Mit einer Pappfigur des Villacher Bürgermeisters Günther Albel (SPÖ) spazierte Stadtrat Christian Pober im vergangenen Sommer durch die Villacher Innenstadt, um Problemstellen aufzuzeigen. „Ich wollte das mit dem echten Bürgermeister tun. Nachdem ich von ihm keine Antwort auf eine Einladung bekommen habe, habe ich mir einfach meinen eigenen Günther gebastelt“, erklärt Pober damals. „Augen auf, Günther“ lautete der Titel der Videokampagne des Politikers.

Nun steigt auch der Parteinachwuchs in die Kampagne ein. Ohne Pappfigur, dafür mit einer ernsten Botschaft: In der Villacher Innenstadt könne man sich nicht sicher fühlen, heißt es in den Videos.

Im vergangenen Jahr amüsierte Christian Pober in sozialen Medien mit seinem „Papp-Günther“
Im vergangenen Jahr amüsierte Christian Pober in sozialen Medien mit seinem „Papp-Günther“ © KK/Pober

Ein Video der Kampagne wurde am Mittwoch gepostet und hat bereits mehr als 30.000 Aufrufe erzielt. Darin ist Sarah Struger (19), Obfrau der JVP Villach, zu sehen, wie sie durch die nächtliche Innenstadt spaziert. Die Stadt wirkt wie ausgestorben, während Struger in die Kamera spricht, „Meine Mama sagt immer: Es ist nicht mehr wie früher. Geh ja nicht alleine durch die Innenstadt! Geh ja nicht alleine zum Auto! Und sie hat recht. Ich fühle mich schon lange nicht mehr sicher“, anschließend wird ein junger Mann eingeblendet – Sebastian Ambrosch, Landesgeschäftsführer der JVP Kärnten. Er sagt, dass er sich auch als Mann nicht sicher fühle und sich Sorgen machen würde, wenn eine potenzielle Freundin alleine nach Hause gehen würde.

Sarah Struger ist Obfrau der JVP Villach
Sarah Struger ist Obfrau der JVP Villach © KK/JVP

„Ich glaube, viele Eltern teilen die Sorge meiner Mutter und ich fühle mich wirklich nicht sicher, wenn ich durch die dunklen Gassen, zum Beispiel zwischen Hauptplatz und Kaiser-Josef-Platz, gehe. Es ist dunkel, überall sind Graffitis. Da fühlt man sich nicht wohl. Es gibt auch kaum Polizeipräsenz, schon gar nicht zu Fuß“, erklärt Struger den Hintergrund der Videos.

Mehr als 30.000 Aufrufe

Das 20-sekündige Video wurde bereits mehr als 30.000 Mal aufgerufen. „Daran merkt man, wie viele Menschen sich damit identifizieren können. Ich habe auch schon viele positive Rückmeldungen dafür erhalten, dass wir das Thema aufgreifen“, sagt Struger. Die Kommentare auf Facebook zeigen jedoch ein differenzierteres Bild. „Was ist denn das für eine angstfördernde Stimmungsmache? Wir reden von Villach, nicht von Chicago“, schreibt etwa eine Userin. Andere sprechen von „Panikmache“ und „Angstschürerei“. Gleichzeitig wird auch auf einen jüngsten Zwischenfall am Villacher Hauptbahnhof verwiesen, bei dem sich sechs Männer aus ebenso vielen Staaten eine Rauferei lieferten.

Forderungen der JVP

Mit der Kampagne verbindet die JVP Villach konkrete Forderungen: „Die Polizei soll Fußstreife durchführen, die die Polizeipräsenz insgesamt erhöht. Außerdem soll die Stadt die Gassen stärker beleuchten und schöner gestalten, sodass ein besseres Sicherheitsgefühl entsteht.“

In einem Interview mit der Kleinen Zeitung Mitte Februar sagte Stadtpolizeikommandant Erich Londer: „In Villach kann man sich sicher fühlen“, und erklärte, dass das objektive Sicherheitsgefühl oft vom subjektiven Sicherheitsgefühl abweicht. Er erklärte, dass in Villach auf Präsenz, Bürgernähe und Transparenz gesetzt werde. „Unsere Zahlen zeigen in vielen Bereichen Rückgänge“, so Londer.