Am Anfang stand die Qual der Wahl: Wo sollte der geplante Stadtmarkt Lienz hin? Zehn verschiedene Plätze und Straßen wären Ende des vergangenen Jahrtausends in Frage gekommen, so der damalige Obmann der 1996 gegründeten Arbeitsgruppe, Hermann Kuenz. „Als wir uns für die Messinggasse entschieden haben, wurden wir von allen als verrückt erklärt“, erzählte der Seniorchef der Kuenz-Naturbrennerei am Rande der Feierlichkeiten am vergangenen Samstag. Auch Alt-Bürgermeisterin Helga Machné erinnerte sich an die nicht kritikfreie Eröffnung im Jahr 2000: „Es war eine schwere Geburt. Alle sagten, das muss man am Hauptplatz oder am Marktplatz machen. Aber dann hat sich herausgestellt, dass das hier der beste Platz ist. Die obere Altstadt hat sich auch dank des Marktes so toll entwickeln können.“

Fast fünf Millionen Kundinnen und Kunden in 25 Jahren

Tatsächlich, aus dem anfangs belächelten Projekt ist vor allem seit der Neugestaltung der Messinggasse in den Jahren 2011 bis 2012 (zu der Zeit musste der Markt auf einen Parkplatz siedeln) eine Osttiroler Erfolgsgeschichte geworden: 2600 Markttage hat der Verein Lienzer Stadtmarkt in den vergangenen 25 Jahren abgehalten, dabei bediente er an 18 Verkaufsständen mit über 550 hochwertigen, regionalen Produkten rund 4,8 Millionen Kundinnen und Kunden. Somit zählt der Lienzer Stadtmarkt, der seit 2005 eine geschützte Marke ist, schon aus quantitativer Sicht zu den erfolgreichsten Frischemärkten in ganz Österreich.

Für Bürgermeisterin Elisabeth Blanik ist der Stadtmarkt inzwischen zum sozialen Treffpunkt im Herzen der Stadt geworden
Für Bürgermeisterin Elisabeth Blanik ist der Stadtmarkt inzwischen zum sozialen Treffpunkt im Herzen der Stadt geworden © André Schmidt

Der Stadtmarkt ist zum Treffpunkt für alle geworden

Was den Stadtmarkt darüber hinaus besonders macht, ist seine Funktion als innerstädtischer Treffpunkt für Gäste und Einheimische. „Es gibt nicht nur den kaufmännischen Aspekt, wir haben mehr geschaffen. Der Markt ist ein soziales Zentrum des Handels, aber auch der Kommunikation geworden“, zeigte sich Bürgermeisterin Blanik beeindruckt, welche Weitsicht ihre Vor-Vorgängerin Machné bewiesen hat. Auch gehört der Stadtmarkt unverrückbar zum Konzept der Lienzer Innenstadtentwicklung, das mit Fußgänger- und Begegnungszonen immer wieder republikweit gelobt wird. Blanik hob in dem Zusammenhang die Unterstützung der EU hervor: „Es wird immer viel geschimpft, aber ohne die Gelder der EU hätten wir das nicht in dieser Qualität umsetzen können.“

Feierten 25 Jahre Stadtmarkt Lienz: Martin Mayerl (Vertretung Land Tirol), Oskar Januschke (Abteilungsleitung Standortentwicklung), Helga Machné (Alt-Bürgermeisterin), Elisabeth Blanik (Bürgermeisterin Lienz), Berno Mühlburger (Obmann Verein Stadtmarkt Lienz), Claudia Ambrosch (Obfrau Verein Messinggasse/Kreuzgasse) und Karl Brunner (Direktor Raiffeisenbank Lienz)
Feierten 25 Jahre Stadtmarkt Lienz: Martin Mayerl (Vertretung Land Tirol), Oskar Januschke (Abteilungsleitung Standortentwicklung), Helga Machné (Alt-Bürgermeisterin), Elisabeth Blanik (Bürgermeisterin Lienz), Berno Mühlburger (Obmann Verein Stadtmarkt Lienz), Claudia Ambrosch (Obfrau Verein Messinggasse/Kreuzgasse) und Karl Brunner (Direktor Raiffeisenbank Lienz) © André Schmidt

