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Bauer und Gemeinde streiten wegen dem Ersatzgebäude

Die Wildbach- und Lawinenverbauung versucht einen riesigen Felssturz über dem Obergraferhof zu zähmen. Bebauungsplan für ein Ersatzgebäude nicht genehmigt.

50.000 Kubikmeter an Material werden ins Tal stürzen
© KK/Privat
50.000 Kubikmeter an Material werden ins Tal stürzen

Bis vor zwei Wochen wäre an Erdbewegungen für die beiden Schutzdämme oberhalb des Obergraferhofes in Innervillgraten kaum zu denken gewesen. Es regnete Steine im Minutentakt, und das schon seit einigen Monaten. Erst in den vergangenen vierzehn Tagen hat sich der Hang im Vergleich zu vorher deutlich beruhigt.

Am Montag konnte die Wildbach- und Lawinenverbauung erstmals ihre Arbeit aufnehmen. Die Fachleute errichten zwei Dämme, um 50.000 Kubikmeter Material aufzufangen, das laut einer Simulation in zwei Ereignissen ins Tal stürzen wird. Nach einer Sicherheitsunterweisung vor Ort haben Bagger begonnen, das Gelände aufzuschütten. Im Gefahrenbereich dürfen sich nur gerade so viele Leute aufhalten, wie es unbedingt erforderlich ist. Das Risiko für einen Steinschlag und vielleicht sogar einen Felssturz ist weiterhin groß.

Die Wildbach- und Lawinenverbauung hat in einem Modell die beiden Felsstürze simulieren lassen:

Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in den Hof schwindet

Landwirt Albrecht Ortner verliert zunehmend die Hoffnung, dass er noch vor dem Winter in seinen Obergraferhof zurückkehren kann. „In drei Monaten kann im Villgraten Winter sein“, sagt der Bauer. „Die Arbeiten für den ersten Schutzdamm sollen aber fünf Monate dauern. Wie soll sich das ausgehen?“ Wie berichtet, wurden der Landwirt und seine betagte Mutter wegen akuter Felssturzgefahr im Februar evakuiert. Und eine Rückkehr noch im heurigen Jahr wird immer unwahrscheinlicher. „Man hätte viel früher mit den Arbeiten beginnen müssen.“

Noch ein weiteres Problem verzögert die Heimkehr des Landwirtes in seinen Bauernhof: Um Platz für jenen der beiden Schutzdämme zu schaffen, der unmittelbar hinter dem Wohnhaus errichtet wird, muss ein zehn Jahre altes Wirtschaftsgebäude dem Boden gleichgemacht werden. Darin hatte Ortner bisher nicht nur seine landwirtschaftlichen Geräte und Maschinen untergebracht. Auch die Heizungsanlage für den alten Hof befindet sich darin. Als Ersatz muss der Bauer an anderer Stelle ein völlig neues Gebäude errichten.

Gemeinderat verweigerte seine Zustimmung zum Bebauungsplan

Für dieses Ersatzgebäude liegt seit der jüngsten Gemeinderatssitzung, die in der Vorwoche stattgefunden hat, zwar ein Widmungsansuchen an das Land vor. Allerdings verwehrte der Gemeinderat seine Zustimmung zum Bebauungsplan, den Ortner vorgelegt hatte. „Wir haben eine Stunde lang im Gemeinderat diskutiert, und zwar sachlich und ruhig“, rechtfertigt Bürgermeister Andreas Schett das einstimmige Vorgehen.

„Wir haben Sorge, dass im neuen Gebäude, das sehr großzügig geplant worden ist, eine Ferienwohnung vermietet wird. Wir unterstützen in Innervillgraten unsere Landwirtschaft und den sanften Tourismus. Beides trifft auf den Antragsteller zu. Lagerräume im neuen Gebäude wären kein Problem, aber eine Wohnung, die als zusätzliche Ferienwohnung vermietet werden könnte, unterstützen wir nicht.“ Der Punkt wurde in der Sitzung von der Tagesordnung genommen.

Bauer Ortner: „Ich halte mich an alle Regeln und Gesetze.“

Diese Argumentation versteht der Bauer wiederum nicht: Er habe sich in Rücksprache mit den zuständigen Landesstellen und beim Ausarbeiten seiner Pläne genau an die rechtlichen Vorgaben gehalten. Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung sei ihm von höchster Stelle erneut mündlich versichert worden, dass es nur eine Tiroler Bauordnung und nur ein Tiroler Raumordnungsgesetz gebe.

„Ich halte mich an sämtliche Vorgaben, und trotzdem verweigern mir der Gemeinderat und der Bürgermeister ihre Zustimmung“, beklagt sich Ortner, er unterstellt Willkür und vermutet eine Machtdemonstration. „Gesetze und Regeln sind nicht nur für den einfachen Bürger einzuhalten. Sie müssen doch auch für Bürgermeister und Gemeinderäte gelten?“ Die Wohnfläche im neuen Wirtschaftsgebäude soll laut dem Antragsteller bei rund 50 Quadratmetern liegen.

Bauer Albrecht Ortner darf seinen Obergraferhof noch immer nicht betreten
© Christoph Blassnig
Bauer Albrecht Ortner darf seinen Obergraferhof noch immer nicht betreten

Das Land habe in dieser Sache der Gemeindeführung noch wenige Stunden vor Beginn der Gemeinderatssitzung seinen Wunsch übermittelt, den Anträgen für die Widmung und den Bebauungsplan im Sinne von Albrecht Ortner zuzustimmen. „Das Land wünscht, dass alles zu tun sei, damit noch im Oktober ein neues Gebäude stehen kann. Aber unsere Zuständigen im Villgratental wollen sich von oben nichts vorschreiben lassen. Das kann doch nicht sein“, versteht Albrecht Ortner die Welt nicht mehr. Er will seine weiteren Schritte jedenfalls wieder mit dem Land abstimmen.

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