Las Vegas, abseits von Glanz und Glamour: Auf der trostlosen Rückseite der Kasinometropole siedelt der gebürtige Klagenfurter Thomas Woschitz sein ungewöhnliches Indie-Kunststück an. Der coole Jack (Justin Cornwell) hat als Pokerspieler schon das eine oder andere Mal gewonnen. Nach einer durchzechten Nacht fährt er seinen Kumpel Hank (Douglas Smith) nach Hause. Verkatert hat der am nächsten Morgen eine Schnapsidee: Er läuft drei Marathons binnen 24 Stunden. Also 478 Runden um den heruntergekommenen Block – völlig untrainiert.
Mehr noch: Er bietet Jack an, gegen ihn zu wetten. Der steigt ein, andere werden animiert. Bald geht es um eine Million US-Dollar. Und Hank beginnt, zu laufen. Es ist ein Wettlauf gegen sich selbst. Die Freunde (u.a. Sean Rogers) zerren die ausgeleierte Couch auf die Straße und feuern ihren Kumpel an, was zu herrlichen Sidekick-Szenen führt.
„The Million Dollar Bet“ basiert auf einer wahren Story, die Drehbuchautor Andrea Piva auf einem Blog von Haseeb Qureshi entdeckt hat. Lakonisch und lässig erzählt Woschitz, der auch Co-Drehbuchautor ist, von der Wette vor der staubigen Kulisse vom Straßengraben aus, von Männlichkeit, Schuldgefühlen, körperlichen Grenzen und von einem schrägen Leben und schnellem Geld.
Auch wenn der Countdown die packende Handlung rahmt, geht es in diesem ungewöhnlichen und universellen Austro-Film um mehr: um das Außenseitertum in den USA und überall auf der Welt zum Beispiel. Um Freundschaft und ihren Wert, der vielleicht höher ist als der Kontostand sowie um den Preis, den man für seine Träume zahlt. Und schließlich geht es auch ganz real darum, vor dem Sandsturm ins Ziel zu laufen. Wie es ausgeht, ist am Ende nicht mehr relevant. Und das ist wunderbar so.
Bewertung: ●●●●○