Das eine Kind muss zum Zahnarzt, das andere braucht Hilfe beim Mathe-Lernen, das Abendessen soll gekocht werden und dann wäre da auch noch eine wichtige Besprechung in der Arbeit am späten Nachmittag. So oder so ähnlich sieht bei vielen Eltern der ganz normale Alltag aus. Die Belastungen können phasenweise enorm sein – was dazu führen kann, dass sie enorm herausgefordert sind. Halten diese Überlastungen über einen langen Zeitraum an, kommen noch andere Ereignisse hinzu, kann das die mentale Balance aus dem Gleichgewicht bringen. Doch was wann? Denn, das „Familien-Werkl“ muss dennoch am Laufen gehalten werden.
Elternsein ist ein Vollzeitjob, der mit gesellschaftlichen Erwartungen ebenso einhergeht wie mit Druck, den man sich selbst auferlegt. „Wir sind es als Mamas und Papas gewohnt, darauf zu achten, dass es allen anderen geht. Dabei vergessen wir häufig, auf uns selbst zu schauen“, sagt Kerstin Schuller, Psychologin bei der Online-Beratungsplattform Instahelp. Aber wie schaut man auf sich selbst? Es gehe darum, so die Expertin, einige Fragen für sich selbst zu beantworten? Wie geht es mir? Was ist mir gerade wichtig? Was brauche ich, damit ich mich wohlfühle? „Also ein ganz ein einfacher Blick auf mich selbst. Das klingt so leicht, ist im Alltag mit Kindern, finde ich, gar nicht so leicht umzusetzen“, sagt Schuller.
Wie schaffen Eltern Raum für mentale Gesundheit?
Der Elternrolle entschlüpfen
Hilfreich könne dabei sein, aus der Mutter- bzw. Vaterrolle von Zeit zu Zeit herauszuschlüpfen, etwas zu unternehmen, das man vielleicht vor den Kindern gern gemacht hat. Denn, damit man den Bezug zu sich selbst herstellen kann, sollte man physisch aus der Mutter- bzw. Vaterrolle heraustreten. Das muss kein Wellness-Wochenende sein, das sich die meisten Eltern zeitlich ohnehin kaum einrichten können. „Das kann auch ein Spaziergang oder eine Laufrunde am Abend sein“, sagt Schuller. Damit man den Bezug zu sich selbst herstellen könne, müsse man aber physisch aus der Mutter- bzw. Vaterrolle heraustreten.
Dass man sich phasenweise überlastet fühle, sei ganz normal – auch für Menschen ohne Kinder. Diese Phasen sind Teil des Lebens. Dauern diese Phasen aber über drei, vier Wochen an, und bemerke ich an mir selbst, dass ich mich zurückziehe, dass ich gereizter, ruhiger, freudloser bin, eventuell auch Schlafstörungen habe, dann könnten das erste Anzeichen dafür sein, dass man professionelle Hilfe bei einer Psychologin, einem Psychologen in Anspruch nehmen sollte.
Ehrlich und offen kommunizieren
Gerade in solchen belasteten Phasen ist der Geduldsfaden ein kurzer. Und er kann noch um einiges kürzer werden, wenn man zum zwanzigsten Mal bittet, dass jetzt doch mal die Zähne geputzt werden sollten. In der Familie kann man solche Situationen entschärfen, indem man Kindern gegenüber ehrlich ist – ansonsten könnten Kinder glauben, sie treffe Schuld. „Ich finde es wichtig, Kindern ganz offen zu sagen, was in mir vorgeht. Natürlich angepasst an das Alter und die Entwicklung des Kindes“, rät Schuller. Zum einen können Kinder so einordnen, was gerade vor sich geht und man signalisiert: „Das ist nicht deine Verantwortung“. Andererseits lebt man Kindern so auch vor, dass es in Ordnung ist, wenn es uns mal nicht so gut geht, man aber darüber spricht und Wege sucht, um die Situation zu verbessern. „So gehen wir als gutes Vorbild voran und zeigen dem Kind: Auch du musst nicht immer perfekt drauf sein. Manchmal, da dürfen wir grantig sein und weinen und das ist voll okay.“
Man gibt mit diesem offenen Verhalten Kindern also schon Werkzeuge mit, um zu resilienten Erwachsenen heranzuwachsen. Um Kindern in ihrer Entwicklung zu unterstützen, kann man versuchen, den Alltag mit deren Augen zu sehen. Das Wichtigste aber sei, Zeit gemeinsam zu verbringen, sagt Schuller: „Zeit, in der wir einfach ungestört und in Ruhe zuhören können.“ Resilienz bei Kindern könne man stärken, indem man weniger auf die Schwächen fokussiert, zum Beispiel in der Schule, als vielmehr auf die Stärken. „Fragen Sie sich und das Kind: Was kannst du? Wo bist du richtig stark?“