Knapp vor der Premiere teilt die ehemalige Festspielpräsidentin einer Premierenbesucherin noch mit: „Heute brauchen Sie starke Nerven!“ Weil man schon weiß, dass der Regisseur Dmitri Tcherniakov die acht Personen der Handlung in einen Luftschutzbunker sperrt und dort die Feindseligkeiten und Brutalität, zu der Menschen in der Lage sind, auszuleuchten, erwartet man sich schon eine radikale Tour de Force der Gewalt in der Art von Pasolinis „Salò oder die 120 Tage von Sodom“. Nichts dergleichen: Die Inszenierung ist zwar hart und zeigt einige Grausamkeiten, doch nicht nihilistisch. Tcherniakov interessiert sich nicht ausschließlich für den Wolf im Menschen: Solch facettenreiche, differenzierte Charaktere wie hier sieht man auf der Opernbühne selten.
Salzburger Festspiele
„Giulio Cesare“: Festival startet Opernreigen mit einem Triumph
Kritik.
Koloraturenfeuerwerk im Luftschutzbunker: Georg Friedrich Händels „Giulio Cesare in Egitto“ ist ein musikalischer und szenischer Triumph. Besser kann man Barockoper nicht inszenieren und spielen.
© APA/Barbara Gindl