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Ein erster Damm schützt den Obergraferhof

Die Wildbach- und Lawinenverbauung arbeitet mit Hochdruck an der weiteren Verbauung. Elf Monate lang waren Bauer Albrecht Ortner und seine Mutter evakuiert.

Die Arbeiten am zweiten Schutzdamm sind angelaufen
© KK/Privat
Die Arbeiten am zweiten Schutzdamm sind angelaufen
Christoph Blassnig

Trotz widriger Witterungsverhältnisse ist der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) mit der Fertigstellung des ersten Schutzdammes oberhalb des Obergraferhofes ein großer Wurf gelungen, lobt Leiter Hanspeter Pussnig seine Mannschaft. Die Evakuierung des Bauernhofes konnte kurz vor Weihnachten aufgehoben werden. Für den Bauern Albrecht Ortner, noch viel mehr aber für seine betagte Mutter, ging damit ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung. „Wir haben unsere Kräfte gebündelt, um das möglich zu machen“, sagt Pussnig.

Die Ausmaße des ersten Schutzdammes sind beeindruckend
© KK/Privat
Die Ausmaße des ersten Schutzdammes sind beeindruckend

Nur drei Wochen nach Weihnachten verstarb die Altbäuerin. „Die Evakuierung hatte ihr sehr zu schaffen gemacht“, erklärt der Landwirt. „Alte Leute darf man nicht verpflanzen, hat sie oft gesagt. Sie wünschte sich nichts mehr, als die Rückkehr in das Paradies. Das war ihr der Obergraferhof.“

Die Bauarbeiten starteten hier einen Monat früher als überall sonst

Seit vergangener Woche sind auf der Baustelle wieder Bagger und Lastwagen im Dauereinsatz. Sie errichten das zweite Schutzbauwerk. Dieser zweite Damm wird 50 Meter lang und ebenfalls neun Meter hoch. Wenn er fertiggestellt ist, wird nur wenig davon sichtbar sein. „Der zweite, linksufrige Damm verläuft parallel zum Fluss und wird gleichzeitig ein Leitwerk für den Bach sein“, erläutert der WLV-Bauleiter. Für das Fundament ist ein großer Aushub notwendig.

Hanspeter Pussnig ist mit dem Baufortschritt zufrieden
© Christoph Blassnig
Hanspeter Pussnig ist mit dem Baufortschritt zufrieden

„Wir haben bereits mit dem Bau begonnen, weil die derzeitige Witterung eine große Chance bietet. In der zerklüfteten Felswand herrscht völlige Ruhe. Die Arbeiten schreiten schnell voran.“ Erst durch das Zusammenspiel beider Schutzbauten ist die Landesstraße in der Talfurche geschützt. Denn es gilt als sicher, dass der Bergrücken abbrechen wird. 50.000 Kubikmeter Material werden in zwei Ereignissen zu Tal stürzen. Das sagen errechnete Simulationen eindeutig voraus. Anhand dieser Modelle sind die notwendigen Schutzmaßnahmen geplant worden.

Die günstige Witterung spielt der Verbauung in die Hände

Regulärer Baubeginn für die Wildbach- und Lawinenverbauung ist erst am 3. März. „Es ist genial, dass sich hier dieses Zeitfenster aufgetan hat. Sobald es im Frühjahr wieder nass wird, verschlechtern sich die Bedingungen rasant. Wir möchten deshalb bis April fertig werden“, freut sich Pussnig und gibt zugleich einen sportlichen Zeitrahmen vor. Die WLV hat zusätzliche Messeinrichtungen installiert, um auch die geringsten Bewegungen im Hang verfolgen zu können. Die bisher gesammelten Daten belegen eindeutig den Zusammenhang von Niederschlag und Hangrutschungen. Nur Stunden, nachdem es geregnet hat, geraten die Felsmassen in Bewegung. „Der Wasserspiegel im Boden ist auch an dieser Stelle Motor für die Bewegung“, erläutert der WLV-Verantwortliche.

Spontane Firstfeier am ersten Damm

Im Herbst musste die Baustelle für den fertiggestellten Damm nach Niederschlägen immer wieder für Tage geräumt werden, niemand durfte dem Gefahrenbereich zu nahe kommen. Diese Verzögerungen holten die WLV-Mannschaften dann bis Mitte Dezember auf. Albrecht Ortners Freude über die Rückkehr in den Obergraferhof war so groß, dass er mit seinem Auto in seinen Wald fuhr und einen Baum fällte. An der Anhängerkupplung zog er die Fichte bis zur Baustelle. Der Baggerfahrer richtete das Gehölz, das auf dem Weg dorthin einigen Schaden erlitten hatte, bereitwillig auf. „Das war meine schönste Firstfeier“, erinnert sich der Landwirt. Zum Dank lud er die Arbeiter im Wirtshaus zum Essen ein.

Bauer Albrecht Ortner spendierte einen Baum für die spontane Firstfeier
© KK/Privat
Bauer Albrecht Ortner spendierte einen Baum für die spontane Firstfeier

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