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Online-FilmfestivalsKurz einmal die Welt relativieren

Von wegen verlängerte Osterruhe. Filmfestivals haben gerade im Frühling Hochkonjunktur – coronatauglich im Netz. Ein Überblick von Wien bis nach Bozen und eine Einladung zum Abtauchen.

Überraschungseier am laufenden Band - ein paar Empfehlungen für Online-Filmfestivals © Anna Mantzaris
 

This is Short

David Lynch, Robert Eggers und auch Cathy Yan haben es getan: der Welt fabelhafte kurze oder mittellange Filme geschenkt. Oft unterschätzt, erleben Kurzfilme seit Jahren ein Revival. Und ihre Produktionsweise erlaubt, im Gegensatz zu Fördermarathons bei Langfilmen, dass sie rascher auf die Welt, das Leben oder die Pandemie reagieren können. Wie vielschichtig, qualitativ hochwertig und bunt die Szene ist, davon kann man sich bei der neuen Plattform This is Short überzeugen, auf der vier internationale Kurzfilmfestivals vertreten sind: das niederländische Go Short, die deutsche Kurzfilmtage Oberhausen, das österreichische Vienna Shorts und  das polnische Short Waves. Für 25 Euro ist man mit einem Festivalpass dabei und kann sich u.a. in sechs Kategorien durch Filme zum Thema Solidarität, frühere PreisträgerInnen-Filme, 23 neue für Preise nominierte Werke sowie durch Arbeiten der Wiener Filmakademie zappen. Dort u.a. zu entdecken: die unbeschwerte Story übers Begehren „Geh Vau“ von Marie Luise Lehner, Leni Grubers charmante Sinnsuche „Schneemann“ oder die herrlich kauzige Kurzkomödie „Die Schwingen des Geistes“ von Albert Meisl.

Am 27. Mai startet das eigentliche Festival „Vienna Shorts“ in Wien, ob dann neben Online-Programm auch Projekten im Kino möglich sein werden, bleibt abzuwarten.

dotdotdot

Wer sich täglich einen alkoholfreien Kurzen gönnen will, dem sei das neue Online-Archiv des Filmfestivals dotdotdot ans Herz gelegt. 450 Filme aus sechs Jahren kann man kostenlos streamen – als Konsequenz der erfolgreichen Reihe „A Film a Day“ aus dem ersten Lockdown. Der animierte Eskalationsfilm „Enough“ von Anna Mantzaris vom Royal College of Art in London, exakt 2 Minuten und 22 Sekunden kurz, ist gerade im Lockdown eine Freude. Ab 25. Juli startet das vielleicht lauschigste Open-Air-Kino wieder analog im Garten des Wiener Volkskundemuseums – inklusive Glühwürmchen und Gebärdensprachenapplaus aus Rücksicht auf die Anrainer.

Hundred Heroines Film Festival

Seit einem Jahr kuratiert die bildende Künstlerin Lisl Ponger das Hundred Heroines Film Festival, das wöchentlich ein Programm mit kurzen Filmen von respektive über Frauen kostenlos zeigt. "Mixed Bag 2" bietet aktuell u.a. ein Schaustück von US-Künstlerin Julie Weitz oder den fabelhaften Kurzfilm "Stendali (Suonano ancora)"aus dem Jahr 1958, in dem sich die Anfang des Jahres verstorbene italienische Dokumentarfilmerin Cecilia Mangini mit Begräbnisritualen auseinandersetzt. Alles, was man bislang versäumt hat, lässt sich nachsichten.

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Jüdisches Filmfestival Wien

Bis das Jüdische Filmfestival Wien ab 30. September wieder sein Publikum in einem Kinosaal begrüßen darf, lädt es zum Vorglühen: An jedem Wochenende im April kann man eine (israelische) Komödie um 3,90 Euro leihen. Dieses Wochenende: den Familienfilm „Hill Start“ von Zinuk BaAlia und nächstes Wochenende die böse Parabel „Douze Points“ von Danny Sirkin.

This Human World

Das Festival This Human World bietet bis Ende Mai packende Dokumentarfilme, die Netflix und Co. nicht im Programm haben: u.a. die bedrückende, bildgewaltige Schwarz-Weiß-Doku „What You Gonna Do When The World’s On Fire“ von Roberto Minervini über die Tötung des Afroamerikaners Alton Sterling durch einen weißen Polizisten und die Folgen für Louisana oder die spannende Myanmar-Doku „On The Inside of a Military Dictatorship“ von Karen Stokkendal Poulsen.

Filmfestival Bozen

Auch das Filmfestival Bozen stellt nun sein gesamtes Programm von 13. bis 18. April online zur Verfügung, im Festivalpass oder einzeln. Leider sind Verleiher und Co. im Gegensatz zu internationalen Festivals in provinzieller Nationalstaaterei stecken geblieben. Das Streamen ist nur in Italien möglich. Europäischer Zugang für europäische Filme: Fehlanzeige! Umgehungsmöglichkeiten sind technisch mühsam (wenn auch nicht unbedingt illegal).

Dabei hat das Programm einiges zu bieten. Im Spielfilmwettbewerb ist etwa das Regiedebüt „Hochwald“ der Wahlwiener Südtirolerin Evi Romen zu sehen. Mit einer inhaltlich ziemlich überladenen Geschichte beweist Romen Mut zum Dialekt und ein feines Gespür für Lokalitäten. Daneben finden sich Spiel- und Dokumentarfilme aus Argentinien, Deutschland, Italien („Sole“ vom Filmfestival Venedig 2019), der Schweiz oder Österreich (etwa das Weltraum-Hunde-Essay „Space Dogs“). Eröffnet wird mit „Wanda, mein Wunder“ der Schweizer Regisseurin Bettina Oberli.

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