Kaum ein Musiktheater des 20. Jahrhunderts beginnt so ruhig, und doch so elektrisierend wie Peter Eötvös „Drei Schwestern“. Wenn Irina, Mascha und Olga die Stimme erheben, ist es, als würden Geisterbotinnen von Unerhörtem berichten. Ein verfremdetes Akkordeon bläst Töne in den Äther und die Frauen singen von ihrem besiegelten Unglück, das ein Glück für die kommenden Generationen vorbereitet. Dieses Schlussresümee aus Anton Tschechows Vorlage stellt Eötvös an den Beginn seiner Oper. Zeit und Raum gehorchen anderen Gesetzen als jenen der Klassischen Physik. Drei Mal durchleben die von Konventionen und der eigenen Passivität gequälten Figuren verschiedene Passagen der Vorlage, das tragische Ende von Baron Tusenbach passiert am Ende der ersten Sequenz und dass zweimal eine Uhr entzwei geht, ist das überdeutliche Symbol für die aus den Fugen geratene Zeit, in der Anfang und Ende in eins fallen.
Salzburger Festspiele
„Drei Schwestern“ und das verordnete Unheil
Kritik.
Peter Eötvös‘ Tschechow-Vertonung wird in der Felsenreitschule zum Unglücks-Stück in dystopischem grau in grau: Die Katastrophen sind allgegenwärtig.
© APA / Barbara Gindl