Erst stolze vier Hauben beim Gault-Millau. Dann drei Gabeln sowie 90 Punkte im Falstaff-Guide (die Kleine Zeitung hatte berichtet). Und jetzt die vorläufige Krönung: Osttirols Senkrechtstarter David Senfter kann sich über einen begehrten Stern im Guide Michelin freuen. Senfter erkochte sich die weltweit bedeutende Auszeichnung mit seinem Restaurant Ansitz12. Das eröffnete erst im Spätsommer des Vorjahrs im Hotel Haidenhof, ehe der 31-Jährige Anfang Jänner mit seiner Fine-Dining-Küche in den legendären Gasthof Goldener Stern (beides Lienz) siedelte.
Der Michelin-Guide selbst kehrte im Jänner 2025 mit einer pompösen Feier im Hangar-7 in Salzburg und nach über 15-jähriger Abstinenz nach Österreich zurück. 101 Restaurants, davon rund zwei Dutzend neu ernannte, können sich heuer mit einem oder mehreren Sternen schmücken. Gekürt wurden sie am Mittwoch, dem 18. März.
Der Gannerhof bestätigt seine Sterne
Zwei dieser herausragenden Sterneküchen findet man in Osttirol: Neben dem Ansitz12 ist es der Gannerhof in Innervillgraten. Das Traditionshaus von Josef Mühlmann, dem übrigens auch der Gasthof Goldener Stern gehört, konnte damit den Michelin-Stern aus dem Vorjahr bestätigen. Der „Grüne Stern“ geht ebenfalls erneut an den Gannerhof. Das ist eine exklusive Auszeichnung für Nachhaltigkeit und soziale Aspekte im Restaurantbetrieb, über die sich Mühlmann seit jeher besonders freut: „Natur, Landwirtschaft und Gastronomie auf einen Punkt zu bringen und dabei das alpine, florale Kulturgut zu bewahren, ist seit bald vier Jahrzehnten unser Konzept.“
„Wenn Essen Haltung ist“
Für Senfter, der im Ansitz12 zusammen mit Frau Anita und unter dem Motto „Wenn Essen Haltung ist“ reüssiert, ist es der erste Michelin-Stern seiner jungen, aber bereits eindrucksvollen Karriere. Bevor er nach Lienz, wo er einst erst die Haupt- und dann die Hotelfachschule besuchte, zurückkehrte, wurde er unter anderem als „Newcomer des Jahres in Südtirol“ geadelt – erst vom Falstaff, dann vom Gault-Millau. In Osttirol wirkte er ebenso, etwa im Monte Diners Club in Matrei und im Golfhotel in Lavant. Auch im Gannerhof hinterließ Senfter eineinhalb Jahre lang als zu Mühlmann gleichgestellter Küchenchef seine kulinarischen Spuren – es schließt sich also der Kreis. Und bei den Senfters selbst? Da zeigt man sich sogar in den sozialen Medien nahezu sprachlos: „Wir sind megastolz. Keine Worte. Danke an unser unglaubliches Team“, postete das Power-Paar bei Facebook.
„Nach Stationen in renommierten Adressen bietet der Patron moderne Küche aus regionalen Produkten – gekocht wird über offenem Feuer“, schreibt indes der Guide Michelin über Senfter und das Ansitz12. „Klasse“ sei etwa die im Grill geschmorte Rote Beete „mit angenehmem Raucharoma, begleitet von feinsäuerlich-fruchtigen Johannisbeeren und Sahne“. Und „toll die kraftvollen Saucen und Fonds – das Steckenpferd des Chefs“, so die Kritiker weiter, die zudem den „sehr freundlichen und aufmerksamen“ Service hervorheben. Mühlmann freut auf Anfrage der Kleinen Zeitung der Werdegang des einstigen Küchen- und heutigen Businesspartners: „Ein weiteres Sternerestaurant ist ein großartiges und wichtiges Zeichen für Osttirol. Das ist ein Ergebnis, das viele wohl überrascht.“
Drei „Bibs“ für Osttirol ragen heraus
Dabei geht der Osttiroler Michelin-Erfolg noch über die beiden „Sternstunden“ hinaus. Wie im Vorjahr erhielten drei Restaurants im Bezirk Lienz den „Bib Gourmand“. Eine seit 1997 bei Gästen und Gastronomen gleichermaßen begehrte Auszeichnung, steht sie doch für bestes Preis-Leistungs-Verhältnis auf höchstem Niveau. Bekannte Namen sind es, die diese Auszeichnung bestätigen konnten: das Saluti in Matrei mit Kultkoch und „Osttirol de luxe“-Mastermind Ernst Moser, das Pfleger im gleichnamigen Restaurant in Anras mit Küchenchef Tom Mascher sowie das Scherer im Almfamilyhotel in Obertilliach rund um das Küchenteam von Thomas Ebner.
Eine „Erwähnung“ im Michelin erhielten vier weitere Häuser. Das klingt unspektakulär, ist aber für traditionelle wie für aufstrebende Restaurants samt ihrer Köchinnen und Köche ein enorm wichtiges Zeichen. „Dass unser kleiner Familienbetrieb bereits auf dem Radar ist, bedeutet uns sehr viel – besonders, da der Guide Michelin erst im vergangenen Jahr nach Österreich zurückgekehrt ist“ sagt Clemens Gesser vom gleichnamigen Hotel in Sillian. Zusammen mit seinem Bruder und Sommelier Markus zieht er für den „Chef‘s Table“ erstmals in den Guide ein. Auch die Strasserwirt Gourmetstuben im Osttiroler Oberland sind neu dabei. Wohingegen das Restaurant im Parkhotel Tristachersee sowie die Rauter Stube in Matrei zum zweiten Mal in Folge als „ausgewähltes Restaurant mit hochwertiger Küche“ im Guide und damit über die Landesgrenzen hinweg präsent sind.
Urgestein Mühlmann schaut derweil auf das große Ganze („Dass Österreich in der Sterne-Weltrangliste jetzt Frankreich überholen konnte, hatte niemand am Schirm“), aber auch auf die Region. Die Auszeichnungen seien ein weiteres Indiz dafür, dass sich Osttirol touristisch nicht mehr nur über die imposante Bergwelt definiere: „Kulinarik braucht keinen Schnee, braucht keine Sonne. Wir sind wetterunabhängig. Gutes Essen kann man immer machen.“