„Ja, ich finde mich selbst nicht mehr attraktiv.“ In einem Sketch ließen Schüler der Mittelschule Lienz-Nord ihre Gebäude selbst zu Wort kommen. Und zwar den 1968 erschaffene Ur-Bau, der sich, dem launigen Vortrag der Jugendlichen nach, selbst nicht mehr besonders ansehnlich fand, ebenso wie die für viele Klassenverbände durchaus spektakuläre Übergangsphase in der Containerschule beziehungsweise inmitten einer Baustelle. Aber natürlich durften auch die neuen Räumlichkeiten „vorsprechen“, in denen inzwischen neun Volksschulklassen, zwölf Klassen der Mittelschule sowie drei Klassen der Polytechnischen Schule eine neue Heimat am alten Platz gefunden haben.
Gedenkminute an die Opfer von Graz
Bürgermeisterin Elisabeth Blanik eröffnete den Festakt, an dem auch Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP), die Bürgermeister der Sprengelgemeinden aus Osttirol und (für die Poly) aus Oberkärnten sowie weitere Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft teilnahmen, mit nachdenklichen Worten und in Gedenken an die Opfer des Gewaltverbrechens von Graz: „Unsere Schulen sind Symbole der Jugend und der Hoffnung. Es sind Orte, an denen wir unsere Jüngsten, das Liebste, das wir haben, sicher umsorgt wünschen.“ Nach einer Schweigeminute erklärte das Stadtoberhaupt weiter: „Heute soll dennoch ein Tag der Zuversicht sein für alle, denen die Zukunft junger Menschen am Herzen liegt. Wir eröffnen nicht nur offiziell ein Gebäude, sondern wir schaffen einen Raum für Möglichkeiten und Gemeinschaft.“
Eine lange Geschichte bis zum Neubau
Bereits 2005 installierte die Stadtpolitik einen Ausschuss für die „Entwicklung und Sanierung des Schulgebäudes Nord“. Zahlreiche Gutachten, Bedarfserhebungen und statische Prüfungen folgten. Immer wieder wurden Instandhaltungsarbeiten durchgeführt, ehe sich die Stadt durchringen konnte, den Komplex mit seiner Nutzfläche von 9300 Quadratmetern grundlegend zu erneuern. „Wir haben viele Varianten geprüft, Standorte analysiert, Planungen erstellt und einen Wettbewerb ausgerufen“, blickte Stadtbaumeister Klaus Seirer zurück, der zur Notwendigkeit der Rundumerneuerung schmunzelnd ergänzte: „Als wir bei den ersten Begehungen hier den Charme der letzten Jahrzehnte eingeatmet haben, konnten wir uns nur damit beruhigen, dass es eine Zukunft geben wird.“
Der Baustart erfolgte im Juli 2022. Umgesetzt wurden die Pläne der Arbeitsgemeinschaft „okai & projektCC“. Rund um den Komplex entstanden zudem Grün- und Gemeinschaftsflächen. Auch an eine Ausgabeküche für die Ganztagesschule wurde gedacht, vor allem ist das Areal vor der Schule nun autofrei: „Die Parkplätze am Vorplatz sind einer ruhigen, großflächigen Aufenthaltszone gewichen, die in den Pausen gerne von Schülern und Lehrpersonen genutzt wird,“ so Architekt Stefan Thalmann von der Arbeitsgemeinschaft.
Großer Wert wurde auch auf die Barrierefreiheit und eine neue Raumaufteilung gelegt, bei der Nebenräume nordseitig integriert wurden, um südseitig Platz für weitere Klassen zu schaffen. Zudem wurden die Fenster getauscht sowie die Fassade gedämmt. Auch die Raumluft ist nach Aussagen der Stadt nach dem Einbau eines automatischen Klassenraumbelüftungssystems nun spürbar besser. Die Direktorinnen der drei Schulen lobten das Ergebnis: „Heute feiern wir nicht nur ein Gebäude, sondern die Idee von Bildung als Fundament einer starken, solidarischen Gemeinschaft. Willkommen zurück im Zentrum, neugestaltet mit frischem Wind und ganz viel Herz“ sagte Alexandra Haider von der Poly.
Anita Kofler-Neumayr, Leiterin der MS Lienz-Nord, erinnerte an die Übergangsphase, in welcher der reguläre Schulbetrieb aufrechterhalten werden konnte: „Der Weg zum heutigen Tag war mit Stolpersteinen gepflastert, viel Unerwartetes ist auf uns zugekommen. Aber an dem sind wir gewachsen“. Die Kinder und Lehrer der Volksschule wechselten in die Gebäudehälfte, in der nicht gebaut wurde, während die Lehrpersonen und 251 Schüler der MS Nord in ein zweigeschossiges Bauwerk im Bereich des Siedlerwegs übersiedelten, das sich aus 138 angemieteten Containern zusammensetzte. Die Polyschüler durften hingegen bis zum Abschluss der Bauarbeiten die Räumlichkeiten der alten Krankenpflegeschule nutzen.
Bereits im September 2023 konnten die Kinder der Volksschule und der Mittelschule in einen der neu sanierten Bauteile zurückkehren. Damit hatten die Container ausgedient und wurden abgebaut. Im September des vergangenen Jahres erfolgte fristgerecht und rechtzeitig zum Beginn des Schuljahres der Abschluss der Arbeiten im gesamten Komplex. „Es sind viele Wünsche und Erwartungen die mit Recht an den Ort Schule herangetragen werden. Wir als Direktorinnen und als Lehrperson, tun unser Bestes. Danke für die Unterstützung auch mit diesem Neubau“, schloss Maria Bürger, Direktorin der Volksschule, ab.