„Wir hatten Zeiten, wo wir zu wenig Akademiker und zu viele junge Menschen in Lehrberufen hatten. Jetzt ist es umgekehrt, wir brauchen mehr Lehrlinge“, unterstrich Wilfried Kollreider, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer Lienz zu Beginn des Berufs-Festivals in Lienz die Bedeutung der Veranstaltung. „Die Lehrausbildung in Tirol hat einen hohen Stellenwert, wer hier eine Lehre absolviert, kann davon ausgehen, dass er eine fundierte Ausbildung erhält.“ Auch die Arbeits- und Jugendlandesrätin Astrid Mair (ÖVP) besuchte das Event: „Das ist ein großartiges Format, um Schülerinnen und Schülern praxisnah zu zeigen, welche Chancen die heimische Wirtschaft bietet. In Zeiten des Personalmangels ist es essenziell, junge Talente frühzeitig für eine Karriere in der Lehre zu begeistern.“
Rund 400 Schülerinnen und Schüler der 3. Klassen der Mittelschulen Osttirols sowie Jugendliche von außerschulischen Einrichtungen hatten in der gastgebenden RGO-Arena je rund zweieinhalb Stunden Zeit, mit ihren Lehrpersonen durch die Halle und über das Außengelände zu gehen und zu fräsen, zu frisieren, zu backen oder Motorsägen zu zerlegen – wobei das Interesse und der Spaß an der Sache den Jugendlichen an jedem Stand anzumerken war.
Duale Ausbildung als Vorzeigegeschichte
Das erste Berufs-Festival in Lienz fand im Jahr 2010 noch im kleinen Rahmen in der Wirtschaftskammer statt. Heuer waren es über 30 Aussteller – Unternehmen und Organisationen – aus ganz Osttirol, die mit liebevoll und spannend gestalteten Ständen auf sich und ihr Ausbildungsangebot aufmerksam machten. „Der Stellenwert der Lehre ist extrem wichtig, die duale Ausbildung ist in Österreich eine Vorzeigegeschichte“, erläuterte Michaela Hysek-Unterweger, Bezirksobfrau der Wirtschaftskammer Lienz. Neben AK und WKO unterstützen das Land Tirol, der Arbeitsmarktservice (AMS) sowie die Industriellenvereinigung die Aktion.
Große Bandbreite der Osttiroler Betriebe und Einrichtungen
Vom Handwerk über Technik bis hin zu kaufmännischen Berufen, vom Kleinstunternehmen bis zum Industriebetrieb, das Spektrum war breit gefächert und spiegelte die wirtschaftliche Vielfalt der Region wider. Dabei waren große Osttiroler „Player“ wie Liebherr, Loacker, Hella oder iDM genauso vertreten wie kleine Handwerksbetriebe. Aber auch die Polytechnischen Schulen im Bezirk stellten aus. Alle Aussteller finden sich auch auf der Internetseite des Berufs-Festivals. „Wir können im Bezirk über hundert Lehrberufe anbieten“, so Hysek-Unterweger.
Auch Barbara Grain, Leiterin AMS-Geschäftsstelle Lienz, hob die Vielschichtigkeit heraus. „Ein Lehrberuf ist nicht automatisch ein Handwerksberuf, wir haben in Osttirol eine enorme Bandbreite. Uns ist es wichtig, dass die jungen Menschen durch solche Veranstaltungen früh in die Berufsorientierung gehen: Wo sind meine Stärken? Das verhindert Abbrüche.“ Grain betonte zudem, die Zukunftssicherheit von Lehrberufen: „Als Facharbeiter kann man sich heutzutage aussuchen, in welchem Betrieb man arbeiten möchte.“
Viele Aktionen, um Lehrlinge zu begeistern
Neben dem Berufs-Festival will das Land Tirol mit Aktionen wie dem „Lehrling des Monats“ oder dem „ausgezeichneten Tiroler Lehrbetrieb“ Akzente setzen. „Junge Menschen suchen sich inzwischen gezielt Betriebe aus, die einen guten Ruf haben, die wohnortnah sind, die eine starke soziale Komponente haben und den Lehrlingen einfach etwas bieten“, so Mair abschließend.