Seit 2022 gibt es den „Genussladen 24/7“

Für Claudia Ambrosch, die als Obfrau des Vereins Messinggasse/Kreuzgasse die stationären Läden vertritt, hat der Markt ebenfalls für Belebung der einst tristen nördlichen Altstadt gesorgt: „Wir haben ein tolles Miteinander zwischen den Läden und den Standlern. Egal, was die Standler brauchen, wir helfen alle zusammen.“ Rund 2000 Kunden pro Halbtag besuchen den Markt, wovon die 21 Betriebe „im Hintergrund“ mit profitieren. „Die Menschen bleiben viel länger in unserem kleinen Stadtquartier“, so Ambrosch weiter. Dabei schritt die Entwicklung stets voran: Im Jahr 2022 wurde der Stadtmarkt um den „Genussladen 24/7“ erweitert. 39 regionale Anbieter bestücken den rund um die Uhr geöffneten Selbstbedienungs-Shop in der Messinggasse, der laut Managerin Theresa Kollnig von bis zu 70 Kunden täglich genutzt wird.

Geöffnet ist der Stadtmarkt Lienz jeden Freitagnachmittag und Samstagvormittag. Das vielfältige Angebot lockt pro Halbtag rund 2000 Besucherinnen und Besucher in die nördliche Altstadt
Geöffnet ist der Stadtmarkt Lienz jeden Freitagnachmittag und Samstagvormittag. Das vielfältige Angebot lockt pro Halbtag rund 2000 Besucherinnen und Besucher in die nördliche Altstadt © André Schmidt

„Wir sind 18 Standler – und es leben 18 Familien davon“

Martin Mayerl, Bürgermeister von Dölsach und in Vertretung des Landes Tirol anwesend, warf einen Blick auf die wirtschaftliche Bedeutung: „Die Direktvermarktung hat von jeher in der Landwirtschaft eine Rolle gespielt, aber für die regelmäßige Belieferung des Marktes mussten sich die Landwirte professionalisieren.“ Mayerl führte aus, dass dies für viele eine Umstellung bedeutete: „Das Land zieht in die Stadt – das war nicht einfach. Inzwischen ist der Markt ein wichtiges Standbein für die Bauern der Region geworden.“ Der Obmann des Stadtmarkt-Vereins, Berno Mühlburger, bestätigte dies: „Wir sind 18 Standler, und es leben 18 Familien davon.“ Auch Mühlburger will keinen Stillstand am Markstand: „Die Vereinsmitglieder bringen jährlich 50.000 Euro auf, um den Markt, aber auch Veranstaltungen wie den Ostermarkt, das Altstadtsingen und viele andere weiterzuentwickeln.“

14.06.2025, Lienz, AUT, 25. Jahre Stadtmarkt Lienz, im Bild Claudia Ambrosch, Obfrau Verein Messinggasse/Kreuzgasse. EXPA Pictures © 2025, PhotoCredit: EXPA/ Johann Groder
Genussladen-Managerin Theresa Kollnig (links) bei der Registrierung für die neue Stammkundenkarte, die einen Rabatt von drei Prozent gewährt © EXPA / Johann Groder

Strominfrastruktur wird um 40.000 Euro erneuert

Eine dieser Neuerungen: Zum 25. Geburtstag gibt es als Dank für Kundentreue eine Stammkundenkarte mit Sofortrabatt von drei Prozent bei jedem Einkauf. Dazu Karl Brunner, Direktor der Raiffeisenbank Lienz: „Wir haben die Kundenkarte gemeinsam mit dem Verein entwickelt und freuen uns, damit die Direktvermarktung in der Region weiter zu stärken.“ Als weitere Maßnahme wurde im Genussladen ein Bankomat in Betrieb genommen. „Als der finanzielle Nahversorger in der Region können wir so einen Beitrag zur Attraktivierung dieses Stadtquartiers leisten“, erläuterte Brunner.

Bürgermeisterin Blanik zog schließlich noch ein Geburtstagsgeschenk aus dem Einkaufskorb, die Strominfrastruktur des Marktes wird erneuert und ausgebaut. Die Kosten von 40.000 Euro trägt die Stadtgemeinde. Blanik: „Am Wochenende schlägt hier das Herz der Stadt. Und dieses Herz braucht Power für mindestens 25 weitere Jahre.“