Das Hobby zum Beruf machen – diesen Traum hat der Villacher Felix Trutschnig (23) mit seinem Spiel „Debris“ wahrgemacht. Zu seiner Schulzeit hat der nunmehrige Student der Informatics an der Technischen Universität (TU) Wien liebend gerne Videospiele gespielt, jetzt hat er kurzerhand ein eigenes entwickelt.
Kessler-Syndrom den Kampf angesagt
„Ich habe mir immer Gedanken über den Weltraum gemacht. In der 1. Klasse haben wir uns mit einem Freund am Weg von einem Ausflug zurück in die Schule wieder einmal darüber unterhalten, dass Elon Musk zehntausende Satelliten in den Orbit bringen will“, erklärt der Absolvent der HTL in Villach. Die Frage, was denn passiere, wenn dort im Weltraum einmal alles voll ist, beschäftigte ihn weiter. „Dann kann man für längere Zeit nicht mehr dort hinauf, das nennt sich Kessler-Syndrom.“ Es war die Geburtsstunde einer Idee, die der Villacher nun zur Vollendung bringen konnte.
Gegen Ende seiner Schulzeit begann er zu programmieren, noch war es für ein eigenes Spiel aber nicht genug. Am Ende des 1. Semesters an der Uni widmete er sich seinem Projekt dann aber noch einmal grundlegend. „Ich habe alles dafür getan, dass es zustande kommt“, sagt er. Nun, knapp drei Jahre später, konnte er es schließlich fertigstellen.
Musik selbst produziert
„Zwei Themen, die die Welt beschäftigen“ wollte er in ein Spiel packen: Das Chaos im Orbit – hervorgerufen durch das erwähnte Kessler-Syndrom – muss vom Spieler bekämpft werden, im weiteren Verlauf schaltet sich dann auch noch eine Künstliche Intelligenz (KI) ein. „In überraschender Weise, denn sie ist nur ein scheinbarer Helfer. Am Ende soll der Spieler lernen, die KI richtig für die eigenen Zwecke einzusetzen“, verrät Trutschnig. Am meisten Arbeit investierte er in die Geschichte mit mehreren Varianten und Wahlmöglichkeiten, auf die das Spiel wiederum reagiert.
Privat ist Trutschnig leidenschaftlicher Musiker, spielt selbst Klavier und Gitarre. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass er die Musik im Spiel vollständig selbst produziert hat. Immer wieder gab es aber auch Unterstützung durch Freunde für diese oder jene Einzelkomponente, auch von freien Inhalten durch die sogenannte Creative Commons-Community habe er stark profitiert, wie er erklärt.
„Sinnhafte Apps, die Probleme lösen“
Veröffentlicht wurde das PC-Spiel vergangene Woche auf der Internet-Vertriebsplattform Steam. Spieler zahlen für die Nutzung der Vollversion 15 Euro, wovon rund 70 Prozent direkt an Trutschnig gehen. Die ersten Kunden gibt es bereits, die Euros rollen also tatsächlich: „Vom ersten Spiel gleich gutes Geld zu erwarten, wäre aber vermessen. Basis und Ideen für die nächsten Spiele habe ich aber schon im Kopf und natürlich wäre es ein großer Traum, von der Spieleentwicklung leben zu können“, sagt der 23-Jährige, der davon aber nicht abhängig ist: Er ist nämlich gerade am Weg in die Selbstständigkeit, entwickelt „sinnhafte Apps und Tools, die Probleme lösen“. Dem Problem der Langeweile hat er mit seinem neuen Spiel ja immerhin schon den Kampf angesagt.