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InterviewPeter Handke zum Nobelpreis: "Ich bin durch die Wälder geeiert"

Als die Nachricht aus Stockholm kam, ging er erst einmal vier Stunden in den Wald. Den Nobelpreis will Peter Handke in Stockholm auf jeden Fall persönlich entgegen nehmen.

Peter Handke: Nach dem Anruf aus Stockholm "durch die Wälder geeiert" © KK
 

Peter Handke hat alles daran gesetzt, die Klischees, die über ihn im Umlauf sind, zu erfüllen. Nachdem ihn heute der Anruf der Schwedischen Akademie ereilte, ist er in den Wald gegangen: "Ich bin durch die Wälder geeiert, wie ich es eigentlich vorhatte." Das sagte er der APA am Donnerstagnachmittag beim ersten Telefongespräch, das er nach seinem vierstündigen Spaziergang entgegennahm.

"Ich bin gerade nach Hause gekommen und bin etwas müde. Ich weiß nicht, ob das Telefon oft geläutet hat, ich war jetzt vier Stunden unterwegs", sagte der neue Nobelpreisträger. Die Schwedische Akademie hatte Glück, ihn zu erreichen. "Gegen 12 Uhr hat das Telefon geläutet und ich dachte, es ist ein amerikanischer Anwalt, mit dem ich mich in Den Haag treffen werde. Ich wollte gerade weggehen. Ich habe mich gefreut. Aber danach bin ich weggegangen."

Literaturnobelpreisträger Peter Handke: Ein Leben in Büchern

1942 in der Kärntner Provinz geboren, lebt Handke seit fast 30 Jahren Jahren in Frankreich, wo er zu seinem Domizil im Pariser Vorort Chaville vor einigen Jahren auch ein einsames Haus in der Picardie erworben hat.

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Seit über einem halben Jahrhundert steht er in der literarischen Öffentlichkeit, in den 60er-Jahren als Kulturautor gefeiert, später wegen seines nicht nur literarischen Eigensinns umstritten und seit langem regelmäßig auf jenen Buchmacher-Listen zu finden.

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Nach Besuch des katholischen Internats in Tanzenberg und des Gymnasiums in Klagenfurt studierter er ab 1961 in Graz Rechtswissenschaften. Während dieser Zeit fand er Anschluss an die Schriftsteller des "Forum Stadtpark".

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Über 11.400 Seiten soll die vom Suhrkamp Verlag vorbereitete "Handke Bibliothek" umfassen, in der alles enthalten ist, was er jemals in Buchform veröffentlicht hat. Ein gigantisches Werk.

(c) dpa (A2411 Norbert F�rsterling)

Erste Publikationen in der Zeitschrift "manuskripte" und erste Lesungen im Radio waren ein hoffnungsvoller Beginn. 1965 gelang es Freunden wie Alfred Kolleritsch, für Handkes Debütroman "Die Hornissen" den renommierten Suhrkamp. - Im Bild ist Handke mit Ehefrau Sophie zu sehen. Mit ihr ist er seit 1991 verheiratet.

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Sein Stern im Literaturbetrieb ging kometengleich auf, als der nahezu unbekannte Jungautor im April 1966 der Gruppe 47 bei einer Tagung in Princeton in einer erregten Schmährede "Beschreibungsimpotenz" vorwarf. Mitte der 60er erschien sein Sprachstück "Kaspar", das 1968 in Frankfurt unter Claus Peymann uraufgeführt wurde.

Handke war jemand - ein "Popstar", ein enfant terrible. Seine experimentellen Stücke sorgten für erregte Debatten, Titel wie "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" (1969) oder "Wunschloses Unglück" (1972) wurden zur Kultlektüre einer ganzen Schüler- und Studentengeneration.

In Kontrast dazu stehen die Aufregungen, die Handke, dessen Auseinandersetzung mit den eigenen slowenischen Wurzeln in seinem Stück "Immer noch Sturm" (2011) kulminierte, mit seiner pro-serbische Position in den Konflikten am Balkan und der scharfen Ablehnung der westlichen Haltung verursachte. 1996 sorgte sein Reisebericht "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" für heftige Debatten, zehn Jahre später seine Rede bei der Beerdigung von Slobodan Milosevic.

