Die Enteignung in Seblas beschäftigt weiter die Gerichte
Noch ist eine Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts ausständig, doch mehr als 15 Euro pro Quadratmeter sollen die beiden Grundbesitzer nicht bekommen.
In Matrei in Osttirol sollen landwirtschaftliche Flächen zugunsten der Felbertauernstraße verkleinert werden. Die Besitzer wehren sich jedoch gegen eine Enteignung. Am 13. August waren die beiden Grundbesitzer Elisabeth Trager und Stephan Köll vor den Richter am Landesverwaltungsgericht in Innsbruck geladen. Nach weniger als zwei Stunden war die Verhandlung zu Ende. Das Urteil ergeht schriftlich und ist noch ausständig. Doch Elisabeth Trager hat wenig Hoffnungen: „Die Enteignung wird durchgezogen, daran habe ich keinen Zweifel mehr. Und mehr als 15 Euro sollen wir für den Quadratmeter einfach nicht bekommen.“
Enttäuschung nach dem Gerichtstermin in Innsbruck
Alle Gespräche im Vorfeld, auf die die Zuständigen und Schätzgutachter vor dem Richter hingewiesen haben, seien nicht mehr als Scheinverhandlungen gewesen, kritisiert Trager. Stephan Köll ist enttäuscht, will aber nicht aufgeben. „Ich warte die Entscheidung des Verwaltungsgerichts ab. Dann muss ich schauen, wie ich weiter vorgehe.“ Mehr werde er dazu vorerst nicht sagen. Möglich ist für beide Grundbesitzer der Weg zum Verwaltungsgerichtshof in Wien.
Vor dem Richter habe die Verhandlungsleiterin erneut bestätigt, dass das Land Tirol bei der siebenstündigen Verhandlung im Februar vor Ort in Matrei 15 Euro für den Quadratmeter angeboten hat. „Die Gemeinde zeigte sich in den folgenden Wochen zwar kompromissbereit, hat uns sogar 37 Euro angeboten und mir ein mögliches Tauschgrundstück gezeigt. Aber schriftlich haben wir nie etwas erhalten. Ein Rückzieher folgte auf den nächsten“, berichtet Trager.
Bürgermeister Raimund Steiner hatte den Gemeindevorstand und Landwirt Christoph Köll mit der Sache betraut. Christoph Köll: „Das Land hat uns eine höhere Entschädigung untersagt. Dieser landwirtschaftliche Grund ist laut Schätzgutachten zwischen 17 und 18 Euro pro Quadratmeter wert. Wir dürften deshalb nicht das Doppelte dafür bezahlen, hat das Land argumentiert. Schon gar nicht bei den budgetären Verhältnissen in Matrei.“ Die Marktgemeinde ist mit 36 Millionen Euro verschuldet und hängt finanziell am Tropf des Landes.
Elisabeth Trager hat einen Anwalt in Wien mit der Sache betraut
Nur wenige Tage vor dem Verhandlungstermin hat die Grundbesitzerin einen Anwalt in Wien engagiert. Tragers Rechtsvertreter war bei der Verhandlung aus Termingründen zwar nicht anwesend, seine schriftliche Eingabe werde er aber in seiner Entscheidung berücksichtigen, erklärte der Richter.
Die Grundbesitzerin ist nach wie vor enttäuscht über die Vorgangsweise. Über Jahre ziehe sich die Ausweitung des Gewerbegebietes in Seblas hin, nach und nach wurden ursprünglich landwirtschaftliche Gründe bebaut. Das Parkhaus für einen einflussreichen Wärmepumpenhersteller wertet Trager nur als einen ersten Schritt auf die Flächen auf der gegenüberliegenden Seite der Felbertauernstraße.
Lebensgefahr für Radfahrer entlang der Felbertauernstraße
Schon allein aus Sicherheitsgründen sei eine Abtretung von Flächen zur Verbreiterung der Felbertauernstraße mittlerweile unausweichlich, räumt Trager ein. „Der jetzige Zustand ist lebensgefährlich.“ Durch neue Abbiegespuren in das Gewerbegebiet ist die Felbertauernstraße bereits bis an die Grundstücksgrenzen und teilweise darüber hinaus verbreitert worden. Verkehrszeichen für die Straße stehen auf den Grundstücken von Elisabeth Trager.
Nach wie vor sind die beiden Grundbesitzer überzeugt, dass der Lückenschluss für den Iseltal-Radweg auf dieser Trasse überhaupt nicht sinnvoll sei. „Es entsteht neben der Felbertauernstraße eine als Traktorweg bezeichnete weitere Straße, auf der auch Fußgänger und Radfahrer unterwegs sein sollen“, so Trager weiter.
Der Tourismus wünscht sich einen Radweg neben der Isel
Der Dammweg entlang der Isel, den der Tourismusverband und führende Hoteliers schon allein deshalb bevorzugen würden, weil vom Schwerverkehr auf der Felbertauernstraße für Radfahrer eine stete Gefahr ausgeht und der Uferweg landschaftlich reizvoll ist, wäre die einzig sinnvolle Trasse für den Radweg, meint Trager. Sie hatte ihren Privatweg im Frühjahr aus Protest gegen die angedrohte Enteignung gesperrt. Aber weil die Eigentümerin noch keinen Radler wegen Besitzstörung geklagt hat, umfahren diese die hölzerne Sperre einfach.
Der Tourismusverband soll seine Pläne für einen Radweg entlang der Isel noch nicht aufgegeben haben. Der Anschluss an die geplante Radweg-Trasse des Landes entlang der Felbertauernstraße müsste durch eine Unterführung erfolgen.

