Was mit dem endgültigen Aus für das geplante, höchst umstrittene Isel-Kraftwerk vor rund etwas mehr als zehn Jahren begann, wurde zu einem Osttiroler Erfolgsprojekt – das im kommenden Jahr mit noch mehr Geldern und für noch mehr potenzielle Förderprojekte neu durchstarten wird. Der Reihe nach: Statt Strom aus Wasserkraft bekamen die Iseltaler Gemeinden und ihre Bürgermeister rund um Dietmar Ruggenthaler (Virgen) und Alt-Bürgermeister Andreas Köll (Matrei) damals andere flüssige Mittel. Nämlich die Gelder der Natura-2000-Förderschiene für die Region Isel, die ihnen zehn Millionen Euro verteilt auf zehn Jahre einbrachte beziehungsweise heuer noch einbringt. Doch damit wäre Ende des Jahres eigentlich Schluss gewesen.

Regionalwirtschaftsprogramm läuft zehn Jahre

„Eigentlich“, weil Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) – zusammen mit Ruggenthaler und Markus Stotter, Oberlienz-Bürgermeister und Obmann des Planungsverbands Lienzer Talboden – auf den Gartenterrassen von Schloss Bruck ein nachfolgendes Regionalwirtschaftsprogramm präsentierte. Und das hat es in sich. Erneut auf zehn Jahre bis 2036 gestreckt, macht das Land Tirol diesmal trotz der aktuell angespannten Budgetsituation das Doppelte, also 20 Millionen Euro locker. Und nicht nur die Iseltaler profitieren, die Förderung wird auf ganz Osttirol ausgeweitet.

Landeshauptmann Anton Mattle sagte gegenüber den Medien, dass er sich persönlich für die Mittel eingesetzt hat
Landeshauptmann Anton Mattle sagte gegenüber den Medien, dass er sich persönlich für die Mittel eingesetzt hat © André Schmidt

Investitionsvolumen von 80 Millionen Euro

Kein Wunder, dass Mattles einleitende Worte euphorisch ausfielen: „Ich möchte hier über ein absolutes Positivthema informieren.“ Laut des Landeshauptmannes wurden bisher rund 7,5 Millionen Euro aus Natura 2000 Iseltal für knapp 200 Projekte geschöpft, die jedoch ein Investitionsvolumen von stolzen 80 Millionen Euro ausgelöst haben. Mit den Mitteln wurden beispielsweise die Errichtung neuer Geschäftslokale oder flächenmäßige Betriebserweiterungen unterstützt, wichtige Infrastrukturprojekte realisiert, aber auch die Beschaffung innovativer technischer Ausrüstung, hochmoderner Maschinen und effizienter Arbeitsgeräte wurde gefördert. „Daran sieht man, dass diese regionalwirtschaftlichen Förderprogramme der Hebel schlechthin sind, um in einer Region etwas zu bewegen“, erläuterte Mattle, der den Iseltrail als ein Vorzeigeprojekt heraushob, „das über den Bezirk hinaus strahlt.“

Ruggenthaler, der auch Obmann des Regionsmanagement Osttirols (RMO) sowie des Planungsverbands Iselregion ist, lobte die bisherige Förderschiene aufgrund ihrer Niedrigschwelligkeit: „Dieses Programm gewährt auf relativ unbürokratische Art Unterstützung.“ Dabei betonte der Virgener Bürgermeister, wie viel Spaß die Zusammenarbeit mit den Antragsstellern in all den Jahren gewesen sei: „Wir treten in Kontakt mit den Leuten, gehen direkt in die Betriebe. Und die zeigen uns mit einem Enthusiasmus ihre Projekte, dass die Freude ansteckend ist.“

„Die Wurzeln dieses Programms liegen relativ tief“

Insofern hofft Ruggenthaler, dass auch das neue Programm vor allem kleinen Wirtschaftsbetrieben und kleinteiligen Strukturen zugute kommt: „Es gibt nichts Neues ohne Wurzeln. Und die Wurzeln für dieses Programm liegen relativ tief.“ Dass es einer Öffnung bedurfte, war dem Iseltaler bewusst. „Schon immer hat der ganze Bezirk von den Projekten an der Isel profitiert, aber wenn wir jetzt nur unsere Region betrachtet hätten, wäre es zu einer Kürzung gekommen. Jetzt freue ich mich mit allen Osttirolern auf das neue Förderprogramm.“

Nicht nur laut des Landeshauptmanns ein Vorzeigeprojekt des Natura-2000-Programms: der Iseltrail
Nicht nur laut des Landeshauptmanns ein Vorzeigeprojekt des Natura-2000-Programms: der Iseltrail © André Schmidt

Stotter lenkte den Blick vor allem auf die Thematik Arbeitskräftemangel und erhofft sich durch das Regionalwirtschaftsprogramm Impulse. „Wir brauchen neue Ansätze. Wir möchten Strategien mitaufnehmen, um den Bezirk gerade für junge Menschen noch attraktiver zu machen. Zentral dabei ist es, zukunftsfitte Arbeitsplätze zu schaffen. Und da müssen wir uns dem Wettbewerb aus Oberkärnten und Südtirol stellen.“ Er lobte zudem die konstruktiven Gespräche: „Wir haben für unseren Bezirk schon gefightet, aber man sieht, dass der Landeshauptmann die Probleme in den weiter entfernten Regionen kennt“, so Stotter weiter, der zudem nachhaltige Bauweisen, Kreislaufwirtschaft und den Ausbau des Campus in Lienz als Ziele nannte.

Im Herbst beginnt die Erstellung des Programms

Die konkrete Erstellung des Regionalwirtschaftsprogramms Osttirol beginnt mit Herbst und wird unter Einbindung der regionalen Akteure mithilfe einer externen Begleitung durch Expertinnen und Experten durchgeführt. Erarbeitet werden dabei Ziele, Entwicklungsschwerpunkte, Umsetzungsstrategien sowie ein Aktionsplan. „Die Ausarbeitung des Programms erfolgt im Bezirk in enger Abstimmung mit dem Land, der Bezirkshauptmannschaft Lienz und dem Regionsmanagement So wird sichergestellt, dass das Programm auf die konkreten Bedürfnisse in der Region maßgeschneidert wird“, erklärte Ruggenthaler die weiteren Schritte, denen auch der Landeshauptmann erwartungsvoll entgegensieht: „Diese Region hat bewiesen, dass sie weiß, was ihr gut tut. Und ich bin mir sicher, dass die Akteure den Bezirk wirtschaftlich in all seiner Buntheit erneut weiterentwickeln.“