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Nach Felssturz: Landwirt darf seinen Hof bis Jahresende nicht betreten

Wegen Lebensgefahr: Der Obergraferhof in Innervillgraten bleibt bis zum Jahresende gesperrt. Die Wildbach- und Lawinenverbauung errichtet zwei Dämme, um 50.000 Kubikmeter Material aufzufangen.

Albrecht Ortner darf seinen Obergraferhof bis zum Jahresende nicht betreten
© KK/Ortner
Albrecht Ortner darf seinen Obergraferhof bis zum Jahresende nicht betreten
Christoph Blassnig

Es gibt, bei allem Unglück, zumindest eine gute Nachricht für Albrecht Ortner: Am Dienstagabend hat der Gemeinderat in Innervillgraten in einer außerordentlichen Sitzung einstimmig die Entscheidung getroffen, den Obergraferhof, den der Vollerwerbsbauer gemeinsam mit seiner 86-jährigen Mutter normalerweise bewirtschaftet und bewohnt, durch den Bau zweier Schutzwälle wieder sicher zu machen. Die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) veranschlagt für das Vorhaben mit Kosten in der Höhe von 1,4 Millionen Euro.

Wie berichtet, bedroht ein massiver Bergsturz die Hofstelle. Täglich brechen Felsbrocken und Geröll aus und donnern den steilen Abhang hinter der Hofstelle hinab. Die Behörden haben die beiden Bewohner deshalb Ende Jänner evakuiert und wegen akuter Lebensgefahr ein Betretungsverbot verhängt. Seither hofft der Landwirt auf eine Entschädigung für seinen Verdienstentgang. Er musste die Hälfte seiner Tiere verkaufen und die verbleibenden bei einem befreundeten Bauern in Lienz einstellen. Nun steht zumindest fest, dass er bis zum Jahresende seinen Besitz wieder betreten darf. Damit sind die Probleme aber noch nicht gelöst.

50.000 Kubikmeter werden laut Wildbach- und Lawinenverbauung zu Tal stürzen
© KK/WLV Osttirol
50.000 Kubikmeter werden laut Wildbach- und Lawinenverbauung zu Tal stürzen

Der Bauer muss seine Maschinenhalle abreißen

Vor elf Jahren hat Albrecht Ortner hinter seinem Bauernhof ein Mehrzweckgebäude errichtet, mit einer ungefähren Grundfläche von 12 mal 16 Metern. Darin hatte er seine Maschinen untergebracht, eine Werkstätte, ein Lager sowie die zentrale Heizanlage für den Hof und jenes Gästehaus in einiger Entfernung, das die evakuierten Hofbesitzer derzeit bewohnen. Diese Maschinenhalle muss nun vollständig abgerissen werden, um Platz zu schaffen für den Schutzwall.

Acht Meter wird dieser hoch und 85 Meter lang. Einen zweiten errichtet die Wildbach- und Lawinenverbauung auf der gegenüberliegenden Seite des Graferbaches, zum Schutz der Straße. Auch dieser wird acht Meter hoch, parallel zum Bachbett verlaufen und 50 Meter lang sein. Bis heute sind an die 10.000 Kubikmeter an Felsmaterial bereits ins Bachbett gestürzt.

WLV rechnet mit zwei Felsstürzen und 50.000 Kubikmetern Material

„Räumen können wir das alles nicht“, erklärt Hanspeter Pussnig, stellvertretender Gebietsbauleiter der WLV Osttirol. „Das wäre lebensgefährlich.“ Stattdessen haben die Fachleute in den vergangenen Monaten den Hang mit einer automatischen Laseranlage vermessen. Aus diesen Daten und aus den Besichtigungen vor Ort konnte ein Modell errechnet werden, das den nun geplanten Schutzwällen zugrunde liegt.

„Wir haben an dieser Stelle mit zwei aufeinanderfolgenden Felssturzereignissen zu rechnen“, gibt Pussnig Auskunft. Das erste umfasst geschätzte 20.000 Kubikmeter an Material, das bis zu seinem Abgang noch größere Massen stützt. Stunden, Tage, vielleicht auch erst Wochen nach dem ersten Felssturz brechen noch einmal 30.000 Kubikmeter vom Berg ab. Die beiden Dämme sollen diese Gesteinsmassen auffangen. Das Material wird Schuttkegel bilden und erst geräumt, wenn keine unmittelbare Gefahr mehr besteht.

Die Wildbach- und Lawinenverbauung hat in einem Modell die beiden Felsstürze simulieren lassen:

„Das Projekt ist aufwändig und mit Kosten in der Höhe von 1,4 Millionen Euro auch kostenintensiv. Es gibt aber keine Alternative“, erklärt der Gebietsbauleiter. Sobald die naturschutz- und wasserrechtlichen Genehmigungen erteilt sind, beginnt die WLV mit dem Bau der beiden Schutzdämme. Im Juni könnte das der Fall sein. Bis zum Jahresende ist die Fertigstellung geplant.

Es braucht ein neues Heizhaus

„Ich muss eine neue Maschinenhalle bauen, die etwas entfernt liegt“, berichtet der betroffene Bauer. Um sowohl den Obergraferhof als auch das Gästehaus möglichst bald wieder heizen zu können, muss er in unmittelbarer Nähe des Bauernhofes zusätzlich eine neue Heizungsanlage errichten. „Damit kann ich nicht bis zum Winter warten.“ Der Landwirt hofft auf Unterstützung. „Es kommt in den nächsten Jahren noch sehr viel Arbeit auf uns zu.“

Die Wildbach- und Lawinenverbauung hat das betroffen Risikogebiet genau vermessen
© KK/WLV Osttirol
Die Wildbach- und Lawinenverbauung hat das betroffen Risikogebiet genau vermessen

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