20 Jahre warten die staugeplagten Bewohner von Split und der Küstenorte entlang der Bucht von Kaštela schon auf eine Verkehrsentlastung. 2019 wurde das Projekt einer Brücke über die Bucht von Kaštela mit direkter Verbindung des Hafens von Split zur Autobahn in die Liste der strategisch bedeutendsten Infrastrukturprojekte Kroatiens aufgenommen. Nun ist ein wichtiger Schritt zur Verwirklichung der „Golden Gate Brücke von Dalmatien“, wie das künftige bauliche Wahrzeichen von Split bereits genannt wird, getan: Das Siegerprojekt der Ausschreibung von „Hrvatske ceste“ wurde gekürt.
Zwölf Einreichungen gab es für den mit 685.000 Euro dotierten Wettbewerb. Gewonnen hat das Design eines Gemeinschaftsprojekts des krotaischen Archtiketurbüros 3LHD und Pipenbaher aus Slowenien. Die Slowenen haben schon die bekannte Pelješac-Brücke entworfen. 60.000 Euro Siegesprämie gab es für den Entwurf. „Der prämierte Wettbewerbsbeitrag basiert auf einem klaren und konsequent umgesetzten Konzept. Dieses hebt die visuelle Identität der Brücke durch eine überzeugende und kraftvolle Präsentation von einem bloßen Symbol ab. Die präsentierte Lösung geht über die reine Funktion der Überquerung der Bucht hinaus“, begründet die Jury, unter Vorsitz des Architekten Ante Kuzmanić, ihre Entscheidung und betonte, dass die Harmonie mit der Umgebung und dem städtebaulichen Kontext als eine der gestalterischen Prioritäten hervorzuheben war.
Vierspurig mit Fuß- und Radwegen
Um sich in die Landschaft bestmöglich einzufügen, sei – im Gegensatz zur Pelješac-Brücke – ein zurückhaltender Ansatz gewählt worden: „Die geplante Brücke verteilt die Pfeiler und Pylone optimal im Meer und fügt sich harmonisch in die bestehende Umgebung ein. Die Masse der Hauptpylone wird durch die Gestaltung an den Stellen, an denen die Brücke am stärksten betrachtet wird, optisch reduziert. Diese optische Leichtigkeit wird durch die Anordnung der Diagonalstreben in der Achse des Überbaus erreicht. Dadurch wird eine doppelte Aufhängung vermieden, wie sie bei seitlichen Diagonalstreben an den meisten Blickpunkten zu einer optischen Belastung führen würde. Dank der gewählten Aufhängungsmethode können die Randbereiche der Fahrbahnkonstruktion innovativ genutzt werden, indem ein Fuß- und Radweg integriert wird. Die Nutzer dieses Bereichs haben freie Sicht und sind vor Lärm und Fahrzeuglicht geschützt“, heißt es in der Erklärung.
223 Millionen Euro
Mit dem feststehenden Design liegt nun aber noch ein langer Weg bis zur Umsetzung. Es folgen zunächst die Projektierung im Detail und eine Umweltverträglichkeitsprüfung, bevor es an Baubewilligungen und Ausschreibungen für die bauliche Umsetzung für Hrvatske ceste gehen kann. Ein Baustart ist frühestens 2027 zu erwarten. Die Brücke soll bei ihrer Fertigstellung knapp unter 1,6 Kilometer lang werden und über vier Fahrspuren sowie einen Fuß- und Radweg verfügen. Zudem wird es vier Aussichtspunkte, zwei an jeder Seite, geben. Der höchste Punkt soll etwa 55 Meter über dem Meeresspiegel liegen und die freie Fahrrinne unter der Brücke wird über 200 Meter breit, um die ungehinderte Durchfahrt von Schiffen zum Nordhafen von Split zu gewährleisten. Die Durchfahrt wird für Schiffe mit einer Maximallänge von 250 Metern, einer Höhe von 52,5 Metern und einer Breite von 60 Metern möglich sein. Die geschätzten Baukosten werden sich auf 223 Millionen Euro belaufen..
Die Brücke ist Teil des Projektes „Neuer Eingang nach Split“, das eine neue Straßenverbindung zwischen der Autobahn A1 und dem Hafen Split vorsieht, um die bestehenden Verkehrswege am westlichen Stadteingang zu entlasten. Das Gesamtprojekt umfasst die Verbindung des Autobahnkreuzes Vučevica (A1), des Kozjak-Tunnels, des Autobahnkreuzes DC8 und des Hafens von Split.