In Matrei kommt es täglich zu Felsstürzen
Zigtausende Kubikmeter Material sind bereits ausgebrochen. Der Bereich steht unter Beobachtung. Derzeit sind keine Objekte gefährdet.
Es sind gewaltige Mengen an Geröll und Fels, die in Matrei seit Tagen in den Mellitzgraben gekracht sind. Und jeden Tag kommen unzählige Kubikmeter Material dazu. Der Berg ist dort in Bewegung, zwischen dem Roten Kogel und dem Bunköpfl. Mehrere Felsstürze am Tag sind zu beobachten. Die dadurch ausgelösten Staubwolken sind sogar im sieben Kilometer entfernten Virgen zu sehen.
In der Bevölkerung tauchen Bilder auf, jene vom Gletscherabbruch im Lötschental im Schweizer Wallis, der ein ganzes Dorf (Blatten) verschüttet hat. Und es herrscht eine gewisse allgemeine Verunsicherung. Die Gemeinde hat den Landesgeologen und die Wildbachverbauung eingeschaltet. Die Begutachtung ist bereits erfolgt. Bürgermeister Raimund Steiner informiert, dass das Gebiet mit dem Hubschrauber und einer Drohne abgeflogen worden ist. Das Ergebnis: Nach fachlicher Einschätzung geht von diesen Steinschlägen und Felsabbrüchen aktuell keine Gefahr für die Bevölkerung aus. Es sind weder Häuser noch weitere Infrastruktur wie Wanderwege betroffen, die Sturzereignisse münden alle in einem Graben. Die nächste Hofstelle ist rund eineinhalb Kilometer entfernt.

Zigtausende Kubikmeter Felsmaterial abgebrochen
Der Bürgermeister lässt wissen, dass das Ereignis in Matrei nach fachlicher Einschätzung der Experten mit jenem in der Schweiz absolut nicht vergleichbar sei. Doch damit lässt man es nicht auf sich beruhen. Steiner: „Man ist gerade dabei, im betroffenen Gebiet eine Kamera einzurichten, um den Bereich zu beobachten.“ Hans-Peter Pussnig, der Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung in Osttirol, beruhigt in Zusammenhang mit Murenabgängen. Er informiert, dass bereits zigtausende Kubikmeter Felsmaterial abgebrochen sind: „Doch es liegt im hinteren Einzugsgebiet des Grabens, wo kein Staueffekt passieren kann. So könnten auch Murenabgänge in diesem Bereich derzeit keinen Schaden an der darunterliegenden Infrastruktur anrichten.“
Landesgeologe Roman Außerlechner zu den Ursachen der täglichen Felsstürze: „Im Gratbereich hat es einen Bergrutsch gegeben. Der Kammbereich hat sich Richtung Mellitzgraben abgesetzt.“ Das habe auch geologische Gründe, wie etwa die Aufwölbung des sogenannten Tauernfensters. Der Experte lässt wissen, dass es zwischen Roten Kogel und Bunköpfl noch über Monate zu Sturzprozessen und Erosionen kommen wird.

