Warum faszinieren uns mordende Scheusale wie Lady Macbeth und ihr willfähriger Ehemann? Warum kümmert uns das Psychogramm der Mächtigen, wenn es doch geboten wäre, deren Opfern eine Bühne und Stimme zu geben?  Im vierten Akt lenkt Regisseur Krzysztof Warlikowski kurz den Blick hinaus aus der Sadomaso-Kammer der Macht, in die man davor drei Akte lang gezwungenermaßen hineinschauen musste. Mithilfe von Ausschnitten aus Pier Paolo Pasolinis Film „Das Matthäus-Evangelium“ und dem dort gezeigten Bethlehemitischen Kindermord, für den Warlikowski eine beeindruckende Entsprechung auf der Bühne des Festspielhauses findet, werden die Folgen der Gewalt greifbar. So brillant szenisch vorbereitet, darf Macduff im Anschluss in seiner Arie den Wahnsinn der Tyrannei beklagen.