Die Idee, dass er einmal Braumeister werden will, kam Lukas Scharf schon in der Schule. Der 33-jährige Waldviertler besuchte die Höhere Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft in Yspertal. Dort gab es ein Freifach – „Biotechnologie“ – in dem, unter anderem, auch Bier hergestellt wurde. „Das hat mich gefesselt. Bier ist ein geselliges Produkt, da kommen die Leut‘ zusammen, ich bin selbst gern unter Leuten und so kam ich zu dem Entschluss, nach der Matura zuerst eine Lehre zum Bierbrauer zu absolvieren“, sagt er.
Gesagt, getan. In der Brauerei Schwechat lernte er das Handwerk und war dort bis 2016 als Brauer angestellt. Scharf wollte sich jedoch noch tiefer in die Materie des Bierbrauens begeben und startete mit dem Studienlehrgang „Diplombraumeister“ an der Technischen Universität (TU) München Weihenstephan, den er 2020 erfolgreich abschloss.
Persönlicher Favorit ist das Jubiläumsbier
Schon kurz danach dockte er bei der Villacher Brauerei an. Er startete als Betriebsassistent und zweiter Braumeister und ist seit rund einem Jahr Braumeister. Anlässlich des 80. Villacher Kirchtags braute Scharf mit seinem Team – dazu gehören zwei Brauer, ein Lehrling und ein Instandhalter – ein spezielles Jubiläumsbier. Ausgewählt wurde dieses im April im Rahmen einer großen Verkostung. 50 Personen aus Politik, Verwaltung, Gastronomie und Handel wurden als Juroren geladen und testeten vier Biere, zwei unfiltrierte Biere und zwei filtrierte Biere – ein trübes Kellermärzen wurde zum Sieger auserkoren. „Es ist ein leichtes Bier mit 4,7 Volumenprozent Alkohol und unfiltriert. Also ein Bier, wie es wahrscheinlich auch vor 80 Jahren beim ersten Kirchtag getrunken wurde. Denn die Technologie der Filtration wurde erst später erfunden“, erklärt Scharf, dessen heimlicher Favorit auch zum Jubiläumsbier prämiert wurde.
Scharf ist Kirchtagsfan
Die Freude darüber, das Jubiläumsbier gebraut zu haben, ist groß: „Die Leute kommen auf mich zu und sagen mir, wie gut ihnen das Bier schmeckt. Das macht mich schon sehr stolz“, erzählt Scharf, der selbst erst 2022 zum ersten Mal am Kirchtag war, nachdem das Fest in den Jahren 2020 und 2021 pandemiebedingt ausgefallen war. Trotzdem bezeichnet er sich als großen Kirchtagsfan und erinnert sich zurück: „Mein erster Kirchtag war einfach überwältigend. So viele Leute, so viel Freude und Action.“
Der Großteil der Villacher Kirchtagswirte schenkt das Jubiläumsbier während der Woche aus, insgesamt wurden 1600 Fässer abgefüllt, das sind 800 Hektoliter und dementsprechend 160.000 Krügerl Bier. Er selbst trinkt das Jubiläumsbier gerne: „Ich bin bei sieben Bieranstichen der Brauerei dabei, da wird dann zumindest einmal angestoßen.“ Bei den Bieranstichen ist der Braumeister als Unterstützung dabei, denn nicht immer fließt der Gerstensaft schon nach dem ersten Schlag. „Spätestens beim dritten Schlag, muss er aber sitzen“, sagt Scharf und erklärt: „Man braucht ein bisschen Feingefühl, der Schlag darf nicht zu fest sein und auch nicht zu sanft.“ Aber selbst beim Profi sitzt der Anstich nicht immer beim ersten Mal: „Das ist aber auch das Schöne und Lustige beim Bieranstich und die Leute erhoffen sich ja auch immer ein bisschen, dass es nicht gleich klappt.“
„Villach ist wirklich lebenswert“
Privat ist Scharf verheiratet mit Bianca, die ursprünglich aus dem Weinviertel stammt und als Ärztin am Landeskrankenhaus in Villach tätig ist. Gemeinsam sind sie im Sommer gerne an den Kärntner Seen unterwegs, im Winter zieht es sie auf die Berge, zum Snowboarden und Skitouren gehen. Villach kannte Scharf schon vom Urlaub am Ossiacher See und genießt es jetzt dort zu leben und zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. „Wir sind hier so herzlich aufgenommen worden und konnten schon so gute Freundschaften knüpfen, Villach ist wirklich lebens- und liebenswert.“