„Die Enteignung in Matrei macht den Tourismus zur Geisel“
TVB-Obmann Franz Theurl ist enttäuscht, weil die Alternativroute des Tourismusverbandes im Land nicht gehört wurde. Das Urteil des Landesverwaltungsgerichts steht aus.
Mit Grundbesitzern gehe man nicht so um, ärgert sich TVB-Obmann Franz Theurl. „Seit Jahrzehnten verhandle ich im gesamten Bezirk mit den Leuten wegen Nutzungsrechten, nie haben wir eine Enteignung gebraucht.“ Es sei menschlich nur verständlich, dass die beiden Grundbesitzer Elisabeth Trager und Stephan Köll, die in Matrei für einen Fahr- und Radweg entlang der Felbertauernstraße durch das Land enteignet werden sollen, emotional reagieren.
„Der Tourismus zahlt dafür die Zeche, darauf habe ich den zuständigen Landeshauptmannstellvertreter Georg Dornauer hingewiesen.“ Theurl sagt, er habe sich seit einem Jahr um einen Termin für einen Lokalaugenschein mit den Verantwortlichen bemüht. „Leider ohne Erfolg.“
Theurl: Enteignung ist ein „brachialer Akzent“
Das Land setze mit der Enteignung einen brachialen Akzent, die Stimmung sei entsprechend im Keller. Unverständlich ist für den Tourismusverbandsobmann auch die Tatsache, dass in der Landesregierung der Straßenbau bei Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) liegt, das Radwegenetz aber bei seinem Amtskollegen Dornauer (SPÖ). „Beides gehört zusammen. Ich sitze mit dem Tourismus wie eine Geisel in der Mitte.“
Die Grundeigentümerin droht mit der Kündigung von Verträgen
Theurl weiß genau, wie oft die betroffene Grundeigentümerin in der Vergangenheit ihre Zustimmung gegeben hat zu neuen Wanderwegen und Loipen. Das größte Unrecht sei ihr widerfahren im Zuge der Neutrassierung der Felbertauernstraße nach dem Felssturz im Jahr 2013, klagt Trager. „Ich habe immer und zu allem Ja gesagt, das war vielleicht mein Fehler. Diese Enteignung hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“

Den Tourismusverband könnte die Stimmungslage der Grundeigentümerin bald teuer zu stehen kommen. Eine Langlaufloipe beim Tauernhaus verläuft zum Beispiel auf Flächen, die Trager gehören. „Ich kündige die Verträge“, droht die Grundbesitzerin dem TVB offen. Dabei hat der Matreier Tourismusverband-Ortsausschuss dort schöne Pläne für eine Wintererlebniswelt ausgearbeitet und will sie der Grundbesitzerin vorlegen, um ihr Einverständnis zu bekommen.
Vorschlag des TVB für einen Radweg an der Isel wurde im Land nicht gehört
Der TVB hat dem Land schon vor einem Jahr Alternativvorschläge für den Radweg-Lückenschluss übermittelt. Denn jene Route, die parallel zur Felbertauernstraße durch die Enteignung durchgesetzt werden soll, bleibt nach Theurls Einschätzung gefährlich und sei auch noch völlig unattraktiv.
Die Grundbesitzer gehen da noch weiter und bezeichnen den geplanten landwirtschaftlichen Fahrweg sowie Radweg als „zusätzliche Straße“. Die Zufahrt für landwirtschaftliche Maschinen zu den Ackerflächen werde nur vorgeschoben, meinen Trager und Stephan Köll. „Ich bin leider mit meinen Vorschlägen im Land nicht gehört worden“, bedauert Theurl.
Wenn die Enteignung tatsächlich vollzogen und der straßenparallele Radwegabschnitt gebaut wird, sei die bisherige Route über den Dammweg entlang der Isel als zweiter Radweg ein für alle Mal gestorben, sagt Theurl. „Es wird nur einen geben.“
Noch keine Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts
Die beiden Grundbesitzer haben gegen den Bescheid zur Enteignung Beschwerde eingelegt. Am 13. August war Verhandlung am Landesverwaltungsgericht in Innsbruck. Das Urteil des Richters steht noch aus.