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Liebeserklärung ans KinoWarum wir nicht mehr streamen wollen

Das Kino fehlt. Als Überwältigungsmaschine, als Möglichkeitsraum, als Perspektivenöffner und Debattierort. Warum das Film-Erlebnis im Heimkino in Wahrheit keines ist.

Konzentriertes Filmeschauen und sich überwältigen lassen - das Kino-Erlebnis wird vermisst © KK
 

Streamen Sie noch? Seit Monaten sind wir dazu verdammt, Avantgarde-Filme, Kultkomödien, Schwarz-Weiß-Klassiker, Superheldinnenstreifen, Teenie-Serien, Polit-Dokus oder Weltkino im Heimkino zu sehen. Gefangen, im Bequem-Modus. Das Film-Erlebnis, reduziert auf Bildschirmgröße, geparkt zwischen Kochen, Staubsaugen, Videotelefonie und Home Office, ist in Wahrheit keines.

Das Kino fehlt. Als Institution, als Begegnungszone, als Debattierort, als Perspektivenöffner, als Überwältigungsmaschine und vor allem als Möglichkeitsraum, in dem seit 125 Jahren Wunder wahr werden und neuerdings auch Frauen die Welt retten. Und dafür auch noch gefeiert werden. Es fehlt das konzentrierte Schauen, das Dazu-Lernen, das Darüber-Empören und die Debatte darüber. Im Anschluss und an der Kinobar des Vertrauens.

Ich will wieder im Kino einchecken, mich von Sound, Bildgewalt und Schnitt eines Filmes emotional und physisch ergreifen lassen. In Dunkelheit, alleine vor mich hin und trotzdem in Gemeinschaft heulen. Mir nicht mehr vom Bildschirm-Ausschnitt gefrotzelt vorkommen, sondern mich wieder einmal richtig sattsehen.

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Ich will mich gruseln, vor Lachen zerkugeln, mich aufregen. Oder mich an einer kauzigen Story, widerborstigen Figuren und klugen Dialogen mit jeder Faser meines Körpers erwärmen. Im Kinosessel fläzend nach Tadschikistan reisen, ins Hinterland der USA oder die burgenländische Provinz.

Mich von großem Orchester bis zur Schlussszene voranpeitschen lassen. Ich will wieder im Kino schmusen, dabei die allerwichtigsten Szenen versäumen und sie danach nicht via Wiederholungstaste nachsehen können. Ein Film-Erlebnis beginnt nicht mit dem Start-Knopf, sondern schon viel früher. Es bleibt einzigartig. Und es wird vermisst.

Kommentare (4)
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melahide
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Mir

fehlt Kino aus dem einfachen Grund, dass ich Über-Angebot an Filmen bei den Streaming-Anbietern ziemlich satt habe. Jetzt hat Sky schon so viel Auswahl ... und wenn man nach diversen Filmen sucht kommt dann immer „bei dem Anbieter, bei dem“... im Kino kann man sich gezielt Sachen aussuchen. Je nach Stimmung geht man in dieses oder jenes Kino und findet unter den 4-10 angebotenen Filmen sicher was ...

zweigerl
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Film out

Also, ich bin ja kein "Streamer". Mir genügt das normale Spielfilm- und Doku-Angebot, das ich im Internet reichlich vorfinde. Den neuesten Film, der oft nur von einer irrwitzigen Werbekampagne gepusht wurde, muss ich nicht gesehen haben. Ich glaube daher auch, dass nun der zweite Kino-Lockdown, nach dem ersten, als das Fernsehen sich etablierte, dem öffentlichen Kino den Garaus machen wird. Ich sage das nicht mit Schadenfreude und gönne IHnen Ihr Kinovergnügen. Selber bin ich aber der Meinung, dass die pathetischen Filme von heute, die große Gefühle nur mehr mit den grellsten Mitteln hervorkitzeln wollen (und nicht können), längst hinter dem Reality-Aufregungswert des ökologischen und weltpolitischen Desasters zurückbleiben. Umso verlogener sind die künstlichen Traumwelten, die eine heile Welt vorgaukeln.

zweigerl
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Cineastischer Jahrmarkt

Ich möchte nicht mehr mit dem CO2 produzierenden Auto zu diesen Riesenkinopalästen mit den Asphaltparkplätzen und dem angeberischen Las Vegas-Dekor fahren, um dort von stupiden Hollywoodschinken mittels akustischer Schallorgien und aggressiver Bildschnitte in den Sitz gedrückt zu werden. Ich möchte zu Hause kostenlos und gemütlich aufs Sofa geflezzt einen dieser leisen und wertvollen arte-Filme konsumieren, ohne danach hinausstürmen zu müssen, um im Wettlauf mit den bereits von aufgeheizten Zusehern gestarteten röhrenden Autos eine Lücke zu finden, um dieser grauenvollen Stätte des großcineastischen Angebertums zu entrinnen.

melahide
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Dann

geh zu Fuß ins KIZ oder Geidorf Kino