Der Christbaum darf heute zu Weihnachten wohl in keinem Haus mehr fehlen. Doch seine Geschichte ist erst einmal gut 200 Jahre alt. In Österreich begann das Aufstellen von Christbäumen, einer übrigens protestantischen Sitte, mit Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg, der Gattin des Erzherzogs Carl, 1816 in Wien, wo sie – aus dem Rheinland stammend – für ihre Tochter einen Nadelbaum mit zwölf Kerzen schmückte. Den Weg in die bäuerliche Stube in Kärnten fand der Weihnachtsbaum erst später. „Vorher war die Krippe der Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Dann gab es den sogenannten Gemeinschaftsbaum vor der Kirche oder am Dorfplatz“, erzählt der Volkskundler Heimo Schinnerl. Schließlich hielt der Baum in die bäuerliche Stube Einzug. In Unterkärnten wurde er oft mit der Spitze nach unten über dem Stubentisch aufgehängt. „Dahinter befand sich der Herrgottswinkel, die heilige Ecke des Hauses. In den herabhängenden Zweigen des Baumes verfingen sich die bösen Geister, die dort gefangen gehalten wurden“, weiß Schinnerl. Dabei handelte es sich um einen Abwehrzauber, der Schutz vor Dämonen bot.

Heimo Schinnerl
Volkskundler Heimo Schinnerl © Markus Andreas Traussnig

Der Schmuck nahm sich bescheiden aus: Flachs symbolisierte das Engelshaar. Rote Äpfel als Kugeln erinnerten an den Paradiesbaum. Da Bienenwachs selten war, behalf man sich damit, in halbe Nussschalen Unschlitt zu gießen und mit einem kleinen Docht zu versehen. Sie dienten als Lichter. Fehlen durfte vor allem in Unterkärnten auf keinem Baum der „Fatschenpoppa“, ein Wickelkind, das meist aus einfachen Stoffen gebunden wurde und für die Freude am Nachwuchs stand. Und auf jeden Fall wurde unter dem aufgeputzten Baum die Krippe platziert, um der Geburt des Erlösers jederzeit gewahr zu sein.

Wenn es ums Kulinarische geht, so wurden Brat- oder Selchwürste mit Sauerkraut serviert, allerdings erst nach der Christmette. Im Lavanttal gehörten „Pickalan“ oder „Piggalan“ zum festlichen Mahl. Das Gericht soll aus neun Früchten bestehen wie getrockneten Äpfeln oder Birnen. Eine spezielle Form des Kletzenbrotes war das „Drei-Messen-Brot“ mit Nusskernen.