“.

So früh wie möglich schwimmen lernen

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Kinder lernen also tendenziell später zu schwimmen, aber Till betont, dass Kinder so früh wie möglich schwimmen lernen sollten. Aber: „Im und am Wasser ist es unerlässlich, dass erwachsene Aufsichtspersonen Kindern ihre hundertprozentige Aufmerksamkeit schenken“. Wichtig sei auch ein Kindernotfallkurs, um im Ernstfall richtig reagieren zu können.

Neben der Aufsicht, gibt es weitere Maßnahmen, die man ergreifen kann, um die Sicherheit rund ums kühle Nass zu erhöhen. So sollte man sich nicht auf Schwimmhilfen wie zum Beispiel Flügerl verlassen. Kleinkinder sollten wissen, dass sie nur mit Erwachsenen zum bzw. ins Wasser gehen sollten, größere Kinder sollten immer zu zweit schwimmen. Mit Kindern sollten die Baderegeln besprochen werden, mit älteren Kindern – vor allem in der Pubertät – dass bei Tauchen, Springen und Rutschen auf andere zu achten ist. Im eigenen Garten sollten Pools oder Teiche umzäunt bzw. mit einer Abdeckung versehen werden. Bei Grillpartys empfiehlt es sich, einen Erwachsenen als Poolaufsicht zu benennen. Geschwisterkinder hingegen sollte die Aufsicht nicht übertragen werden.

Auffällige bzw. neonfarbene Badebekleidung helfen, die Kinder rascher aufzufinden – vor allem, wenn das Wasser trüb ist. Ist ein Kind nicht auffindbar, sollte immer zuerst im Wasser gesucht werden, um nicht wertvolle Zeit zu verlieren.