Es regnet Steine im Stundentakt
Wegen stündlichen Steinschlägen in Innervillgraten und auch in Außervillgraten dürfen Bewohner nicht ins Haus zurück. Die Wildbach- und Lawinenverbauung ist im Dauereinsatz.
Seit ein Uhr in der Nacht rumort es am Mittwoch im Felshang über dem Obergraferhof in Innervillgraten wieder. „Stündlich gehen dort Steinschläge ab“, weiß Hanspeter Pussnig, stellvertretender Gebietsbauleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) in Osttirol. Die Bautrupps der WLV haben seit Wochen alle Hände voll zu tun. Meldungen über Bewegungen des Erdreichs erreichen Pussnig im Minutentakt und aus dem gesamten Bezirk. Auch das Debanttal ist aktuell betroffen.
„An praktisch allen Hängen sind zur Zeit kleinräumige Ereignisse möglich“, bestätigt Pussnig. Gefährlich könne es werden, wenn eine dieser unscheinbaren Rutschungen ein Bachbett verlegt. „Wenige Liter können das Fass zum Überlaufen bringen. Die Mischung aus Wasser und Geröll bahnt sich dann als Murgang ihren Weg. Und es wird sehr gefährlich.“ Überall in Osttirol sei der Boden durch die Niederschläge der vergangenen Wochen völlig durchnässt.
Bevölkerung soll Auffälligkeiten melden
Der Gebietsbauleiter ersucht die Bevölkerung um die Meldung auch kleiner Auffälligkeiten an den Bürgermeister der jeweiligen Gemeinde. Dieser informiert die Wildbach- und Lawinenverbauung, die dann über die weiteren Schritte entscheidet.
Evakuierung in Außervillgraten bleibt aufrecht
Im Weiler Oberwurzen der Gemeinde Außervillgraten dürfen Vater und Kind auch nach fast zwei Wochen nicht in ihr Haus zurück. „Es muss aufhören zu regnen, damit die Lage sich entspannt und wir unsere Arbeit machen können“, bedauert der Gebietsbauleiter. Der betroffene Hausbesitzer hat sämtliche Maueröffnungen, die dem Hang zugewandt sind, mit Planken verbarrikadiert, um ein Eindringen der Geröllmassen in das Gebäude möglichst abzuwehren, sollte der Ernstfall eintreten. Erst am vergangenen Wochenende war noch einmal ein Vorarbeiter der WLV vor Ort, um weiter oberhalb zusätzliche Folien auszubringen. Diese sollen das Wasser aus dem aufgerissenen Hang ableiten.
Ein Steinschlagnetz oberhalb der Siedlung war durch die Hangrutschung zwar beschädigt worden, konnte aber gesichert und verstärkt werden. „Das Netz hält das Material weiterhin zurück“, erklärt Pussnig. „Wir hoffen, dass das so bleibt.“
Die Bescheide für die Dämme in Innervillgraten sind da
Für den Obergraferhof von Albrecht Ortner in Innervillgraten hat die WLV nach haushohen Rissen im Berg ein eigenes Schutzprojekt ausgearbeitet. Die wasser-, forst- und naturschutzrechtlichen Bescheide für die Errichtung eines acht Meter hohen und 85 Meter langen Schutzdamms sind gerade erteilt worden. Auf der gegenüberliegenden Seite des Graferbaches muss die Straße durch einen zweiten Damm geschützt werden, auch dieses Bauwerk wird acht Meter hoch und auf einer Länge von 50 Metern parallel zum Bachbett verlaufen.
Nur diese beiden Dämme allein kosten 1,4 Millionen Euro. „Wir könnten nächste Woche mit dem Bau beginnen“, zeigt sich der WLV-Verantwortliche zuversichtlich. „Aber auch hier gilt: Bevor der Regen nicht aufhört, ist der Bereich lebensgefährlich. Wir können da noch niemanden hinschicken.“
Die Wildbach- und Lawinenverbauung hat in einem Modell die beiden Felsstürze simulieren lassen:
Aus Vermessungen und einem Berechnungsmodell weiß man, dass beim Obergraferhof zwei aufeinanderfolgende Felsstürze mit insgesamt 50.000 Kubikmetern Gestein ins Tal donnern werden. Diese Massen sollen hinter den beiden Dämmen zur Ruhe kommen und dauerhaft verbleiben. Der Bau der beiden Dämme wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Vollerwerbsbauer Albrecht Ortner darf seinen Hof bis Jahresende nicht betreten.