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Als er nun nach Hause kam, wartete bereits eine Journalisten-Traube vor seiner Gartentüre. "Ich kann mich ja nicht ins Haus schleichen. Ich bin jetzt auf eine seltsame Weise ein öffentlicher Mensch, wenn so etwas eintritt. Ich kann nicht sagen, dass es mir Spaß macht, die meisten Fragen machen mir keinen Spaß. Ich versuche halt, gute Miene zum nachlässigen Spiel zu machen."

Vor einigen Jahren hatte er noch gemeint, den Nobelpreis "sollte man endlich abschaffen". "Das sind alles abgrundtiefe Gedankenspiele, aber ich hatte noch nie einen ernsten Gedanken dazu", relativierte er heute. "Es ist schon so, als ob das, was man gemacht hat, nun Licht bekommt. Auch wenn alles trügerisch ist: Es ist doch eine Art von Zusatz-Licht, das einem nur willkommen sein kann und für das man dankbar sein muss."

Handkes Heimat: Einblicke in sein Zuhause in Chaville

Seit 27 Jahren lebt der Schriftsteller Peter Handke in Chaville, einem Vorort von Paris.

wolfgang zajc

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Seine Freude sei groß, betreffe aber nicht nur ihn persönlich, so Handke zur APA: "Ich bin ein Anhänger der Weltliteratur, nicht der internationalen Literatur. Der Preis ist eine sehr zwiespältige Angelegenheit und ein ewiges Dilemma. Aber mir kommt vor, ich bin doch ein Leser oder vielleicht sogar ein Schreiber von dem, was Goethe Weltliteratur genannt hat. Wenn dann das Nobelkomitee so entscheidet, dann sind sie auf keinem ganz schlechten Weg, dass die Weltliteratur was bedeutet."

Selbstverständlich werde er für die Preisverleihung am 10. Dezember nach Stockholm fahren und dort den Nobelpreis persönlich entgegennehmen: "Wenn ich völlig gesund bleibe, wenn Gott will, fahre ich natürlich dorthin und werde auch etwas sagen." Wird er am Abend mit Freunden feiern? "Ich hab keine Freunde mehr hier in Paris. Meine Frau und ich werden vielleicht hier in Chaville in ein kleines Restaurant gehen. Ich habe heute noch gar nichts gegessen und getrunken."

Kommentare (4)

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Genesis
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Kein Preis für Österreich

Wie schon 2004 bei Elfriede Jelinek ist dies kein Preis für Österreich und schon gar keiner für die Österreicher. Beide Nobelpreisträger stehen äußerst kritisch zu unserem Land und sind daher auch ausgewandert. Gerade für Kärnten und die Steiermark hatten sie stets wenig Positives übrig. Dies sollte der Vollständigkeit halber heute auch erwähnt werden dürfen. Trotzdem Gratulation der Person Peter Handke.

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MoritzderKater
1
18
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Ich bin begeistert......

...... und schon ein wenig stolz, dass wieder ein Österreicher diese Auszeichnung bekommen hat.
Sicher wird es Kritiker geben, die es ihm nicht wirklich gönnen und seine Lebenseinstellung in den vergangenen Jahren (Serbien) es als nicht würdig empfinden, aber ich sage, in erster Linie wird sein literarisches Werk beurteilt.

Seine unaufgeregte ruhige Art , des Lebens und des Schreibens fasziniert mich seit vielen Jahren.
Herzlichen Glückwunsch für Peter Handke !!!

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brosinor
0
14
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meine Rede!

Bin auch froh dass unser Land wieder einmal mit positiver Schlagzeile die internationale Aufmerksamkeit auf sich zieht!
Gratulation Peter Handke!!!
(und er moege die daemlichen Hasskommentare, die sicher leider nicht ausbleiben werden, gar nicht beachten!)

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calcit
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5
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Es ist eine Auszeichung für Handke...

...nicht für Österreich. Dem Komitee ist Österreich so ziemlich egal...

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