Thunderbolts

Die Thunderbolts sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen all jener Supermenschen, die ihre Chance auf Heldentum längst verspielt haben: Auftragskiller, Supersöldner, gesellschaftlich Verstoßene. Ausgerechnet sie sollen alles wieder ins Lot bringen. Auf Initiative von Valentina de Fontaine (Julia Louis-Dreyfus), der noblen Thronerbin im Avengers-Turm, wird das Team in eine Todesfalle gelockt. Entkommen kann nur, wer zusammenhält. Mit dabei: Black Widows geplagte kleine Schwester Yelena (Florence Pugh), ein gescheiterter Nachfolger von Captain America (Wyatt Russell) oder ein mental instabiler Neuling (Lewis Pullman). Statt Effekthascherei und plumpem Fanservice rückt das Antiheldenspektakel innige Charaktermomente in den Fokus. Das Böse, das es zu besiegen gilt? Depression und Einsamkeit. Der interessanteste Marvel-Film seit Jahren. (pog) ●●●○○

Bambi

„Die Vögel ahnen bereits, dass etwas Wunderbares geschieht“, sagt Erzählerin Senta Berger mit schön sonoriger und euphorischer Stimme über die Geburt von Bambi. Felix Saltens berühmtes Hirschkalb feiert ein Comeback auf der Kino-Leinwand. Eines, das nichts mit der Disney-Version von 1942 gemein hat. Michel Fessler (“Die Reise der Pinguine“) begleitet das Kalb in naturalistischen Aufnahmen in seinen ersten beiden Jahren durch den Wald. Kindertaugliche Filmkost mit entzückenden Begegnungen mit anderen. (js) ●●●○○

Die Legende von Ochi

Wo Zivilisation endet, gelten die Gesetze des Dschungels. Auf der Insel Caparthia sind die Rollen zwischen Gut und Böse klar verteilt. Junge Knappen werden von einem cholerischen Herren in Ritterrüstung (großartig: Willem Dafoe) zu Kriegern geformt, um die Bevölkerung vor den Biestern des Waldes zu schützen. Doch sind diese flauschigen Kreaturen, die sogenannten Ochis, die Gefahr, für die man sie hält? Das Mädchen Yuri (der deutsche Hollywood-Export Helena Zengel) lernt die Wahrheit über sie kennen. Als liebevolle Hommage an Jugendabenteuer der 1980er gedacht, erzählt Isaiah Saxon vom ewigen Konflikt zwischen Mensch und Natur. Vorhersehbarkeit wird mit visueller Verspieltheit ausgeglichen. Anstatt die Furby-ähnlichen Wesen digital auf die Leinwand zu bannen, rekapituliert man handgemachte Qualitäten seiner Vorbilder. E.T. lässt grüßen. (pog) ●●●○○

Rust

Die reale Geschichte ist im Kopfkino dabei. Sich „Rust“ anzuschauen, ohne an den Schuss zu denken, der am Filmset im Jahr 2021 die Kamerafrau Halyna Hutchins tötete, ist fast unmöglich. Und eines gleich vorweg: Der zeitlose Western-Look mit seinen wuchtigen Aufnahmen zwischen Prärie und Salons, zwischen landschaftlicher Weite und seelischer Beklemmung, ist das Beste an diesem Western, der nach mehreren Prozessen und einem Drehstopp nun tatsächlich weltweit in den Kinos anlaufen wird. Denn der Low-Budget-Film selbst ist testosterongesteuert, pathetisch und mitunter ärgerlich. Dialoge wie „Das Leben ist kein Spiel“ oder „Es gibt kein Zurück“ hat man so schon viel zu oft gehört. Mehrfach spielt Joel Souzas Streifen auf die Geschehnisse an, die zum tödlichen Unfall während der Dreharbeiten führten. Die Szene, in der Hutchins starb, existiert im Film nicht. Aber andere blieben drinnen. Als Lucas entdeckt, wer Rust ist, zielt er mit einer Schrotflinte auf ihn und ruft: „Du bist ein Mörder!“ Rust antwortet: Wenn er das nächste Mal jemanden töten wolle, „achte darauf, dass eine Kugel im Lauf ist.“ Geschmacklosigkeiten wie diese sind nach dieser Vorgeschichte genauso ärgerlich wie die vielen Blickwinkel, in denen die Kamera dem Lauf einer Waffe folgt. Man hätte Halyna Hutchins ein würdigeres Vermächtnis gewünscht. (js)
●●○○○
-> Ausführliche Kritik

Wenn das Licht zerbricht

Das Leben ist ein fragiles Geschenk. Eine Lektion, die die jugendliche Una (Elín Hall) schmerzlich erfahren muss, als ihr Liebhaber Diddi (Baldur Einarsson) bei einem Brand im Tunnel stirbt. Diddi war zu diesem Zeitpunkt noch in einer Fernbeziehung mit Klara (Katla Niálsdóttir), mit der er eigentlich Schluss machen wollte. Nun ist diese zum Trauern nach Reykjavik gekommen – und wird von allen getröstet und bemitleidet. Una ist eifersüchtig, die verschiedenen Persönlichkeiten der Mädchen reiben sich. Doch Regisseur Rúnar Rúnarsson, der stets mit so viel visueller Poesie die emotionalen Reisen der Menschen nachzeichnet, und hier wiederholt mit den Lichtern des Tunnels, des Sonnenuntergangs oder der Dunkelheit spielt, lässt sie langsam diese Barrieren überwinden. Geteilte Trauer ist immerhin auch so etwas wie Hoffnung auf eine Zukunft. (sg) ●●●●○