„Ja, Osttirol – eine Binneninsel mit allen Vor- und Nachteilen. Aber jeder von euch hat sich für das herrliche Platzerl entschieden. Da bin ich, da lebe ich, da schaue ich, dass ich das fein hergerichtet habe.“ Durchaus emotional eröffnete Obmann Dietmar Ruggenthaler die Generalversammlung des Regionsmanagement Osttirol. „Wir haben aber Probleme mit dem demographischen Wandel und dem Wegzug. Daher ist es unsere Aufgabe als Gemeinschaft, einen Lebensraum zu bieten, wo wir gerne wohnen, arbeiten und unsere Freizeit verbringen.“
In Folge präsentierte RMO-Geschäftsführer Philipp Schlemmer die im Vorjahr geförderten Projekte, die sich auf diverse Förderprogramme aufteilen. Alleine auf das „Leader“-Programm entfielen in der Förderperiode (2023 bis 2027) Gesamtprojektkosten von rund 2,2 Millionen Euro, die Fördermittel betrugen circa 1,5 Millionen Euro. Schlemmer hob Leuchtturmprojekte wie den Tourismus-Infopoint im Villgratental, das Projekt „Super Host“ für angehende Gastgeber oder die Vortragsreihe „Selbstversorgt aus dem eigenen Garten“ in Virgen hervor.
Beim grenzüberschreitenden „Interreg“-Förderprogramm summierten sich seit 2021 die Gesamtprojektkosten auf rund 1,1 Millionen Euro, die Fördermittel auf circa 890.000 Euro. Hier erwähnte Schlemmer beispielhaft eine KI-Schulung, an der auch Osttiroler Lehrern und Schülern teilnehmen durften: „Da sind die Erwartungen und Erlebnisse soweit auseinandergegangen, da könnte man ein Buch mit füllen, wie unterschiedlich das Thema KI aufgenommen wird und wie die unterschiedlich die Erwartungen sind.“
Über 10 Millionen Investitionen bei Natura 2000
Der dickste Batzen an Gesamtinvestitionen entfiel alleine im Vorjahr mit 10,5 Millionen Euro auf das regionalwirtschaftliche Programm „Natura 2000 Region Isel“. Die laut Schlemmer äußerst unterschiedlichen Projekte wurden dabei mit einer Million Euro gefördert, die Anzahl der Projektanträge sei unverändert hoch.
Besonders lobte Schlemmer die Arbeit des Freiwilligenzentrums Osttirol, wo es Leiterin Simone Ortner-Trebo im Vorjahr geschafft hatte, 34 neue Freiwillige zu rekrutieren, sodass nun rund 250 aktive Freiwillige in der RMO-Datenbank stehen und 450 Menschen etwa an der Freiwilligenwoche teilnahmen. Schließlich wies der RMO-Chef auf eigene Projekte hin. Auch heuer soll dabei die Gleichstellungskoordination im Vordergrund stehen, zudem rücken das Thema Mobilität, das wieder gestartete Projekt „Vordenken für Osttirol“ sowie der Abbau von Leerstand in den Fokus. „Mit der Raumschmiede haben wir einen neuen Partner gefunden. Wir wollen Eigentümer von Leerstand gezielt ansprechen, ihnen ein Konzept in die Hand geben und bei Fördermaßnahmen unterstützen.“
Höchste Aufwendungen in 20 Jahren
Beim Rechnungsabschluss des als Verein fungierenden RMO standen 2024 Aufwände und Erträge von rund 900.000 Euro zu Buche, davon fast 680.000 Euro abgerufene Fördermittel. Laut Kassier Hansjörg Mattersberger die „bisher höchsten Aufwendungen“, die das RMO in den zwanzig Jahren seines Bestehens verzeichnete. Für das heurige Jahr sind um 830.000 Euro in beide Richtungen geplant, davon 640.000 Euro Fördermittel.
Ruggenthaler wies zu Beginn und zum Ende der Veranstaltung noch auf die gestiegene Bürokratie hin: „Ich war bereits 1997 Obmann des Leadervereins Virgental. Da war das noch eine niederschwellige Form der Förderung für ländliche Projekte. Es war alles beschwingt und hat bestens funktioniert“, erinnert sich der Virgener Bürgermeister zurück. „Doch dann hat mehr und mehr das Bürokratiemonster zugeschlagen. Zunächst hieß es, es würde wieder einfacher werden, aber mit jeder Förderperiode wurde es eher komplizierter.“ Hier versprach Martin Traxl von der Landesentwicklung Tirol Abhilfe: „Wir spüren alle, es ist genug. Es soll nicht mehr um Kontoprüfungen gehen, sondern um die Effekte in den Regionen. Osttirol hat sich dabei immer durch enormen Elan und Einsatz ausgezeichnet.“