Ein Blick durch die Tür zeigt, warum das „Racers“ seit zwei Jahrzehnten funktioniert. Kaum ein Tisch bleibt lange leer, Gäste kommen, bleiben, kommen wieder. In der Maria Gailer Straße hat sich ein Betrieb etabliert, der vom Feierabendbier bis zur Weihnachtsfeier alles abdeckt und sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Aus Unterwäscheshop wurde ein Restaurant
Die Geschichte beginnt mit Hartnäckigkeit. Andreas Kulle, der bis 2022 auch das „Harley Davidson Café“ beim Motodrom Sintschnig in Klagenfurt betrieb, wollte das Lokal an der Maria Gailer Straße unbedingt. Damals befand sich dort ein Unterwäscheshop. Die Visitenkarten, die er im Geschäft hinterließ, blieben in der Lade. Erst der direkte Kontakt mit der Firmenzentrale brachte das Okay, aus dem Geschäft ein Restaurant zu machen. Am eigenen 40. Geburtstag unterschrieb er schließlich den Mietvertrag. „Was haben wir da nur gemacht“, dachte sich Kulle und seine damalige Partnerin. Die Dimension sei ihnen erst danach wirklich klar geworden.
2006 wurde das Lokal schließlich eröffnet. Von Beginn an setzte man auf Verlässlichkeit. „Wir haben immer offen. Es gibt keinen Tag, an dem wir zusperren“, sagt Kulle. „Auch 500 Euro an einem Tag sind Umsatz“, rechnet Dulle vor. Dieses Prinzip prägt den Betrieb bis heute. Ebenso wie der Mut, eigene Wege zu gehen. Burger standen von Anfang an auf der Karte, trotz direkter Nähe zum McDonald‘s. Parallel wurde laufend investiert, zunächst vorsichtig. Nach viereinhalb Jahren war man schuldenfrei, danach folgte der stetige Ausbau, etwa der Wintergarten als entscheidender Wachstumsschritt.
Toilettenumbau um 260.000 Euro war Gesprächsthema am Tresen
Dass Investitionen Teil der Strategie bleiben, zeigte auch der Herbst 2024. Damals wurden die Sanitäranlagen um 260.000 Euro komplett neu gestaltet. Ein „All-Gender-Konzept“, kontaktlose Technik und auffälliges Design sollten Funktionalität und Erlebnis verbinden. Für Kulle ist das mehr als ein Detail. „Ein Restaurant wird auch an der Toilette gemessen“, sagt er. Die Reaktionen reichten von Überraschung bis Zustimmung. Das Konzept hat sich inzwischen etabliert.
„Gehts den Mitarbeitern gut, gehts dem Chef gut“
Heute arbeiten 42 Mitarbeiter im Betrieb, manche sogar von Anfang an. Sohn Oliver ist seit 2017 an Bord und bringt neue Ideen ein. „Ich habe viele Freiheiten bekommen und konnte meinen Zugang einbringen“, sagt er. „Digitalisierung, dezente Anpassungen im Angebot und neue Umbauten zeigen, dass Stillstand keine Option ist“, sind sich beide einig.
Der Erfolg basiert laut Kulle nicht nur auf Konzepten, sondern auf Haltung. Über dem Kollektiv verdienen, keine Teildienste, zusätzliche Leistungen für das Team. „Wir leisten uns lieber mehr Mitarbeiter, damit es für alle passt“, sagt Andreas Kulle. Gleichzeitig bleibt man bewusst unabhängig. Lieferdienste sind kein Thema. „Die Qualität können wir nur im eigenen Haus garantieren.“ Warum nicht das Erfolgskonzept expandieren? Das Racers ist für die beiden kein Franchise-Konzept, sondern ein Familienbetrieb mit klarer Linie. Einer, der sich stetig weiterentwickelt und dabei seinem Kern treu bleibt. Im Oktober wird das 20-Jahr-Jubiläum gefeiert. „Vieles hat sich verändert. Die Grundidee ist aber geblieben.“