Heimkino"Die roten Schuhe" und andere Klassiker zum Wiedersehen

Diese Filme sind für die Ewigkeit: der Gefängnisfilm "Das Loch", das Musical "Ein neuer Stern am Himmel" und der Western "Der schwarze Falke". Allesamt großes Klassiker-Kino.

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Die Filmadaptierung von Hans Christian Andersens Klassiker "Die roten Schuhe" ist eine Symphonie aus Farbe, Licht und Klang © APA
 

Die roten Schuhe, 1948

In einer Zeit, in der alle Theater geschlossen haben, mag es noch reizvoller sein, sich dem Genre über das Medium Film zu nähern. Das 1948 erschienene britische Kinomelodram „Die roten Schuhe“ ist eine Adaptierung des Märchens von Hans Christian Andersen. Das Filmduo Michael Powell/Emeric Pressburger verhandelt das Thema Besessenheit über einen Ballettfilm. Die Tänzerin Victoria Page wird zwischen Loyalität, Liebe und Berufung zerrissen: psychisch zerstört von den Erwartungen zweier Männer, die sie nicht erfüllen kann.

Doch nicht die Handlung, sondern die filmische Umsetzung machen aus dem Film einen Klassiker. Powell/Pressburger inszenieren eine Symphonie aus Farbe, Licht und Klang. Höhepunkt ist die rauschhaft inszenierte 16-minütige Sequenz mit der Aufführung eines Balletts nach dem Andersen-Märchen. Der Film lebt auch von solchen Spiegelungen: Victoria Page erleidet ihr Schicksal synchron auf der Bühne und im Leben.

Fun Fact: Der Darsteller von Pages Bühnenpartner und Choreograf der Tanzszenen Robert Helpmann ist den meisten aus einem anderen Zusammenhang bekannt: Er spielte 20 Jahre später den gruseligen Kinderfänger in „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“.
 
Erhältlich auf Maxdome

Das Loch, 1960

Zeige mir die Gefängnisfilme, die eine Zeit hervorbringt, und ich sage dir etwas über die Zeit! Kaum an einem anderen Genre lassen sich politische und gesellschaftliche Strukturen so schnell erkennen, wie in Filmen, die in Gefängnissen spielen. In den Sechziger und Siebzigern, als sich Widerstand gegen die repressiven Nachkriegssysteme regte, stand der Kampf um die Freiheit und die Würde, den Gefangene zu führen haben, im Zentrum einiger bedeutender Filme.
 
Kaum einer ist formal so atemberaubend wie „Das Loch“ von Jacques Becker. In der großen Tradition des französischen Spannungskinos stehend, ist der Film eine minutiöse Nacherzählung eines sich über Monate dahinstreckenden Ausbruchsversuchs. Der Film beruht auf einer wahren Geschichte und ist atmosphärisch und darstellerisch dennoch ganz großes, präzises Kino.
 
Erhältlich auf Amazon Prime Video, iTunes, sowie als DVD und BluRay.

Der schwarze Falke, 1956

Über „The Searchers“ von John Ford (so der viel treffendere Originaltitel) ist schon so viel Intelligentes geschrieben worden, wie über wenige Filme. Er gilt als Western aller Western und einer der besten Filme aller Zeiten sowie als Höhepunkt von John Fords an Höhepunkten nicht armen Regiekarriere. John Wayne spielt einen von Hass und Rachegelüsten am Leben gehaltenen, gebrochen Western-Antihelden, einen verzweifelten Charakter, der aus dem Nichts auftaucht und am Ende, umrahmt von Schwärze, wieder in der Wildnis verschwindet.

Der Film hat die visuelle Qualitäten eines Gemäldes von Norman Rockwell, er ist aber auch ein bitterer Kommentar zur Feindseligkeit der Welt und zur Psyche des Menschen, und er ist nicht zuletzt voller poetischer, erhebender Momente. Selbst einem hartgesottenen Filmkritiker wie dem Regisseur Jean-Luc Godard war es nicht möglich, diesen Film anzusehen, ohne in Tränen auszubrechen. Man versteht es.
 
Erhältlich: Amazon Prime, iTunes, Maxdome, Videoload, Chili, Google Play sowie als DVD und BluRay.

Ein neuer Stern am Himmel, 1954

­Vor ein paar Jahren ist „A Star is Born“ zum vierten Mal verfilmt worden. Erinnert sei an die Zweitverfilmung durch den Regisseur George Cukor erinnert. Cukor war ein ausgesprochener Frauenregisseur, der hier ein Podest für Judy Garland baute. Es ist ein großes, in Cinemascope ausgebreitetes Musical-Melodram von drei Stunden, das den Aufstieg einer Revue- und Barsängerin zum Weltstar Vicki Lester begleitet. Der Film übt nur milde Kritik an den Mechanismen des Showbusiness, dessen Produkt er freilich selbst ist: Klassisches, üppiges Starkino aus der Glanzzeit Hollywoods, grandios produziert und inszeniert. Die filmhistorische Merkwürdigkeit: Der von James Mason fulminant gespielte Lebenspartner Vickis geht an Alkohol und Depression zu Grunde. An jenen Problemen, die die Dreharbeiten im realen Leben überschattet hatten: Judy Garlands labiler Zustand ließ das Projekt fast scheitern.

Der Film wurde bald um eine Stunde gekürzt, derzeit ist eine 168 Minuten lange, restaurierte Fassung zu streamen: Man darf sich weder an der ungelenken Neusynchronisation der wiedergefundenen Szenen stören, noch an den Standbildern, die die unauffindbar gebliebenen Szenen andeuten.

Erhältlich auf iTunes, Amazon Prime und Maxdome.

 

 

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