Die Osttiroler Bergwelt gerät immer mehr in Bewegung – im negativen Sinne. In den sozialen Medien warnt der Österreichische Alpenverein (ÖAV) seit dem Wochenende vor einem Eis-/Felssturz auf dem 3657 Meter hohen Großvenediger. Dieser ereignete sich laut ÖAV am Vormittag des 31. Juli auf einer Höhe von rund 3300 Metern südlich des Rainerhorns am Inneren Mullwitzkees (auch als Rainerkees bekannt).
Der Kegel reicht bis in die Auf- und Abstiegsspur von/zur Johannishütte in der Gemeinde Prägraten, was Bilder von Bergsteigern belegen. Ein Augenzeuge schrieb bei Facebook zudem, dass sich der Felssturz mit ersten kleineren Abbrüchen bereits Mitte Juli abgezeichnet hätte.
Steinschläge, Fels- oder gar Bergstürze wie im Lötschental (Schweiz), der das vorher evakuierte Dorf Blatten verschüttete, mehren sich im Alpenraum. Auch in Osttirol kam es zuletzt in tieferen Lagen unter anderem zu kleineren Felsrutschen in der Nähe von Matrei, wie die Kleine Zeitung berichtete. Jüngster „Fall“ waren in der vergangenen Woche Absenkungen einer im Bau befindlichen Zufahrtsstraße oberhalb der Felbertauernstraße, die eigentlich der Wildbach- und Lawinenverbauung auch zur weiteren Installation von Steinschlagnetzen dienen soll.
Auch in Osttirol bewegen sich die Berge immer mehr
In einem Interview mit der Kleinen Zeitung erklärte der renommierte Hochgebirgsforscher Jan Beutel, der den Bergsturz von Blatten überwacht hatte, die Auswirkungen des Klimawandels: „Wir haben weniger Schnee, und der bleibt nicht mehr so lange liegen. In den Gipfelregionen verändert sich die Umgebung massiv mit einem erhöhten Eintrag von warmem Flüssigwasser.“ In Bezug auf Osttirol wies Beutel darauf hin, dass viele hohe Gipfel aufgrund der schmelzenden oder bereits verschwundenen Gletscher (auch das Mullwitzkees verlor zuletzt massiv an Masse) ihr Gleichgewicht erst wieder finden müssen: „Auch wenn es dort noch nicht grob gekracht hat, wird man um den ein oder anderen Berg in Zukunft einen Bogen machen müssen.“