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Obergrafer-Bauer: „Ich bleibe auf einem sechsstelligen Schaden sitzen“

Die Katastrophe eines Felssturzes ist nicht eingetreten, deshalb greift der Elementarschäden-Fonds des Landes nicht. Albrecht Ortner bleibt für die Bürokratie ein Sonderfall.

Das Nebengebäude mit der Heizanlage für den Obergraferhof musste einem Schutzdamm weichen
© KK/Privat
Das Nebengebäude mit der Heizanlage für den Obergraferhof musste einem Schutzdamm weichen
Christoph Blassnig

Albrecht Ortner bleibt unfreiwillig ein Sonderfall in Tirol. „Ich habe das Pech, dass mein Bauernhof nicht beschädigt oder zerstört worden ist, sondern nur akut von einem Felssturz bedroht war. Seit einem Jahr bemühe ich mich um Auskünfte, bei allen möglichen Stellen im Land. Doch man verweigert mir finanzielle Unterstützung aus dem Bereich Private Elementarschäden des Katastrophenfonds, weil in meinem Fall eben kein Elementarschaden eingetreten ist.“

Oberhalb des Hofes lauert große Gefahr
© KK/Privat
Oberhalb des Hofes lauert große Gefahr

Der finanzielle Folgeschaden, der dem Betroffenen durch die Evakuierung sowie die behördliche Betriebssperre indirekt entstanden ist, soll mittlerweile eine sechsstellige Summe ausmachen, beklagt der Bauer.

Kein Elementarschaden, keine Entschädigung

Tatsächlich gab ihm die Abteilung Agrarrecht folgende Auskunft: „Nach dem Katastrophenfondsgesetz können Zuschüsse nur zu den Kosten für die Behebung von Schäden, die durch taxativ aufgezählte Elementarereignisse, wie Hochwasser, Erdrutsch, natürlich induzierte vertikale Bodenbewegungen, Erdsenkungen, Vermurung, Lawine, Erdbeben, Schneedruck, Bergsturz, Orkan oder Hagel, entstanden sind, gewährt werden. Da in Ihrem Fall kein Elementarschaden aufgrund eines Elementarereignisses vorliegt, kann dazu keine Beihilfe aus den Mitteln des Katastrophenfonds gewährt werden.“ Albrecht Ortner ärgert sich: „Ich bleibe auf den mir durch die behördliche Betriebssperre entstandenen Kosten sitzen. Das scheint wohl mein Schicksal zu sein..“

Albrecht Ortner beklagt: „Das scheint wohl mein Schicksal zu sein.“
© KK/Privat
Albrecht Ortner beklagt: „Das scheint wohl mein Schicksal zu sein.“

Der Bau der Schutzdämme steht vor dem Abschluss

Wie berichtet, schreiten die Arbeiten der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) in Innervillgraten gut voran. Oberhalb des Obergrafer-Gehöftes durchziehen tiefe Furchen das felsige Gelände. Berechnungen von Fachleuten haben ergeben, dass der Bergrücken abbrechen und in zwei Ereignissen zu Tal stürzen wird. Die Investition von eineinhalb Millionen Euro für zwei Schutzdämme kommt nicht nur dem Obergraferhof selbst und benachbarten Gebäuden zugute, sondern schützt in weiterer Folge auch die Landesstraße in der Talfurche.

Eine Simulation zeigt die beiden Felsstürze:

Die Evakuierung und die Betriebssperre kosteten den Bauern viel Geld

Nach ihrer Evakuierung bezogen der Landwirt und seine betagte Mutter eine Ferienwohnung in der Nähe des Hofes. Diese konnte folglich nicht mehr vermietet werden. Seine Tiere aus dem Stall musste Ortner zum Teil verkaufen oder bei anderen Bauern unterstellen. Ein etwa zehn Jahre altes Zusatzgebäude, das die Heizanlage und eine Werkstätte beherbergte, musste der Bauer abreißen lassen, um Platz für den ersten Schutzdamm zu schaffen. Für die Beheizung des Hofes im heurigen Winter mietete Ortner einen Container samt Heizanlage. Als Ersatz für das abgerissene Nebengebäude plant Ortner einen Neubau an anderer Stelle. Im Genehmigungsverfahren dafür geriet der Bauer im Herbst mit der Gemeinde in einen Konflikt.

Ähnliche Naturereignisse würden sich in Zukunft überall in Tirol häufen, ist der Vollerwerbsbauer überzeugt. „Die Zuständigen haben doch die Pflicht, nicht nur auf entstandene Schadensereignisse, sondern auch auf akute Bedrohungen zu reagieren und vorzusorgen.“

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